reisen


Suedwesten USA
Mai/Juni 2002

Santa Fe, Rueckreise und Nachlese


So, hoeren wir mal langsam auf und machen uns auf den Heimweg. Nachdem es uns in den letzten Tagen schon schwerfiel, uns an die Erlebnisse der ersten Tage zu erinnern, wird es wohl auch Zeit.

Doch zunaechst noch Santa Fe.
Die Fahrt von White Sands nach Santa Fe haben wir ja erst nach einem weiteren Sonnenuntergang angetreten. Das Licht mussten wir uns noch mal geben. Wir sind halt soweit gefahren, wie es noch ging – und das war “1500 friendly people of Carrizozo welcome you”. Komischer State Park fuer die Nacht, aber am Morgen haben wir dann auch endlich mal eine dieser vorsintflutlichen Echsen - Mountain shorthorned lizard - gesehen.
Fruehstueck bei Joe, das dann wirklich freundlich war. Den Kaffee “more on the creamy side” und knusprige Pastries. Die Einrichtung war hip.

Mussten Joe aber erstmal aufklaeren, dass sich die Europaer mit ‘Fishbone’-Markennamenaufdrucken auf dem T-Shirt wahrscheinlich nicht viel denken und "Systematics" keine neue Scheibe der gleichnamigen hiesigen Band ist :-).

Santa Fe stand auch erst gar nicht auf unserer Reiseliste, aber laut Claudine durften wir uns dieses Staedtchen nicht entgehen lassen. Recht hat sie. Zweitaelteste Stadt des Landes (1607 gegruendet), mit richtigem Stadtzentrum und verwinkelten Strassen. Schoene Architektur im Pueblo-Stil. Auf guten 7000 ft. (2000 m) gelegen.
Die Kuenstler und Kunsthaendler haben sich diesen Ort zu ihrem Mekka gemacht. Hinsichtlich Anzahl der Galerien soll die Stadt gleich nach New York kommen, aber wir sahen ueberwiegend Schnulli und Touristenkram. Viele indische und mexikanische Antiquitaeten gibt es zu (leider) abenteuerlichen Preisen.
Mit Stadtbummelei kommen wir auch wieder langsam “aus der Versenkung” heraus….

In Santa Fe uebernachtet haben wir auch – auf der obersten Etage eines Parkhauses. Als wir nach dem ersten Stadtbummel zum Parkhaus zurueckkamen war es naemlich einfach geschlossen (nach sechs Uhr). Zum Glueck hat gerade jemand das Gebauede verlassen, damit wir wenigstens hineinkamen. Heraus haetten wir dann noch fahren koennen, aber ploetzlich war die Idee geboren, warum nicht gleich an Ort und Stelle mitten im Zentrum ohne weitere “Gaeste” zu naechtigen. Gegenueber war eine Bibliothek, die bis zehn am Abend geoeffnet hat (und damit auch die Toiletten) und alles andere hatten wir ohnehin dabei. Gesagt – durchdacht – getan. Der Mechanismus der Eingangstuere war schnell ausgekundschaftet, so sind wir noch mal in die Stadt auf einen Abendspaziergang und ein Bier.
Am Morgen haben wir nach dem Fruehstueck gleich erst mal Autoservice machen lassen; was anderes hatte eh noch nicht geoeffnet. Auftanken, Luft und Oelwechsel waren faellig.

Danach sind wir noch fleissig dem Kommerz erlegen und sind diverser Kleinigkeiten fuer uns und die pflanzenversorgenden Bekannten und Nachbarn fuendig geworden…
Das Essen hat uns immer sehr gut geschmeckt. Haben vieles probiert und die Schaerfe war ok. Man kann auch halbe Portionen ordern (zum halben Preis + 1 Dollar), die vollkommen ausreichen.

