offspring
Februar 2016

Henry - Acht Jahre


Henry ist ein lebensfroher Mensch. Gefühle sind für ihn wichtig und er zeigt unverkennbar an wenn was nicht stimmt.
Was mich begeistert ist Henrys unkomplizierte Art. Er kann sehr flexibel sein und ihm ist schnell geholfen. Wenn wir für ihn was basteln, zum Beispiel das Baumhaus für seine Rüpel, dann weiss er genau was er will ohne lange zu überlegen und passt seine Wünsche schnell den Gegebenheiten an. Eine Freude, für Henry was zu machen.

Wir finden, gerade jetzt vor seinem achten Geburtstag durchlebt Henry eine sehr schöne Phase. Alles passt in der Schule zurück in Columbus, er hat neue Freunde gefunden und das Lernen bereitet ihm Freude. Er lebt eine unbeschwerte Kindheit und von uns aus muss sich daran auch so schnell nichts ändern.


Konventionen sind nicht Henrys Ding und sein Temperaturhaushalt verlangt permanent nach mindestens einer Socke weniger. Den Schlafanzug hat er quasi das ganze Wochenende an, dazu sagen wir schon gar nichts mehr. Nur den Hausmantel haben wir uns dann doch verbeten, einer muss ja das Essen wieder vom Boden klauben. Und das er so flezig wie zu Hause am Tisch nicht in der Schule sitzen darf, ist Henry schon klar :)

Schwer, den Anfang zu finden, wir machen erstmal die verbalen Highlights:
* Er hat braun. - Der Affe ist braun.
* Ich schau noch ein bischen den Katalog an, damit wir die Weihnachtsliste schreiben können - Pause - Wann fängt eigentlich Ostern an?
* Waholee - Whole (Voll-Milch), Anfangsschwierigkeiten zurück in den USA
* I'm done schlafing.
* Felix: Can I have it (coin)? It’s my birthstate (i.e. MI edition). H: Yes, you can have it, it’s your birthdate. Felix (angrily): My birthstate!
* Weisst du was? - hat das 'halt nur' abgeloest


Henrys beginnendes achtes Lebensjahr fällt in das Endstatium unseres Schwedenlebens. Wir unternehmen viel und zelebrieren viele lieb gewonnene Aktivitäten ausführlich. Dazu gehört inzwischen auch das Wandern. Was anfänglich bei Henry noch zur Totalverweigerung geführt hat, ist inzwischen kein Thema mehr. Vielleicht müssen wir da auch Felix sehr dankbar sein, weil er Henry doch immer speziell von unserem Fulufjäll-Trip vorgeschwärmt hat.
Bei einer dieser Wanderungen offenbart sich allerdings auch Henry's Schwund im Englischen: Aber ich weiss nicht was zwanzig auf Englisch heisst.

Um es abzuhaken und bevor das Wetter gut genug für grosse Ausflüge mit Übernachtung und so weiter ist, machen wir ein paar Trips nach Stockholm.

Das Osterwetter war diesmal nicht in unserem Sinne, es konnte sich nicht entscheiden. Die Jungs konnten sich daher zunächst auch nicht vorstellen, irgendwo im Garten ein paar Ostereier zu finden. So'n Oster-Princess Cake am Nachmittag war dann schon was anderes. Und am Tag darauf hatten wir schönes Wetter beim Stadtbummel.

Für aber noch mal „richtigen“ Schnee in diesem Winter waren wir Mitte April Schneeschuhwandern im Fulufjället. Henry hat sich ordentlich ins Zeug gelegt und gemeinsam hatten wir wieder eine gute Zeit in einer einfachen Hütte.


Und diesmal lassen wir es uns nicht entgehen, den Tag der offenen Tür bei Scania. Sollen doch die Jungs und Jana mal sehen wie so ein Truck entsteht. Hatte ja selbst erst ein paar Wochen davor eine spezielle interne deutschsprachige Tour mitgemacht und konnte deswegen glänzen.

Santi ist ja inzwischen leider auch nicht mehr der Jüngste. Auf seine letzten Tage umsorgen wir ihn nochmal besonders. Ohne ein Tränchen kommen wir alle nicht aus, als wir ihn das letzte Mal in die Hand nehmen.

Alicia aus seiner Gruppe war ein paar Mal bei uns zuhause Henry besuchen. Über die schimpfte Henry zwar mitunter arg, aber Bilder können so schön lügen.

Im Mai machen wir unseren vorerst letzten Deutschlandbesuch. Familienabschied und Besorgungstour. Bad Doberan wird für die Jungs wohl eher wegen der Molli, der Schmalspurbahn, in Erinnerung bleiben. In Kummer bekamen sie auf jeden Fall mehr Aufmerksamkeit und natürlich gab es auch mehr Gelegenheiten zum Rumtollen.

