offspring
September 2012

Felix - 9 Jahre


Felix ist neun Jahre.

Was sollen wir sagen, die Zeit fliegt dahin und Innezuhalten gelingt nicht immer. Aber gut geht es ihm. Felix hat viele Interessen und die beschränken sich nicht nur auf Lego und neuerdings sein Kindle, sondern erstrecken sich auch auf Dinge wie Origami und Klavier. Zuweilen bastelt Felix auch wie ein Besessener und alle Ablageflächen sind in Gefahr.
Wir sind nicht untätig darin, ihn an Neues heranzuführen. Gleichzeitig wollen wir Felix aber auch nicht überladen und uns die Wochenenden zuknallen. Musse ist genauso wichtig.
Also Lego haben wir schon erwähnt, oder?

Felix ist sehr harmoniebedürftig und hat's gern gemütlich - er beansprucht schon mal ganz gerne eine Couch für sich und in seinem Bett tummeln sich immer noch so an die zehn Kuscheltiere.

Felix reflektiert viel und hat gut gelernt sich aus emotional misslichen Lagen schnell zu befreien, aber pubertäre Allüren kommen auch schon mal durch. Denn Pflichten, gerade im Haushalt, machen wohl nie Spass, aber es hilft ja alles nichts und nur ob des Wissens darum erledigt sich nun mal nichts von alleine.

Uns kam der Gedanke, ob es wohl nicht angebracht sei, Felix neben seinem Aufwachsen in gut behüteten und umsorgten Verhältnissen, auch zunehmend weniger angenehme Seiten des Lebens nahezubringen. Nicht nur zu seinem eignen Schutz, sondern auch um ihm die Chance zu geben zu lernen sich gut zu verhalten. Aber Zweitausendundzwölf war ja dann auch für Felix mit dem Umzug nach Schweden mit äusserlich einschneidenden Veränderungen verbunden, und so trug dann schon sein Wechsel in die dritte Klasse einer Grundschule im schwedischen Södertälje zu neuen, nicht immer erfreulichen, Lebenserfahrungen bei. Aber mehr dazu später.

Zunächst in gewohnter Manier und vielleicht das letzte Mal noch seine Besten.
* I just can't wait until I'm growing up.
* I actually think you are the best mom I could have, well I think everybody has the best mom they could have.
* Weisst Du noch was Danke auf Schwedisch heisst (d.h. kannst Du es noch mal sagen)? - Ja, was denn, please?

Also. Reise durchs Jahr.
Was täten wir ohne den Herbst.
Felix' Begeisterung für raschelndes Laub und Kürbisse teilen wir weitgehend.
Zwischen Baumhaus und Teich habe ich uns eine Feuerstelle geschaffen. Wunderschön an den kalten Herbstabenden kokeln die Jungs dann was das Zeug hält und mitunter gelingt ihnen auch mal ein guter Marshmallow.

Dann war da noch der Mill Race-Lauf mit seiner Schule. Felix hat sich viel Mühe gegeben, aber ein bischen Angst macht er mir manchmal ob seiner Ernsthaftigkeit. Aber ich arbeite an meiner Vorbildwirkung...

Sein Violinespiel hat Felix inzwischen aufgegeben. Ein ganzes Schuljahr lang hat Felix immerhin gelernt, aber am Piano stellten sich die Erfolge und damit die Freude an der Sache einfach schneller ein. An zwei Abschlusskonzerten durften alle jungen Kratzer aber wieder mitwirken.
Das Bild ist übrigens gleich nach dem Lauf entstanden, noch voller Tatendrang.
Und das Sofa im oberen Bild, ein paar Tage später habe ich es an den eigentlichen Bestimmungsort, das Baumhaus, verfrachtet.

Mit unseren Freunden aus unserer Strasse probierten wir Halloween dieses Jahr in einer Shopping Mall. War viel los und den Kindern hat's auch gefallen, dass nächste Mal wollen wir aber trotzdem wieder an der frischen Luft durch eine Siedlung ziehen.

Weihnachten.
Endlich mal wieder eine gute Auszeit. Allerdings auch nicht unbedingt weniger arbeitsreich, man will's ja weihnachtlich und gemütlich haben, aber die schönen Momente der Vorfreude, des Naschens beim Plätzchenbacken, des Geschenkeauspackens, der stolzen Berichte am Telefon und des stillen Geniessens wollen nicht vergessen werden.
Mensch-ärgere-Dich-nicht über den Jahreswechsel und eine Spur von Schnee und wieder Eishockeytraining im neuen Jahr.

Also, zum Klavier nochmal: Freunde wussten, dass wir ein Klavier suchen, kurz nach Felix' achtem Geburtstag wurde uns eines günstig angeboten, und seit Ende des Jahres nimmt Felix Stunden. Das macht ihm grosse Freude. Die Klänge sind im Gegensatz zur Violine schon "fertig" und die Noten lernte er einmal pro Woche bei Frau Siegel.

