reisen


Suedwesten USA
Mai/Juni 2002

Grand Canyon - "The world seems larger here."
(jeweils zwei Naechte am North Rim und am South Rim)


Vor weniger als 130 Jahren das Groesste noch nicht kartographierte Gebiet des Landes.

Zum Glueck sind wir also zwei Naechte am North Rim geblieben, obwohl wir zunaechst nur an eine Nacht gedacht hatten. Aber die Campingbedingungen waren dermassen ideal, dass wir einfach bleiben mussten; angenehme Temperaturen, schattige Plaetze, angenehme Leute und nahe Versorgungseinrichtungen.
Der South Rim soll fotografisch ja mehr bieten, aber auch massentouristischer sein. Schliesslich haben wir erfahren: Ruhe und Abgeschiedenheit ist kaum durch spektakulaere Vistas zu ersetzen. Darum: richtigerweise den North Rim zwei statt einer Nacht genossen.



North Rim

Wir waren eigentlich gar nicht soo gierig darauf, das "Grosse Loch" zu sehen. Schliesslich kannten wir schon Canyonlands. Und in der Tat war es ein wenig auch ein 'Abhaken'. Aber missen moechten wir das Erlebte trotzdem nicht.
'Nichtsahnend' faehrt man durch eine schoene baumbestueckte Landschaft, um ploetzlich vor diesem Aberwitz zu stehen: Gewaltige, nicht erfassbare Ausmasse mit zahllosen Tiefen und Staffelungen. Aber in Summe halten wir den Grand Canyon nicht fuer d a s Meisterstueck der Natur. Dazu gibt es zuviele andere aussergewoehnliche, flussgeformte Gesteinsformen und magische Landschaften. Und eben auch unsere Ruhe und Unberuehrtheit sind fuer uns wichtig.
Hier ist es einfach die Dimension, die verbluefft. Und mit dem richtigen Licht ist sowieso alles ganz anders...

Wie auch immer, die erste Nacht haben wir nicht im National Park selbst, sondern im vorgelagerten National Forest zugebracht. Der NP-Campingplatz war einfach voll. Im National Forest darf man jedoch mit einer viertel Meile Abstand zur Strasse ueberall uebernachten. Wir haben dann auch kurz vor Parkeingang einen schoenen Platz gefunden, der offensichtlich schon vielen als Anwarte gedient hat. Schoener Sonnenuntergangs-Blick ins Tal und sogar mit Feuerstelle. Im Park waren derzeit offene Feuer verboten (ausser Gaskocher), aber dort haben wir ein kleines Lagerfeuer entfacht...



Da das offizielle Arizona nicht an der Sommerzeit teilnimmt, liegen also drei Stunden zwischen Sonnenaufgang und Campingplatzoeffnung (5 am to 8 am).
Die haben wir am naechsten Morgen fuer Point Imperial genutzt. Hoechster Aussichtspunkt (2684 m) am North Rim mit schoenem Licht auf Mt. Hayden.
Wieder war es, als schiene die Sonne nur fuer uns:



Ein kleines Nickerchen auf dem Parkplatz vor dem Campingplatz vor der offiziellen Platzvergabe 'ging sich dann auch noch aus'.

Nach Campingplatzbezug und Fruehstueck haben wir uns mal die Grand Canyon Lodge angesehen. Die hat uns sehr gut gefallen: Neben Sonnenterassen und mehreren Aussichtspunkten bietet eine grosse Halle mit drei riesigen Fenstern wunderschoene Ausblicke in den Canyon.
...und der macht dann doch ganz schoen was her :-)


Die Lodge macht sich am besten ueber den Vordereingang durch die Lobby, ein paar Treppenstufen hinab und dann eben der Blick durch die riesigen Fenster im Sun Room. Die rustikale Architektur ist gut integriert, strahlt Grosszuegigkeit aus und soll im Zeichen von Naturgenuss und -schutz stehen. Es geht alles sehr ruhig und gelassen zu. Man kann sich in riesige Sessel flezen, in die Landschaft gucken (oder Leute beobachten) und an kleinen Wandtischen auch Karten schreiben; Wir sind aber nicht aus den Sesseln gekommen :-).

Anders als am Toroweap Overlook erschliesst sich hier keine lange und tiefe Schlucht mit senkrechten Blicken auf den 'Rotgefaerbten', sondern man schaut lang und weit in die Tiefenstaffelung, die mit zunehmender Entfernung in Blau und Violett reflektiert.

Nach dem Mittag haben wir uns noch mal auf's Ohr gelegt: die Sonnenaufgaenge schlauchen...
Danach Duschen, Wirtschaften und Essen.
Sonnenuntergang am Cape Royal (2400 m) mit trefflichem Blick auf Wotans Throne:

26

...und in den weiten Canyon.