Zwei Wochen später sind wir noch mal an der Hohen Küste, im Skuleskogen NP. Es hätte wärmer sein können, aber wie an anderer Stelle beschrieben ist Henry hier wohl auf den Geschmack des Holzhackens gekommen.

Zwischendurch, also vor unserem letzten Trip in Schweden, nutzen wir jede Gelegenheit, Henry und Martin gemeinsame Zeit zu ermöglichen. Martins Vater Gaetano ist ein Glücksfall für die Jungs.

Unser letzter Ausflug führt uns nach Enskär. Mittsommernacht. Wollten wir immer schon mal machen. Aber eigentlich ist das eher Nebensache. Rumklettern, Baden, Holzofen, Sauna sind die eigentlichen Renner.

Die allerletzten Tage in Schweden nehmen wir locker. Wir bereiten den Umzug vor, besuchen Felix’ Abschlusskonzerte und sagen Hejdå zu Freunden.


Die Rückkehr in die USA gestalten wir erlebnisreich. Ist ja so schon schwer genug.
Henry hat keine Scheu vor nichts und vereinnahmt das Neue.
in New York
am Lake Michigan
bei Glen Arbor
in Hotels

Zurück in Columbus wohnen wir länger als geplant in Appartements - unser Container steht lange beim Zoll - probieren dafür aber auch viele Restaurants und wiederentdecken die Stadt.


Henry’s und unsere größte Sorge ist natürlich sein Kontakt zu Martin. Dank Skype lassen wir nichts einreißen.


Zurück in unserem Haus entpuppt sich als größte Überraschung das Baumhaus. Drei Jahre hat es schadlos wie eine Zeitkapsel überstanden. Desöfteren mampfen wir Gebäck zum Kaffee und nächtigen dort oben als sei nichts gewesen. Nachbarskinder freuen sich besonders, dass wir wieder da sind.


Und natürlich schmeissen wir ein Lagerfeuer an.
Henry weiss inzwischen auf die richtige Glut zu warten.
Henry und Felix sind sehr konträr in vielen Dingen, behakeln sich damit mitunter auch heftig, lernen aber gleichzeitig viel durch- und voneinander. Schwer für Henry zu akzeptieren, aber der Altersunterschied wird noch lange eine Rolle spielen. Aber sie haben sich und suchen ganz klar die Nähe des anderen.
Halloween. Nach eigenem Bekunden haben das die Jungs wirklich vermisst.
Bevor der Frost kommt harken wir die Blätter zusammen – ein paar mal :)

Wir backen wieder Plätzchen und zelebrieren das Dekorieren.
In Schweden haben wir damit angefangen, aus Stanniolpapier kleine Figuren formen. Im ganzen Umzug sind sie irgendwie verlustig gegangen. Weihnachten 2015 feierten wir ein grosses Revival-Fest. Wir nennen sie die Rüpel. Henry baut ihnen ein ganzes Dorf. Später sogar noch das Rüpel-Village II.
Der Erinnerung wegen seien sie hier die wichtigsten Charaktere gelistet: Uhyst, Ke-ule, Be-utel, Bigfoot, Die Wandelnde Hose, Ndugu, Long, Graf Rüpela, Wohalo, Zitzschewig, Krampe und Schmalhans. Ihr Schiff haben wir Rüpholm getauft.
Am Rüpel-Village macht sich übrigens noch der Pappige Wal zu schaffen, und das Baumhaus mit Aufzug war dann ja auch noch...

Weihnachten.

Mit dem Lesenlernen ist es in Schweden nicht mehr viel geworden. Henry wollte wirklich, aber es fiel ihm schwer und das Annehmen von Hilfe hätte nur zu noch mehr Frustration geführt. Das wollte er nicht. Aber zurück in den USA gibt es kein Erbarmen mehr. Der Sprung vom freundlichen schwedischen Kindergarten in die hiesige zweite Klasse ist nicht ohne. Anfänglich hängt er auch ordentlich hinterher. Besonders der 'Databinder' hat es ihm angetan, das ging nicht ohne Verzweiflungstränchen. Aber bereits zum dritten Quartal hat er aufgeholt. What a relief!

Endlich, der lang ersehnte Schnee. Wenigstens genug zum Schlittenfahren.

Henrys Faible für Hawaii findet Anklang. Jana hat Kontakte in alle Welt und Chae aus Oahu schickt Henry Postkarten und als Dankeschön für dessen kleines Weihnachtsgeschenk sogar ein Geschenkpaket mit Pancake-Mix, Guavenmarmelade und getrockneter Ananas, alles original von den Inseln.

Mehr Schnee.

Und es wird sogar lang genug kalt genug - einmal sehen wir sogar negative Fahrenheitgrade - so dass wir wieder auf unserem kleinen Teich Schlittschuh laufen.


Diese Seite ist wieder lang geworden und damit bleibt nur noch in inzwischen guter Tradition die abschliessende Portraitserie.

Alles Liebe für das neue Lebensjahr.



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