Der Tisch in seinem Zimmer ist ein Spiegel Felix' Seele. Er macht viel, will aber auch volle Kontrolle. Damit eckt er aber mitunter bei seinen Freunden an. Lernprozesse.

Der Frühling liess nicht lange auf sich warten und die Jungs machten fleissig mit. Ich hatte genug Holz für gelegentliche Lagerfeuer übrig und Felix' Freundin Graecen war mehr als einmal zu Besuch.

Und auch dieses Jahr galt es wieder die Frage zu beantworten, wie der Osterkorb auf die Insel kommt.

Auch im Frühjahr gab es wieder einen Lauf für den gross trainiert wurde - mit dem Ergebnis eines dritten Platzes innerhalb seiner Schule und Altersgruppe. Bei der Gelegenheit habe ich für ihn ein paar Erinnerungsfotos mit seinen Klassenkameraden geschossen.

Und um sprichwörtlich gezielt am Ball zu bleiben bzw. um zu sehen, ob das was für ihn wäre, haben wir Felix einen Anfängerkurs Basketball mitmachen lassen. Toller Einsatz, beim Mannschaftsspiel gibt es aber noch Potential.

Apropos Baumhaus, die Lofts sind fertig, die Jungs sind ganz aus dem Häuschen bzw. in selbigem. Mit Felix habe ich ein paar laue Nächte in den Bäumen verbracht. Dabei schläft es sich ohne ihn im Loft über mir vielleicht ruhiger, aber seliger dagegen mit der Gewissheit, ihm eine Freude zu bereiten.

Laptop, Kindle, iPad, etc.: Fluch und Segen. Auch heisst es, Vorleben sei gute Erziehungsarbeit. So versuchen wir zum Beispiel, dass wir zu den Mahlzeiten alle am Tisch versammelt sind. Zur Unterstützung sollten wir statt "Angry Birds" es vielleicht mal mit "Essen.com" versuchen.
Manche seiner Kumpels haben sie und Felix fragte also auch mitunter nach einer Spielkonsole. Aus Spass habe ich dann mal ein altes Teil mit Kompatibilitätsproblemen an unseren Fernseher angehängt. Wie gebannt hingen unsere Jungs vor der Kiste, aber nur für eine Stunde und später nicht viel mehr, dann war der Zauber (erstmal) vorbei.

Aber Spass beiseite, jetzt kommt's nämlich: die Entscheidung für ein paar Jahre nach Schweden zu gehen.
Bedeutende Veränderungen für jeden von uns. In der Vorbereitungsphase sponsorte meine Firma sogar ein kulturelles Training, was natürlich nicht so sehr für Jana und mich von Nutzen war, wir aber wichtige Einblicke in die Bedenken und Sorgen unserer Jungs erhielten. Zumindest für Felix haben wir wenig Zweifel, dass es ihm weitgehend gefallen und zum Vorteil gereichen wird. Auf Nachfrage bringt er aber auch zum Ausdruck, dass er leider seine Freunde zurück lassen muss, aber er freut sich auf das Abenteuer.

Wir versuchen die letzten Wochen bewusster als sonst zu erleben, machen ein paar Erinnerungsphotos, ein paar extra meine ich. Auch eine Menge Besorgungen. Und wir versuchen den Umzug in grösstmöglicher Gelassenheit zu gestalten. Für das neue Fahrrad ist also schon mal Zeit.

Nach dem Eintreffen in Södertälje und zwei lockeren Wochen der Eingewöhnung und bevor es richtig losgeht, machen wir aber auch erstmal Urlaub in Form einer Rundreise in Deutschland.
Einige seiner speziellen Momente sind hier an der richtigen Stelle.

Mit leider weniger Sprachtraining als geplant begann für Felix dann die dritte Klasse in der Blombacka-Schule. Von zu Hause sind es zehn Minuten Fussweg, nach ein paar Wochen wollte er den Weg allein gehen.
Es heisst, Kinder können wie ein Schwamm eine neue Sprache aufsaugen, und Mehrsprachigkeit ist ihm ja nun nicht fremd, und so überrascht er uns schon nach ein paar Tagen, wenn er mit Nachbarskindern ein paar Worte auf Schwedisch wechselt.

Überhaupt verlaufen die ersten Wochen ziemlich euphorisch. Wir freuen uns in Schweden zu sein, gehen viel auf Erkundung und zelebrieren das Neue und Andere, wozu auch das Testen der Regenklamotten in einer Pfütze vorm Haus gezählt werden muss.

Anfang September verbringen wir ein langes Wochenende auf Öland.

Und feiern damit Felix' neunten Geburtstag an der Ostsee.

Ohne grosse Party mit seinen Freunden in Columbus diesmal, aber auf Reisen, dass empfindet Felix auch als etwas Besonderes. Einen extra Princess Cake für ihn und ein sehr gutes Fischessen im Hafen zählten auch dazu. Und dass ein toller Sonnenuntergang seinen letzten Flug des Tages begleitet, wollte er unbedingt festgehalten wissen.

Wir wünschen Felix alles, alles Gute für das neue Lebensjahr.



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