offspring
September 2013

Felix - 10 Jahre


Felix ist 10 Jahre.

Felix hatte ein ereignisreiches Jahr mit vielen gute Erlebnissen, aber natürlich auch Momente, in denen er sich der Realität stellen musste. Dabei ist er kein Draufgänger, er ist eher vorsichtig agierend und zunächst beobachtend bevor er etwas unternimmt.
Seine Kumpels in der Schule machten es ihm aber auch nicht immer leicht – Felix ist keiner der anderen etwas kaputtmacht oder Freundschaften für einen derben Spaß vergisst – aber durch sie hat er auch viel dazugelernt. Nach anfänglicher Euphorie und zwischenzeitlicher Abkühlung treffen sich die Jungs nun regelmassig und meistens bei uns zu Hause und wir staunen, wie er sich seinen Stand verschafft.

Felix hat ungemein an Selbstsicherheit gewonnen. Für mich in seinem Alter war das undenkbar, aber Felix können wir unbesorgt am Scania Sports Camp mit Hunderten fremder Kinder teilnehmen lassen. Er beisst sich durch, weiss sich zu helfen und kommt beschwingt nach Hause.

Mitunter legt er eine Ausgelassenheit an den Tag, die uns erleichtert aufatmen lässt.

Und wenn er mal was anstellt, zum Beispiel einen Smiley auf's Haus zu sprühen, werde ich auch immer wieder daran erinnert was ich selbst angestellt habe und wie es sich angefühlt hat und versuche mich in Nachsicht - was zugegebenermassen nicht immer gelingt.

Ohne Probleme hat sich Felix also in sein neues Umfeld in Schweden integriert. Die Sprache beherrscht er inzwischen so gut, dass seine neue Lehrerin mit Beginn der vierten Klasse ihn für einen "alten Schweden" gehalten hat.
Lust hatte Felix wenig, aber der wöchentliche Sprachkurs zu Beginn des Jahres hat ihm sehr geholfen. Seine Lehrerin hat ihn zumal so sehr gemocht, die übermassig lange Anfahrt auf sich zu nehmen und ihm zum Kursende sogar mit einem großen Lego-Buch zu beschenken.
Verbleibende Sprachprobleme sind dann meistens die einzige Ursache für Schwierigkeiten in der Schule. Die Mehrsprachigkeit macht es sicher nicht leichter. Das wurde bei den Hausaufgaben schnell klar. Aber er hat sich gut berappelt, inzwischen ist davon nicht mehr soviel zu spüren.
In schwedischen Schulen geht es überraschend locker und zumindest am Anfang wohl auch etwas unterfordernd zu. Aus Felix ist mitunter schwer etwas rauszukiegen, aber wenn ihm etwas Spass macht, erzählt er doch gerne davon, wie z.B. die Schmetterlingsaufzucht. Auch kann er skandinavisches Design aus erster Hand erleben.

Und um beim Lernen zu bleiben, die Klavierstunden haben wir beibehalten. Allerdings hat seine Begeisterung nachgelassen. Wenn es ihn dann noch nervt nicht die richtigen Tasten zu treffen, dann arbeiten wir hart daran, seine Wut in die Einsicht der Notwendigkeit erhöhter Bemühungen zu lenken.

Wenn ihn aber mal die Begeisterung gepackt hat, dann kann's auch richtig zur Sache gehen. Origami, Nähmaschine, Schnitzen sind alles gute Beispiele.

Im letzten Jahr profitierte Felix überraschendwerweise mindestens von Henry genauso viel wie umgekehrt, vor allem in sozialer Hinsicht. Felix zeigt gern wo's lang geht und Henry gibt dazu unmittelbar und ungefiltert seine Meinung kund.

It's a gift and a curse, die moderne Technologie. Minecraft bis zum Umkippen. Als es zuviel wurde, halten wir ihm und natürlich später auch Henry die erziehungswissenschaftliche Empfehlung eines Zwei-Stunden-Limits entgegen, um wenigstens halbwegs im Rahmen zu bleiben.

