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Suedwesten USA
Mai/Juni 2002

Einstieg


Das waren vier Wochen Suedwesten der USA:

Unser Ziel waren National Parks und National Monuments im Suedwesten, natuerlich nicht alle, sondern ganz bestimmte.
Wir wollten nicht "durchhudeln", sondern eher auch ausspannen und uns Zeit nehmen. Dabei haben wir einige kleine Staedtchen mit wilden Cafés, alten Trucks und interessanten Typen erlebt. Aber insbesondere die Natur war es, worauf wir aus waren, und davon gab es dann wirklich genug: Sandstein in allen Formen und Farben und ohne Ende, Steppe und Wueste, ausgedehnte Waelder, riesige Kakteen und farbenfrohe Wildblumen, bunte Voegel und freche Chipmunks, aber auch angehende Sandstuerme und immer wieder rote Erde. Wir haetten sogar unsere Kolibri-Traenke mitnehmen sollen...

Die Kontraste in Form und Farbe im Stein waren genauso extrem wie in Pflanzen- und Tierwelt. Am beeindruckendsten aber war wohl White Sands National Monument: Purer weisser Sand - "Schnee im Sommer".
Im weiten Plateau- und Wuestenland war am Horizont nach Sonnenuntergang oft ein kraeftiger Erdschatten sichtbar. Und der Sternenhimmel in der Wueste ist von einer bestechenden Klarheit und erschien uns viel "naeher".
Waehrend wir am Grand Canyon bereits wieder neues Leben nach einem Waldbrand gesehen haben, hing am Bryce Canyon noch der Rauch aktueller Braende in der Luft, und der National Forest um Santa Fe war wegen unkontrollierten Feuers sogar gesperrt.
Einmal wurden wir sogar leibhaftig windhosengetestet. Da hiess es einfach 'Augen zu und durch…'.
Wir haben im San Juan River gebadet, waren (einigermassen) fleissig wandern und haben viel fotografiert.
Fotografieren war besonders fuer mich (Thomas) immer der Weg zum Sehen und Erleben. Fruehes Aufstehen, immer wieder Zwischenstopps und 'location scouting' sind alles Mittel zum Zweck. Das Ziel sind schoene Bilder, aber der Zweck ist das Naturerlebnis...

Bis auf unsere Besuche in New Mexico bzw. die Hin- und Rueckreise haben wir uns im Colorado Plateau aufgehalten, das heisst, die Hoehenlage unserer Aktivitaeten lag im Bereich um 2000 m. Das hat die Nachttemperaturen ertraeglich bis sehr angenehm gemacht, trotz einiger Tageshoechstwerte von ueber 40 Grad C im Schatten, von dem oft nicht viel da war... Zudem betrug die Luftfeuchte im Schnitt nur zehn Prozent. Das haben wir spaetesten dann erfahren, als die Holzplatten unserer zusaetzlich installierten Verschlaege im Bus zu reissen und die Tuerchen zu klemmen begannen...
Mit unserem National Park Pass fuer 50 Dollar im Jahr war uebrigens jeder Eintritt in die staatlichen Parks bereits bezahlt.
Das Wetter war nicht schlecht: dreieinhalb Wochen lang nahezu wolkenloser Himmel. Zwischen Capitol Reef und Bryce Canyon hatten wir einen richtigen Regentag und im Monument Valley war der Abend und der ganze lange Morgen zugezogen. Die zum Teil verregnete Hin- und Rueckreise nicht mitgerechnet, war's das dann mit Schlechtwetter. Oder anders gesagt, ein paar mehr Schoenwetterwolken waeren auch nicht so schlecht gewesen...
Was das Licht angeht, so war ueberraschend, dass der helle Sandstein derart reflektiert, dass manche schoenen Bilder ohne direkte Sonne entstehen - wie z.B. am Mesa Arch oder im Bryce Canyon. Und manch beste Lichtstimmung war ohnehin bereits vor Sonnenaufgang bzw. erst nach Sonnenuntergang zu erleben.


Das Campingleben hat uns im allgemeinen sehr gefallen. Obwohl wir uns nun teilweise an echten Touristenattraktionen aufgehalten haben (z.B. Bryce Canyon oder South Rim Grand Canyon) haben wir Leute ganz selten laut, schrill und nervig erlebt. Zu jedem Stellplatz gibt es einen Grill und /oder Feuerstelle und Tisch mit Sitzbaenken. Die Preise bewegten sich zwischen 'Nichts' bei einem Platz 'ohne alles' (Torowheap, UT), 5 Dollar fuer 'Wasser vorhanden' (Monument Valley, AZ), ueber sehr guenstige 10 Dollar 'inkl. Dusche' (Catalina State Park, AZ), bis zu guten 20 Dollar 'mit Wasser am Platz' in Moab, UT.
Geschlafen haben wir ausnahmslos im Bus. Die mittleren Einzelsitze und die Sitzbank haben wir einfach durch ein Bett ersetzt: Einfach eine grosse Platte (einsneunzigmaleinssiebzig)
auf fetten Zedern-Staendern - gegen die Motten :-) montiert, darauf Isomatten, Matrazen und Steppdecken. Und unter der Platte ordentlich Stauraum. Fahrer- und Beifahrersitz haben wir drehbar gestaltet, damit man beim Essen schoen die Beine auf's Bett legen kann. Im Heck haben dann auch noch unsere Fahrraeder Platz gefunden, per Schnellspanner an der Innenwand.
Fruehstueck gab es bis auf wenige Ausnahmen und immer 'homemade', des eigenen Kaffees wegen. Ein Camping-Gasgrill fuer BSE-freie Steaks hat sein Debuet gefeiert. Unterwegs haben wir so manchen Supermarkt gepluendert und waehrend der langen Fahrten uns auch durch Amerika's Fast Food-Ketten gehangelt und bei der Vielfalt nicht mal eine Firma doppelt besucht.
Wir haben das erstemal sogenannte Solar Showers ("hot water from the sun") benutzt und sind begeistert. Die machen sich auf den National Park-Campingplaetzen ohne Dusche sehr gut.
Mitgeschleppt haben wir drei fette Ordner, einen voll mit spezifischem Infomaterial (viel aus dem Netz) und zwei mit Fotografie-Lektuere. Unterwegs haben wir ja dann immer wieder Neues aufgeschnappt, was wir dann aber schnell wieder sein gelassen haben, weil einfach ein Zuviel an Information nur neue - unstillbare - Wuensche erzeugt hat.
Anstelle unserer Tagebuecher haben wir gleich unseren Laptop benutzt. Allerdings mochte Jana nicht ganz ohne handschriftliche Notizen auskommen.

Die ganze Fahrerei verlief ohne Zwischenfaelle. 6400 Meilen mit nur einer Reifenpanne, und die war quasi selbst provoziert, siehe Toroweap. Auf den einsamen Strassen hat nicht nur einmal jemand angehalten, um zu fragen, ob alles okay sei, wenn wir mal gerade wieder einen (Foto)Stopp eingelegt haben und was nicht gleich offensichtlich war. Fast beschaemend, wie uns zunaechst immer erst mal schlechte Gedanken durch den Kopf gingen, um dann nur Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft zu erfahren.


Auf das Kamerazeugs heisst es aufpassen. Mitunter kann extrem feiner Sand in der Luft sein, den man zunaechst nicht bemerkt und der natuerlich toedlich sein kann. Die Filme habe ich in 12V-Kuehlgeraeten gelagert, was ganz gut ging. Der Filmverbrauch hielt sich uebrigens in Grenzen: im Schnitt 1.2 pro Tag. In White Sands habe ich erfolgreich Verdampfungswaerme genutzt: eine feuchte Socke ueber das Kameragehause gelegt, wirkte Wunder :-)

Nach diesen vier Wochen war es sehr angenehm, wieder ueppiges Gruen zu sehen: Hochwachsende Laubbaeume und frische Wiesen haben "auch was".

Wir werden die Reise stueckchenweise online stellen, d.h. jeden Park bzw. jede Station separat.
Es soll auch eine Extra-Seite mit Bildern der "schoensten alten Trucks und sonstigen Vehikel" geben. In dem trockenen Klima stirbt ja kaum einer an Rost und so waren einige schone Exemplare auszumachen. Einige Besitzer waren richtig stolz, mir auch mal die Motorhaube oeffnen zu koennen... Die besten jedoch fahren eh noch 'rum und waren schwer zu fassen...
Und Jana wird ihre Bluetensammlung praesentieren. Obwohl wir doch in Wuestenklima unterwegs waren, gab es da recht viel bluehendes, das sich uns in den Weg stellte und natuerlich fotografiert werden musste :-)