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Glocknerkönig Classic

Wenn man nicht die ganze Zeit nur ebene Strecke und Rückenwind haben kann, also der Normalfall, dann war schon immer mein Ding sich irgendwo rauf zu quälen um dann die Abfahrt zu geniessen. Erst der Preis, dann der Fleiss. Und noch dazu wenn die Strecke für den Autoverkehr gesperrt wird.
Früher oder später wird man also auf die Auffahrt am Grossglockner aufmerksam. Viermal habe ich das Glocknerkönig Classic Rennen mitgemacht, 1998, 1999, 2000 und 2001.
Nach dem Startschuss am Dorfplatz in Bruck heißt es bei maximal zwölf Prozent Steigung 1694 Höhenmeter zu überwinden zum sogenannten Fuscher Törl auf knapp 2500 m.


Das erste mal bin ich mit H. gefahren. Wie ich ihn dazu überzeugen konnte ist mir heute allerdings ein Rätsel :)
Toll war es jedenfalls. Und wir sind beide mit Bedacht an die Sache herangegangen. Geschmeidig war das Wort der Stunde, daran kann ich mich noch erinnern. Meine Vorhaben, die Strecke zumindest ohne Unterbrechung zu schaffen habe ich umsetzen können. In manchen Kehren mit Platz und ohne Verkehr habe ich zuweilen eine Runde gedreht, um die Beine mal kurzzeitig zu entlasten.
Übernachtet haben wir im Zelt. Dazu war das alte DDR-Pouch noch wunderbar geeignet.

Inzwischen ist Th. auch zu den Rennradlern gestossen und nun machten wir die Tour gemeinsam. Andere Bilder habe ich keine, also nehme ich an, dass wir zwei der Übernachtungen wieder in meinem Zelt gemacht haben. Von zumindest einmal weiss ich noch ganz sicher, weil Th. nämlich sowas noch nie gemacht hat und sehr unruhig geschlafen hat.


Ein lustiger Schelm übrigens, der Th. Weiss noch, wie er die Leute an der Anmeldung verblüfft hat als er sagte, ich wäre im Vorjahr Zweiter geworden und bevor ich die Sache aufklären konnte.

Die Fahrt 2001 dann verlangt besondere Erwähnung. Die Jahre zuvor konnte ich die Abfahrt sukzessive beschleunigen und von zuerst knapp achtzig auf dann über achtzig Sachen steigern, mit dem Ziel eben in diesem Jahr die Hundert zu knacken. Die Kunst besteht im zeitigen Bremsen, um sicher durch die Kurven zu kommen. Geradeaus war das Rad immer super stabil. Wer mich kennt, weiss, dass solche Ziele von mir immer nur halbernst gemeint sind und egal wie es ausgeht, alles akzeptabel ist.
Aber soweit sollte es leider nicht kommen. Am Rennmorgen sind wir schon im Regen gestartet und wie das nun mal mit zunehmender Höhe ist, wird aus Regen schnell Schnee. Ein paar "Eilige" haben es wohl noch nach oben geschafft, aber der Schnee wurde immer dichter und für uns war an der Hexenküche (wie passend) Schluss. 2155 m. Das war's. Wir hätten noch ein paar Meter gekonnt, aber wissend, dass wir auch wieder runter müssen, war das auf keinen Fall zu zeitig. Denn wie sich zeigte, fing das eigentliche Drama jetzt erst an. Man halte mal ununterbrochen die eisigen Bremshebel mit kalten und nassen Fingern. Zur Abwechslung mal die Füsse auf dem Boden schleifen ging auch nur sehr bedingt, weil diese ruckzuck Schneematsch aufluden. An einer Baude auf vielleicht halber Höhe machten wir Halt in der Hoffnung auf Wärme und Trockenheit. Aber man war sehr am ununterbrochenen Geschäftsablauf interessiert, so dass ich mir nur ein paar Zeitungen zur Isolierung unter das Trikot stecken konnte. Meine Hoffnung war Jana - und sie hat uns nicht enttäuscht. Wenig später kam sie uns mit dem Volvo entgegengefahren und wir wurden erlöst. Ich war ordentlich unterkühlt. In der Unterkunft stand ich eine gefühlte Stunde unter der Dusche und mir war danach immer noch nicht richtig warm.


Insgesamt keine schlechte Erfahrung. Auch wenn man meilenweit am Ziel vorbei schrammt, dafür aber so etwas erlebt, gibt das eine gewisse Zufriedenheit - und was zu erzählen.

Ich hätte sicher wieder mitgemacht, aber unser Umzug in die USA hat erst mal die Prioritäten verschoben.




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