Licht und (Erd)Schatten:

Ehrlich, ausser Verwendung eines AGFA Ultra 50 Professional nix mit den Farben angestellt!

Natuerlich ist man um diese Jahreszeit an solchen exponierten Stellen nicht allein, aber das Publikum war sehr angenehm. Das Lauteste an dieser Stelle war noch das Klicken der Kameraverschluesse; die Leute haben alle gefluestert (oder ueberhaupt nicht gequatscht).


Bevor es weiterging:
Leider hatten wir ja eine unserer Tassen an unserem Lagerplatz im National Forest vergessen, doch wollten wir sie uns noch auf dem Weiterweg zum South Rim holen. Die Typen, die jetzt schon an 'unserem' Platz waren, wussten auch gleich, warum wir kamen - die Tasse stand noch unberuehrt...

Auf unserer Fahrt zum South Rim sind wir an den Vermillion Cliffs und den Echo Cliffs vorbeigekommen: Felsen-Kliffe in allen Farben zwischen Weiss, Rot, Braun und Violett - vor strahlend blauem Himmel.

Intermezzo bei den Cliff Dwellers (near Marble Canyon & Navajo Bridge)







Fuer die zehn Meilen Luftlinie zum South Rim sind dann aber schon einige Stunden fuer die ueber zweihundert Meilen Strasse zu veranschlagen...


South Rim

Wider Erwarten haben wir am South Rim auf dem Desert View Campingplatz sofort einen schattigen Platz gefunden. Am Abend dann noch eine kleine Runde mit dem Bus gedreht.
So interessant und gewaltig die Ausblicke in den Canyon auch sind, man sieht doch immer nur einen begrenzten Ausschnitt der ueber 270 Meilen Laengenausdehnung und muss die Vorstellungskraft walten lassen.


Natuerlich sind wir nicht die einzigen, die nach Worten der Beschreibung der Dimensionen ringen - und so lassen wir es am besten sein.

Uns haben ohnehin eher die Blicke mit langer Brennweite und Staffelung von Gegenlichtkonturen fasziniert. Leider haben sich die Sichtbedingungen im letzten Jahrzehnt wohl dramatisch verschlechtert durch Verschmutzungen aus Kalifornien und Mexiko.
Zahn der Zeit

Aber eines steht fuer uns auch fest: der Canyon ist ohne Blick auf den Colorado nur halb so schoen.

Den zweiten Tag am South Rim gingen wir recht entspannt an:
- Sonnenaufgang am Grandview Point (ohne viel Sonne),
- "Fertigausschlafen",
- praechtiges Fruehstueck,
- Tagebuch und Lesen,
- Mittagsmahl,
- bissi 'rumgammeln
- und dann Aufbruch zum Sonnenuntergang. Dazu sind wir zum Grand Canyon Village gefahren (23 mi), die Touri-Anlaufstelle. Aber Hermits Rest Road incl. Viewpoints ist nun mal nur mit National Park Shuttle Bus zu erreichen. Nach einem Stueck Fahrt im vollen Bus mit Lautsprecherdurchsagen (oh no) sind wir am Mohave Point 'raus um eine gute Meile am Rim bis zum Hopi Point entlangzuwandern und dort wieder in den Rueckbus zu steigen. Unterwegs haben wir Falken jagen sehen und hatten auch immer mal wieder gute Blicke auf
den "Schuldigen" (Colorado)... ...und auf gewaltige Yuccas (400er Brennweite)

Zum Sonnenuntergang selbst waren wir am Mather Point (nachdem am Yavapai Point kein Parkplatz mehr zu finden war!). Massenauflauf ist zwar nicht unbedingt unser Ding, aber was soll's.
Wir muessen gestehen, dass wir uns zuweilen auch ganz gut ueber Mitmenschen amuesieren koennen. Zitat: "Wo isch denn jezz dess Gluehen!?"

...do!

Aber wie immer zogen die Massen sofort mit dem letzten Sonnenstrahl ab...


Eines noch, auf dem Weg zum South Rim hatten wir erstmalig eine riesige bluehende Yucca aus der Naehe (!) gesehen. So riesengross, exotisch, schoen und praechtig! Das leuchtende Gelb im Kontrast zum Himmelblau (mit Canyon im Hintergrund)! Die Pflanze waechst wohl so ca. ein Jahrzent, um dann diesen Bluetenstamm zu treiben, der nach Verbluehen auch ihr Ende bedeutet. Trotz der immensen Nachmittagshitze haben wir bestimmt eine halbe Stunde lang fotografiert (und uns dabei durch die Absperrung hindurch auf Indianer-Land gewagt)...


Als wir zwei Tage spaeter (auf dem Weg nach Phoenix) wieder an der Pflanze vorbeikamen wurde uns klar, welches Glueck wir hatten: vom leuchtenden Gelb war nicht mehr viel uebrig geblieben.




Doch ab jetzt wird es richtig heiss.







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