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Vätternrundan

Bereits einen Monat nachdem dass ich das Rennrad hatte, stand Grosses auf dem Program: die Vätternrundan, ein Teil der schwedischen Klassiker, die 300 km-Rundfahrt um den Vätternsee. Es heisst, man wächst mit seinen Aufgaben - die Runde war dazu geeignet.


Wie schon Griechenland bin ich die Sache zusammen mit W. angegangen. Dank unserer Arbeit im Volvo-Projekt war der Flug nach Schweden abgehakt (Projektmeeting), wir hatten uns dann eine Unterkunft in der Nähe genommen und mussten nur noch auf gutes Wetter hoffen. Was auch nicht enttäuschte, ein wurde ein gutes Mittsommer-Wochenende.
Eine Teilnehmerzahl von über 10000 verlangt nach guter Organisation. Gestartet wurde rund um die Uhr in Gruppen von 60 bis 70 Mann. Unsere Startzeit lag bei 2 Uhr in der Früh, was sich aber als sehr geeignet herausstellte. Denn gegen 8 am Morgen hatte man dann schon die ersten einhundert Kilometer abgespult und konnte sich auf den verbleibenden Rest konzentrieren. Einer Seeumfahrung eigen gibt es keine Abkürzung und Rückenwind schlägt irgendwann auch mal in Gegenwind um. Die letzten einhundert Kilometer zogen sich dann schon gewaltig. Das Ziel kam dann allerdings doch schneller als erwartet aber fünfzehn Stunden standen dann trotzdem auf der Uhr.

Die Kunst liegt in der Gleichverteilung der Schmerzen, aber am Ende waren alle beleidigt, meine Knie, Hände, und mein Hintern sowieso. Aber nach vielleicht ein zwei Tagen war das auch Geschichte.
Aber zum Thema Organisation muss man den Schweden natürlich lassen, da gab's nichts zu kritteln. Alle zwei Stunden Stützpunkte mit Verpflegung - Blaubeersuppe z.B. - und Massage (für den, der wollte). Und die Leute lassen es sich nicht nehmen, durch die Nacht hindurch von ihren Vorgärten entlang der Strecke zuzujubeln.

Eine etwas gemischtgefühlige Angelegenheit war der Besuch meiner Eltern. Frisch verrentnert und bewohnmobilt haben sich sich entschieden, mir einen Besuch abzustatten. Ich glaubte an ein Missverständnis als mir unsere Wirtin erzählte, dass sich meine Eltern nach mir erkundigt hätten. Nur um wenig später eines besseren belehrt zu werden. Meinem Vater war anzusehen, dass er einen gewissen Stolz für mich empfand. In der Zieleinfahrt haben sie mich dann glatt übersehen. Eigentlich wäre ich in dem Moment lieber nur für mich gewesen, aber was tut man nicht alles.


Also, wenn man die Vätternrundan einmal gemacht hat, gibt es keinen Grund nicht zu sagen, "reicht, ich weiss, dass ich es kann." Es sei denn, freundliche Kollegen überzeugen einen vom Gegenteil. So geschehen zwei Jahre später, 1999.
Diesmal waren wir vier AVL-Kollegen und ein Volvo-Mann, der Roger L., der immer sehr nett und freundlich zu mir war. Er hatte uns auch versprochen, einen LKW mit Kastenaufbau und Luftmatratzen und dergleichen für uns zu besorgen. Der LKW ging klar, die Matratzen waren Mangelware. Am Ende haben ein paar von uns irgendwo auf der Wiese geschlafen. Schwamm drüber. Die Nacht war ohnehin wieder ähnlich kurz wie das erste Mal. Wie gehabt, jeder machte sein Ding. Ein- zweimal konnte ich mich gut in einer losen Gruppe integrieren und ordentlich Tempo machen. Da ging über gute Stücke ordentlich was weiter. Dann gar nicht mehr so weit vor dem Ziel habe ich den Fehler gemacht eine Pause einzulegen, obwohl ich in dem Moment noch das Gefühl hatte, es bis zur nächsten Station zu schaffen. Da habe ich nämlich W. getroffen und hätte ihn also vielleicht hinter mir lassen können. Mir war das in dem Moment nur wichtig, weil es für ihn wichtig war. Aber ist ja alles Quatsch. Am Ende war ich zwei Stunden schneller als beim ersten Mal und weniger versehrt. Nun reicht's aber.




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