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REI co-op dtr 2.2


I've come a long way.

Mit unserem Umzug nach Bellingham ins Sudden Valley haben wir Wanderwege und Mountainbike Tracks in der Lookout Mountain Preserve quasi direkt vor der Nase. Fünf Minuten vom Haus entfernt geht's schon los. Ein Frevel wäre es, diese Möglichkeiten nicht zu nutzen.


Im Sommer 2019 fühlte ich mich berufen. Ein gebrauchtes Rad kam nicht in Frage. Meine Erfahrungen damit waren nicht die besten (Bianchi Thomisus). Im Frühherbst werden üblicherweise die Fahrradpreise gesenkt, zu schauen was REI (founded in WA, ein Geschäft auch in Bellingham) im Angebot hat, lag auf der Hand und dreissig Prozent weniger klangen gut.


Manchmal ist es gar nicht verkehrt, sich nicht zu sehr mit den Technologie-Neuerungen im Vorfeld zu beschäftigen, sondern einfach zu machen. Das Rad passte gerade so in den Kofferraum des Touareg, wie man zum Beispiel das Vorderrad hätte ausbauen können, war mir zu dem Zeitpunkt nicht klar (Was weiss denn ich, was through-axles sind, waren das vorher denn etwa keine?).
Langer Rede, kurzer Sinn, da habe ich mir ein schönes Stück Technik zugelegt. Mal ausnahmsweise nicht zu sehr geknappst und herumoptimiert. Klar war nur, dass nur ein Einfachblatt in die Tüte kommt und eine luft- statt federgefederte Gabel und auch ein dropper post sehr hilfreich sein würden.


Der Lenker kam mir allerdings mächtig breit vor und mehrfach war ich geneigt ihn ein Stück zu kürzen. Das war aber noch, bevor ich mich das erste mal richtig auf die Bergstrecken bemühte. Ich wollte bis nach dem Ferienende warten, um für meine ersten Schritte weitgehend ungestört auf den Wegen zu sein. Boy, habe ich dazu gelernt.
Damit sind wir schon mittendrin, im Erlebnis Mountainbike. Auch wenn die erste Fahrt beileibe nicht die beste war im Sinne wie gut ich den Berg hoch- und wieder runterkam, so ist doch die Euphorie, mit einem waschechten Mountainbike die Waldwege entlang zu fliegen, bis heute nicht vergessen.

Ich habe gute zwei Monate gebraucht, bis ich den 2.5 km langen Anstieg bis zum höchsten Punkt (von 130 auf 360 m) am Lookout Mountain am Stück geschafft habe. In erster Linie lag's natürlich an der Kondition, aber auch die Gewichtsverteilung ist nicht ohne. Die Steigungen sind mitunter knapp dreissig Prozent steil und gerade das letzte Stück ist der Hammer. War mir nicht gleich klar, aber statt erstem Gang geht für mich nur der zweite Gang und Wiegetritt, um zum einen noch genügend Grip am Hinterrad zu haben, das Vorderrad aber nicht Bodenkontakt verlieren zu lassen. Danach hängt mir aber auch das Herz zum Hals raus. Die folgenden guten drei Kilometer sind dafür sehr rewarding. Wunderschöne Abschnitte durch den Wald. Aber auch einige extreme Spitzkehren und dann zwei, drei wunderschöne Steilkurven. Die Spitzkehren auch ohne Bodenkontakt (mit den Füssen, ha) zu durchfahren war ein weiterer Meilenstein. Inzwischen schaffe ich das zwar auch nicht immer, aber darum geht es ja auch gar nicht.
Wenn's mich rappelt, hänge ich noch einen knappen relativ flachen Kilometer dran. Das hat sich so als meine Standardrunde etabliert und ich brauche inzwischen eine knappe Stunde dafür.


Der Galbraith Mountain gleich um die Ecke ist ein national anerkanntes Mountainbiker-Paradies und steht auch auf meiner Liste. Noch habe ich es nicht da hin geschafft. Zum einen ist der Lookout Mountain nun mal vor der Haustür, zum anderen will ich mich noch ein bisschen in Drops und Sprüngen üben. In diesem Sinne, wäre ein Fully nicht angebracht? Klar, aber lieber habe ich die Technik meinen Fähigkeiten hinterherhinkend als umgekehrt.

Vom Rennrad habe ich die Klickpedale genommen. Ich kann einfach nicht anders auf die Tasten hauen. Und ein paar Schutzbleche mussten ran, für ein Minimum an Abwehr. Geht schon manchmal ordentlich matschepampig zu. Gut, dass die heisse Dusche nicht weit weg ist...




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