offspring
Februar 2013

Henry - Fünf Jahre


Gute Bilder von Henry zu bekommen war gar nicht immer einfach: "Aber ich will gar nicht."
Um den Jahresrückblick mit einer Porträtserie beginnen zu können, musste ich also ganz schön ran.

Also gleich mal vorweg, Henry machte uns und sich im vergangenen Jahr das Leben ganz schön schwer, viele unserer Erwartungen wurden nicht erfüllt. Sein unbedingter Wille für Kontrolle und Totalverweigerung führte mitunter zu ordentlichem Krach. In seinen schlimmsten Phasen zog sich das dann durch den ganzen Tag und hat uns die Laune ordentlich vergeigt.
Sicherlich ist auch die Frustration beim Nacheifern des grossen Bruders ein wichtiger Punkt. Wir dürfen also nicht ungerecht sein, schliesslich ist es ja nicht seine Schuld und am Ende ist unser Henry doch unser Henry.
Wir wollen es aber festgehalten wissen und jetzt, bereits ein paar Wochen im neuen Lebensjahr, macht sich Hoffnung breit, dass wir uns doch eindeutig in Richtung ruhigerer Gewässer begeben.

In seinen besten Zeiten, so nicht lang nach seinem Vierten, konnte nur eine "Lata-Milch", also eine Schokoladen-Milch, mit dem Witz, dass wir überhaupt nur am Anfang Schokoladenpulver beigemischt hatten, die Lage entspannen.
Es fiel sicher nicht immer leicht, um es vorsichtig auszudrücken, aber mit ungeteilter Aufmerksamkeit liessen und lassen sich zumindest viele Probleme dieser Art angehen.


Seine starke Orientierung am vier Jahre älteren Bruder trägt zu schnellen Lernerfolgen, aber auch zu wiederholter Frustration bei.
Die Brüder sind aber auf alle Fälle gut füreinander und wir geben uns Mühe, dass es dabei bleibt.

Und um das Thema Brüder und deren Unterschiede vorerst mal abzuschliessen: dieses Bild spricht Bände.

Bis einschliesslich des Deutschlandurlaubs im Juli 2012 hat Felix ja auch fleissig bei Henrys weitgehender Deutschsprechverweigerung vermittelt; die Grosseltern haben's gedankt. Doch wenig später hat Henry innerlich einen Schalter umgelegt. Die Grammatik hat es zwar noch schwer bei ihm, aber wer will's ihm verdenken, seit August kam ja nun auch noch Schwedisch hinzu.
* I don't wanna to.
* ausbesorgen - ausborgen
* Wir: Vielleicht müssen wir deine Haare auch mal schneiden? H: Nein, meine Haare sind klein.
* I can't believe I can't fly. - hat Felix in den Wahnsinn getrieben
* Spazionen - Spazierengehen
* It's tricky to halt still - ...ein Glas still zu halten
* He needs to be got
* Englishland - USA
* Herzlichen Glückwunsch zu Weihnachten!
* halt nur - so zweihundert Mal am Tag
* Wir: Hast Du einen guten Tag gehabt? H: No Tag!
* Du musst nicht, aber Du kannst wenn Du möchtest. - als Aufforderung zum Spielen
* macha - in Ermangelung der schwedischen Übersetzung für 'machen'

Dann also mal los mit der Wanderung durch Henrys fünftes Lebensjahr.

Der Frühling war schnell da. Und Marshmallows schmecken nicht nur im Herbst, beziehungsweise noch viel besser mit den Freunden vom Ende der Strasse.

Grosse Dinge haben wir im Frühjahr nicht unternommen, ein paar kurze Ausflüge in die nähere Umgebung nur, z.B. ein Naturschutzgebiet bei Seymor mit Ottersichtung.