Rueckreise
(2 Naechte)
Die Rueckreise gestaltete sich erlebnisarm.
Kaum haben wir Santa Fe ueber die I-40 verlassen (und damit die Rueckreise eingeleitet), ueberfaellt uns auch schon der Regen. Angekuendigt hatte er sich ja bereits seit dem Mittag mit Riesenwolken und einem kurzen Schauer. Und dann kam er mit voller Wucht. Zusaetzlich ein Seitenwind, der die Scheibenwischer waehrend der Fahrt immer abheben liess: “Gor nischt meehr gesehn.” Aber wir haben es geschafft, dem Regen vorauszueilen, und so im Trockenen (nach 300 Meilen) in Amarillo, TX ‘unser Zelt aufzuschlagen’ – auf einem Shopping Areal, wo wir am naechsten Morgen gleich fruehstuecken gehen konnten (um unsere Liste an besuchten Fast Food Restaurants zu vervollstaendigen).
“Unser Stueck Texas” hat uns eher nicht gefallen. Komisches “Rumgegurke” auf dem Interstate, Rest Areas ohne Trinkwasser und ohne Ankuendigung und ausserdem nur 65 mph. Nun auch wirklich nur flaches Steppenland und sogar fuer uns eher uninteressant. Spaet am Abend war dann ploetzlich ‘dicke Luft’ und es roch recht seltsam. Im Schummerlicht einer Farm sahen wir dann klarer: riesige Viehherden jenseits des Interstates!
Die Fahrt durch Oklahoma ueber die I-40 und I-44 am naechsten Tag war viel interessanter und die Gegend hat uns grossartig gefallen. Wunderschoene Laubwaelder im Huegelland. Keinen einzigen Nadelbaum gesehen. Und zwischendurch immer etwas Wasser durchschimmern.
Diagonal durch den Staat zieht sich eine “Maut-Autobahn” Sieben Dollar in Summe, aber ‘No speed limit’. Interessant, dass sich ploetzlich die Leute dann auch nicht anders verhalten, als wir es von der Alten Welt her kennen. Rechts fahren die LKW, links fahren die PKW/SUV. Der Erste in der Kolonne bestimmt das Tempo, alle fahren dicht auf, keiner faehrt rechts ‘rueber – also so, wie wir es kennen. Vereinheitlichung von Fahrgeschwindigkeiten (PKW und LKW) – d i e Loesung fuer entspanntes Fahren und zuegiges Vorwaertskommen?
Missouri hat uns optisch gut gefallen, nur die (gegenwaertig?) hohe Luftfeuchte war nicht so toll. Die Fahrt (komplett I-44) durch einen Teil des Mark Twain National Forest war berauschend. Laubwaelder ohne Ende. Und vom Rest Area aus haben wir einen schoen dunstigen Sonnenuntergang beobachtet; auch eine Schlange im Unterholz…
Geschafft haben wir es an diesem Abend bis nach Illinois, d.h. bis kurz nach St. Louis (noch Missouri). Haben den riesigen Gateway Arch (ueber 190 m hoch) gesehen und wollten erst auch einen richtigen Besichtigungsstopp einlegen, aber uns hat es einfach nach Hause gezogen. Fuer die Nacht hatten wir uns zunaechst einen State Park ausgesucht, aber die Gegend war uns unheimlich und der Park zu unbelebt. So haben wir doch ein lautes (die Trucker lassen die Motoren die Nacht durchlaufen), aber sicheres Rest Area auf der I-70 gleich nach St. Louis vorgezogen.

Ja, den naechsten Tag war es fast nur noch ein Katzensprung – 400 Meilen (auf der I-70 bis nach Indianapolis und auf der I-69 nach MI und weiter auf unserer I-94) – und ploetzlich ging es schnell und wir waren wieder zu Hause.
Nach 6400 Meilen (10300 km), uff!
Haben uns richtig auf zu Hause gefreut.
Wir haben erst mal gestaunt, wie sehr sich das unmittelbare Umfeld geaendert hat. Alles steht in “fettem” Gruen. Die gegenueberliegenden Nachbarhaeuser sind gar nicht mehr auszumachen. Und ueberall huepft der Backyard-Nachwuchs herum: Blue Jay, American Robin, Morning Doves und wilde Kaninchen. Auch sechs junge Meisen (Chikadee) sitzen noch in unserem Nistkasten. Deren Eltern fuettern unermuedlich. Und ein paar Tage spaeter haben wir dann sogar noch ein Nest mit jungen Northern Cardinals inspiziert…
Alles stand noch: die Nachbarn und Freunde haben gut aufgepasst und die Pflanzen gegossen. Aber gegen abgefressene Bohnen im “Garten” konnten sie natuerlich auch nichts machen…
So haben wir - also Jana, ich und ein Bier - noch einen lauschigen Sonnabend-Abend auf der Terassenbank zugebracht.
Der Sonntag war dann “schauen wir mal”. Haben so lange “geschaut”, dass wir es nicht mal geschafft haben, den Bus vollstaendig auszuraeumen.
Montag frueh auf dem Weg zur Arbeit war mir wie mit einer ‘Gazelle’ zu fahren. Vier Wochen schweren Bus bewegt, lassen den Blazer im Vergleich ganz leichtfuessig erscheinen. War sehr zeitig in der Firma, um mich erstmal ungesehen in mein Cubical zu “ducken”. Nach einer Woche war dann die Erzaehlstunde vorueber…

Zum Schluss noch etwas ueber die Nachwirkungen:
Haben am zweiten Wochenende nach unserer Rueckkehr wegen ‘4th of July’ ein oberlanges Wochenende gehabt – vier Tage frei. Waren trotzdem einfach nicht in der Lage, uns mehr als fuenf Meilen von zu Hause weg zu bewegen. Wir hatten uns schon ein Ziel am Lake Michigan ausgesucht und waren auch schon ein wenig beim Packen, als wir uns beide eingestanden haben, einfach keine rechte Lust zu haben, und nur die Zeit nutzen wollten. Wir konnten und wollten einfach die vorhandenen Erinnerungen nicht durch neue Eindruecke loeschen.
Und beim Homepage-Aufbereiten waren wir immer wieder selbst entzueckt und verbluefft, was wir da alles unternommen haben und welche Bilder uns gelungen sind...

Nachlese
Jo, und fuer alle, die es etwas genauer wissen wollen: wir haben ein paar Karten manipuliert, d.h. mit Eintraegen ergaenzt: