reisen


Suedwesten USA
Mai/Juni 2002

Toroweap (Tuweep/ Tuweap)
(eine Nacht)


Ein Hoehepunkt unserer Reise.

In Aussicht auf die Anstrengungen ueberhaupt dorthin zu kommen, haben wir in Escalante auf die bereits ins Auge gefasste Hole-In-The-Rock-Road verzichtet. Uns erwarteten somit sechzig Meilen 'unimproved road', was gleichbedeutend ist mit Schotter, Waschbrett und Slickrock. Mit einem 20er Durchschnitt waeren das drei Stunden Fahrt.
Im Internet waren sehr differenzierte Meinungen dazu zu finden, so dass uns die Warntafeln nicht viel beschaeftigt haben.

Die Bilder, die ich bisher gesehen habe, waren auffordernd genug, um diese Strecke von vornherein im Kopf zu haben.

Um es vorweg zu nehmen: ein unschlagbarer Ausblick


The sheer drop, dramatic!

3000 ft (ueber 900 m) senkrechte Felswand auf den Colorado hinabblicken!
Nur im Liegen moeglich. Ungefaehr zwei Meter vor dem Abgrund verlaesst Dich der Mut, auf zwei Beinen zu bleiben. Bis einen Meter davor geht noch Hocke, doch dann...
...einfach zwanzig Minuten auf dem warmen Sandstein liegen, den Kopf ueber die Klippe, das entfernte Rauschen der Stromschnellen in den Ohren und staunen...


Aber zunaechst erst noch die Herfahrt:
Eigentlich wollten wir noch am Abend nach dem Waterholes Canyon auf dem Campingplatz eintreffen. Aber wir haben uns ja im Canyon etwas Zeit gelassen und wir wussten wirklich nicht, welcher Strassenzustand uns erwartet. Zwar haben wir dann (drei Stunden vor Sonnenuntergang) schon die Abfahrt von der Hauptstrasse gefunden und sind auch schon ein paar Hundert Meter in den 'Feldweg' eingefahren, haben uns dann aber doch anders entschieden. Zumindest haben wir schon mal einen Eindruck von der Strecke bekommen und uns auch ein paar Auskuenfte von einem Trucker eingeholt, der gerade mit seinem 18-wheeler aus der Richtung kam. Wir wollten aber in den paar Stunden bis Einbruch der Dunkelheit nichts riskieren und haben nocheinmal in Kanab Station gemacht. Diesmal, um auf einem privaten RV (Recreation Vehicle) Camp zu uebernachten. Zusammen mit vorwiegend aelteren Herrschaften haben wir die in Rosa und Hellblau ausgefuehrten und der strengen Sorgfalt der Chefin unterliegenden 'Facilities' genossen.

Vorher sind wir aber noch einem Dampfschiff begegnet:

...in voller Fahrt

Diese Nacht Pause war ganz gut so. Auf freier Strecke war naemlich am Vorabend auch noch einiger Wind unterwegs, der wieder tuechtig was an Sand in die Luefte hob.

Hier im Camp am 'Stadt'rand war dagegen kaum was davon zu spueren. Und so konnten wir am naechsten Tag bei geglaetteten Wogen und in aller Ausgeruhtheit die Sache angehen.

Los geht's!

Nach vier (!) Stunden waren wir erstmal heilfroh, ohne Probleme an der Ranger Station angekommen zu sein. Die Strecke war fuer uns nur mit zehn bis zwanzig Meilen pro Stunde zu nehmen. Teilweise extremes Waschbrett. Die letzten sechs Meilen zum Camp mit ordentlich Slickrock im Weg und einigen Absaetzen waren dann nur noch im Schritttempo zu machen.
Endlich angekommen, haben wir aber schonmal die Haelfte der Strecke geschafft.


Am Camping Areal wuchsen wunderschoen angeordnet Yucca, Agave, Pine and Juniper. Neben uns gab es nur drei weitere verstreute 'Hanseln' und ein Kompost-Bio-Klo. Und endloser Himmel und Stille.