Der Osterhase hat wieder alle Register gezogen. Zum Übersetzen mit dem Kanu zur Insel hatten wir gutes Wetter.
Und die Jungs waren verdammt schnell. Nicht immer blieb genug Zeit, mich für ein paar Schnappschüsse in Stellung zu bringen. Felix erwies sich als ein guter Bruder, als er ungefragt sein Leiter holte und Henry die fette Beute einholen liess.



Und auch für Henry gilt, die letzten Wochen vor unserem Umzug nach Schweden Ende Juni waren geschäftig, sollten aber möglichst stressfrei erfolgen.

Der Deutschlandbesuch mit einigen neuen Herausforderungen oder Spielen barg denn auch viel des eingangs erwähnten Problempotentials bei Nichtgelingen oder Nicht-zum-Zug-kommen für Henry.
Aber es gab ebenso viele tolle Momente nur für ihn allein.

Um das Dilemma, dass allerdings nicht jedem alles gefällt, werden wir aber sicher noch die nächsten Jahre wohl nicht herumkommen.

In einem sind wir alle uns aber einig: zu einem guten Tag gehört eine gute Kaffee- und Kuchenpause.

Diesem Bild liegt keine besondere Geschichte zugrunde, aber der Moment war so schön.



Das Einleben in Schweden gelang Henry problemlos. Seine grösster Wunsch nach Ruhe und Routine ging mit dem Einzug in unsere neue Bleibe in Södertälje erstmal in Erfüllung.
Recht schnell hatten wir es den Jungs gemütlich gemacht, jeder hat seine eigene Ecke im gemeinsamen Kinderzimmer. Henry bekommt jeden Abend eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen und darf danach noch ein Weilchen alleine schmökern.


Mittagsruhe war schon immer Quatsch, das hat Henry bezeiten klar gemacht. Das gab dann auch den Aufhänger, nur unter Protest in seinen bis dahin gemochten Kindergarten zu gehen. Er hat sich zwar immer wieder beschwert, aber praktisch haben wir ihn nie unglücklich zu seinen Kindern gehen oder von ihnen kommen sehen.

Wir haben nicht oft etwas anbrennen lassen und waren in der zweiten Jahreshälfte fast jedes Wochenende auf irgendeine Art unterwegs. Manchmal über ein langes Wochenende wie auf Oland, natürlich viel in die Wälder und die Umgebung, zu Skansen, oder auch nur mal fünf Minuten vom Haus entfernt zum Rodeln zum Beispiel.

Wie gesagt, es gab viele schöne Momente mit Henry, die wir uns hiermit in Erinnerung rufen wollen.

Dem Künstler in Henry lassen wir freien Lauf. Auf die Bevorzugung einer Hand konnte sich Henry dabei aber noch nicht festlegen, das ist dann von Vorteil beim Kuchenessen.

Ein erstes Weihnachten in Schweden. Aber das macht für die Kinder erstmal keinen Unterschied. Bis auf die Knusperhäuser allerdings, das war schon was.

Henry ist hart im Nehmen. Wir haben noch nicht herausgefunden, ob es echtes Draufgängertum oder Unwissenheit ist. Nicht nur beim Schlittenfahren, Bedenken oder Furcht sind ihm weitgehend fremd. Auch diverse Tränchen haben daran noch nichts geändert.

Und bevor wir das Jahr vollenden und wie fast immer und weil es so schön ist: Die abschliessende Porträtserie.

An seinem Geburtstag war Henry ganz aufgeregt. Sehr sehr freudig aufgeregt, endlich fünf zu werden. Er war einfach glücklich. Und das den ganzen Tag. Trotz Schultag. So war er schon am Morgen guter Laune, ging mit dieser in den Kindergarten, und kam mit ebensolcher heim. Als am Nachmittag dann noch der zweite Teil der Überraschung auf ihn wartete, konnte er sein Glück kaum fassen.

Henry hatte einen wunderschönen Tag und wir wünschen ihm für das neue Lebensjahr noch viel, viel mehr davon.



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