Zum Ausgleich spielen wir zuweilen Federball und Innebandy, schicken ihn zum Tennis, fahren Fahrrad, und zum Langlauf im Winter ist es auch nicht weit. Und natürlich gehen wir oft wandern und schauen uns in Stockholm eine neue Ecke an.

Das ist auch gleich eine gute Überleitung zur chronologischen Reise durchs Jahr.

Der Herbst kann auch in Schweden sehr goldig sein und das färbt auf unser aller Stimmung ab.

Wir waren wohl jedes Wochenende irgendwo unterwegs und Felix hatte seine Freude am Rumstromern. Das Wetter spielte meistens mit und Blaubeeren waren lange 'plentyful'.

Ein frisch gebackener schwedischer Blaubeer-Streuselkuchen geht dann auch weg wie ein solcher.

Unser erster Besuch im Store Mosse Nationalpark war Klasse. Ich geniesse es, wenn Felix gerne noch mit mir auf einen späten Ausflug kommt und wir dann wie die heimkehrenden Abenteurer durch die Dunkelheit stolpernd zur Herberge finden.

Das erste Eis, der erste Schnee waren unwiderstehlich.

Ein Besuch im Freilichtmuseum Skansen in Stockholm im Winter kann verdammt kalt werden, aber einen schwedischen Weihnachtsmarkt hat man nicht alle Tage.

Unser Trip in den fernen Norden Schwedens weit über den Polarkreis verdient Erinnerung. Wir nutzten die Gunst der Unbedarftheit und den Eifer der Stunde - heute würden wir soetwas nicht so schnell wieder machen.

Und Weihnachten natürlich.
Bilder sprechen Bände.


Im neuen Jahr geht der Winter erst richtig los. Klasse. Was stört uns das Schneeschieben. Let it snow.

Und wenn schon denn schon, Schlittschuhlaufen kann Felix bereits, Langlauf machen wir nebenbei, warum nicht also Snowboard. Nicht einfach, aber ein Anfang ist gemacht.

Zwischendurch schauen wir noch mal bei der Vasa vorbei.

Und zu Ostern lag immer noch Schnee und die Schönwetterphase nahm kein Ende.

So lang der Winter aber auch war, so schnell kam dann doch der Frühling. Wir klappern ein paar neue Naturreservate ab, machen einen Ausflug nach Nynäshamn und wir entdecken das Grimminge Haus und den Strand in Österlen. Und natürlich immer mal wieder Stockholm.
Und natürlich machen die Jungs auch was Jungs so machen.

Der Sommerurlaub war ran wie nix. Einen Teil verbrachten wir in Deutschland und haben Felix und Henry grossteils in familiäre Obhut gegeben, während Jana und ich ein paar Tage allein in Amsterdam und Hamburg unterwegs waren. Das hat uns allen zu neuen Erfahrungen verholfen.

Die Fährfahrt war wieder grosse Klasse.

Wundere mich allerdings heute noch, dass uns niemand vom Hubschrauberdeck gejagt hat. Ich hatte es auch erst spät bemerkt, dass der Bereich ja abgetrennt war, aber schnell waren die Jungs bei der feuchten und steifen Brise ohnehin geschafft.
Gelegenheit zum Baden bekommen die Jungs dann schon mal an der Ostsee, aber zurück in Schweden auch im Badesee in der Nähe.

Bevor wir den Rückblick abschliessen, die obligatorische Porträtserie.

Auch wenn es schon wegen Henry noch eine Weile spannend bleiben wird, auf Felix' Beliebtheitsskala hat Lego wahrscheinlich den Zenit erreicht. Der Unimog zum Geburtstag war daher bei ihm in guten Händen.

Wir wünschen Felix alles, alles Gute für das neue Lebensjahr.



zurück zur Felix-Hauptseite