So hat das Campingleben wieder Spass gemacht: Eine warme Dusche unter freiem Himmel (bzw. unter dem Baum, unter dem wir standen), frisch gegrillte ground beef patties und Kaffee hinternach...

Am Morgen waren wir dann wieder zum Sonnenaufgang auf den Beinen und sind zur Kante getrappert.

Wir waren die einzigen am Abgrund.
Und die Sonnenstrahlen, die in die Schlucht schiessen...

"...one of the narrowest and deepest segments of the inner canyon..."

Der Blick ist komplett unterschiedlich zu dem, was man am Nord- bzw. Sued-Rim des Grand Canyon erlebt. Anstelle von massenweise 'temples and buttes' bietet sich hier ein aprubter Einschnitt - wie wir wenig spaeter vergleichen konnten.


Im Verlaufe des Vormittages sind wir dann die Rueckfahrt angegangen:
Wer sollte erwarten, dass man auf solchen Strecken sogar ueberholt wird? Und mit welchem 'Affenzahn'? Unglaublich und das gleich zweimal. Wir hatten ja schon auf der Hinfahrt zaghaft versucht, das Waschbrett mit entsprechender Geschwindigkeit glatt zu buegeln, aber 30 mph waren noch nicht genug. Ausser dem Eindruck, dass der Bus gleich auseinanderfaellt, wurde es nicht viel besser. Auf der Ruckfahrt waren wir dann mutiger. Und ploetzlich, mit 45 bis 50 Sachen ging es richtig gut.


Aber in Kurven galt es ploetzlich aufzupassen, wenn der Hinterradantrieb unsere Fuhre ueber Schotter schob. Jetzt machte das Geschwindigkeits-Beschraenkungsschild (was? wie?) auch Sinn (45 mph).
Natuerlich kam es, wie es kommen musste: 20 Meilen vor Ende dieser Strecke wollte ein Hinterradreifen nicht mehr weiter und gab auf. Verstaendlich.


Aber alles kein Problem: Kein Ausbrechen und auch der Wechsel ging 'ruck zuck'. (Hatte ja das Ersatzrad schon vor der Abreise gewartet - und sogar noch ein zweites unter's Bett geschoben).

In Kanab zurueck haben wir dann erstmal einen Vollservice geordert: Filme entwickeln lassen, 4 neue Reifen (die alten waren ja ohnehin schon "reif") & Waesche fuer den Bus sowie dicke Burger und Milch-Shakes fuer uns.
Uebrigens: Noch nie so einen schnellen Reifenwechsel erlebt: 4 Mann - 4 Ecken. Die Reifen wurden vor der Montage sogar noch gewaschen.


Nachlese:
Fuer ein paar Bilder jenseits der Strecke fand sich natuerlich immer die Zeit:
(die schwarzen Flecke in der Ferne sind eine verlassene Siedlung)



Lustige Geschichte zum Schluss: haben ja unterwegs mehrfach tolle Windhosen uebers Land streifen sehen. Den Sand hat es bis zu vielleicht hundert Meter hoch aufgewirbelt. Einmal sind wir sogar bewusst durch eine durchgefahren, aber da passiert ja nix...
Ploetzlich entdecken wir einen bluehenden Kaktus, der natuerlich fotografiert werden musste. Waehrend wir uns also ueber ihn beugen, um die Kamera auszurichten und etwas Windschatten zu spenden, vermeinen wir dass ploetzlich ein Wind aufzieht. Ich kann gerade noch meinen Hut ganz ueber die Kamera stuelpen, als uns klar wird, dass gerade eine Windhose ueber uns 'drueberzieht. Der aufgewirbelte Sand hat ordentlich in die Waden gepiekt und das Beste war einfach 'Augen zu'. Die Neugierde war trotzdem groesser: 'gewaltig', wie wir mittendrin standen und so erst wir und dann auch noch der Bus "umspuelt" wurden!




Toroweap war insgesamt unser 'most remote view point'.
Bischen Abenteuer und Entdeckung.
Und unser dritter Hochzeitstag.


Allright, ready for take off to Grand Canyon North Rim...