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Black Hills
2 Naechte


Einleitung
Mit dem Ansinnen, dass es billiger sei, die Indianer zu "fuettern" als gegen sie zu kaempfen, gestand 1868 der besitzergreifende amerikanische Staat den Prairie-Indianern grosse Reservationen zu. Frieden jedoch, waehrte nicht lang. Goldfunde in den Black Hills, im Herzen der Reservation, zogen Tausende von Goldsuchern ins Land. Die Armee konnte weder sie noch die Indianer schuetzen. Versuche, die Black Hills den Indianern abzukaufen, scheiterten (natuerlich). Fortlaufenden Vertragsbruechen und Eindringlingen zu entgehen, verliessen die Staemme die Reservation und begannen angestammtes Land zu beanspruchen. Das Nichtbefolgen der Aufforderung zur Rueckkehr in die Reservationen diente der Rechtfertigung der massiven Feldzuege der US Army. Die Schlacht am Little Bighorn stellt soetwas wie den Hoehepunkt des Kampfes der Indians of the Great Plains gegen die weissen Eindringlinge dar – und war ein separates Thema auf unserer Reise.


Black Hills: "A thick forest of pine and spruce trees covering these mountains make them look black from a distance."
Was uns grundsaetzlich an den Black Hills so gefallen hat, war ihre optische Verwandschaft zum Elbsandsteingebirge. Wie die Steine in der Saechsischen Schweiz sind die Felsen nicht zu massiv, schon gar nicht alpin, trotzdem markant und dabei gut eingebettet im Gruen und Wasser.

Zum groesseren Black Hills-Umfeld zaehlten auf unserer Reise Mount Rushmore, Custer State Park und Devils Tower. Mount Rushmore hielten wir kurz, im Custer State Park gingen wir auf Foto-Safari und der Devils Tower verdient ein eigenes Kapitel.

Mount Rushmore
...wir sind rechtzeitig vorher abgebogen. Endlose Lobpreisungen und etablierte Vergnuegungseinrichtungen liessen uns skeptisch einen grossen Bogen um "America's shrine of democracy" machen. Letztlich ging es uns um die Erfahrung der Dimension und des Umfeldes, und dazu reichten die Vistas von allerlei (gutgemachten) Aussichtspunkten:
In den engen Tunneln war uebrigens lustig am Gas zu spielen – ich selbst hoer’ den V8 ja so selten ungedaemmt :-)

Custer Statepark
2 Naechte

Der Name ist zwar leider danebengegriffen, aber dafuer koennen die Bueffel ja nichts. Bis zu fuenfzehnhundert freilebende (mit Einschraenkungen) Buffalo durchstreifen das Grassland und die offenen Waelder. Und gleich am Eingang haut es uns aus den Socken:
Die Strassen sind eng und kurvenreich, wir fahren langsam und sehen ploetzlich eine dunkle regungslose Masse im Schatten der Baeume. Der erste Gedanke: gut nachgemacht, doch dann durchfaehrt es uns: der lebt ja! Behend erhebt sich das Tier und richtet sein massives Haupt in unsere Richtung. Lektuere hatte mir schon zuvor zu der Erkenntnis verholfen, dass ein aufgerichteter Schwanz hoechste Unzufriedenheit ausdrueckt. Aber, aeh, was sollten wir tun? Ruhig verhalten war wohl das Beste. Na ja, ein Bild durfte es schon sein. Aber der Schreck hat mich jedenfalls erstmal jegliche Kameraeinstellungen vergessen lassen. Insofern ist das Bild voll authentisch:
In Anbetracht unserer Regungslosigkeit hat sich unser Freund aber schnell wieder beruhigt – und es blieb Zeit fuer eine ruhigere Hand:
Wir haben uns dann jedenfalls gedacht: „Gut, dass wir kein rotes Boot haben.“ :-)
Schwer beeindruckt und sprachlos lassen wir des eben Gesehene nachwirken. Wir waren zwar dann noch etwas mit Konversation ueber die Notwendigkeit des Wissensaustausches bezueglich Gefaehrlichkeit beschaeftigt, aber das hat sich auch schnell gegeben. Wer hat nicht schon Bilder von Bueffeln gesehen, die nur ein paar Meter von haltenden Motorradfahrern entfernt Strassen ueberqueren. Also weiter.

Aber der naechste Schreck liess nicht lange auf sich warten – als eine Herde Bueffel die Strasse beherbergte und uns die Toepfe bremsbedingt durch den Bus flogen... Der letze der Herde hat sich dann vor Schreck auch kaum an uns vorbeigetraut.

Aber mehr an Aufregung gab’s dann erstmal nicht. Und ueber die Fahrt zum Campground ist es dann auch Zeit fuer das Abendbrot geworden.


Die Chancen, Wildtiere zu sehen (und zu fotografieren), seien um den Tagesanbruch herum wohl am groessten. Also los:
Die Episode mit dem „Totstellvogel“ werden wir wohl auch nicht so schnell vergessen. Als wir einen Feldweg durch’s Gelaende befahren, hat ein Vogel immer wieder versucht, uns von seinen im Gras sitzenden Jungen durch Totstellen oder Verletztspielen abzulenken; wollte uns partout nicht vorbeilassen.
Aber das an diesem Morgen schoenste Erlebnis kommt ja noch: Bueffelmuetter mit ihren Kaelbern. Wir haben den Bus (und Motor) abgestellt und liessen eine Herde samt Jungen hinter und vor dem Bus und am Gras zupfend an uns vorbeiziehen. In der Stille hallte das Rufen einzelner Tiere wider. Es war fast unheimlich. Die kuehle Morgenluft liess den Atem der Tiere dampfen und wir schauten wie gebannt.

Doch langsam knurrte uns auch der Magen. Die Herde hatte passiert und so steuerten wir einen Picknick-Platz an. Unterwegs stiessen wir immer mal wieder auf einsame Riesen.


Am French Creek staerkten wir uns dann fuer den Tag.

Der Sylvan Lake wird als das Juwel des Parks bezeichnet. Das und die Suche nach einem geeigneten Platz zum Paddeln trieben uns somit nach dem Fruehstueck gen Nordwesten.
Die Route fuehrte ueber die Needles. Hier boten sich immer wieder Blicke auf schroffe Felsformationen und in die Hills.

Am Sylvan Lake herrschte mehr Trubel als uns lieb war. Ausserdem kamen wir in der Mittagshitze an, so dass wir uns erst mal eine ruhige Ecke gesucht haben. Wir wollten es uns gerade bequem machen, als Jana eine Mountain Goat entdeckte. Da war es mit der Ruhe erst mal wieder vorbei...

Doch schliesslich war Paddeln angesagt:

Geangelt haben wir dann auch noch – das heisst, wir haben es versucht, weil gefangen ’ham wir nischt’. (Wie denn auch - mit Bagel-Teig!?)

Schade, der Campground machte erst am naechsten Tag auf. Wild campieren wollten wir nicht – also haben wir uns noch ein Stueck „in die richtige Richtung bewegt“ und auf dem Three Forkes Campground in der Naehe von Hill City uebernachtet. Wir hatten noch einen Klasse-Klassik-Abend mit allem Drum und Dran.

Der naechste Morgen begann wie der Abend endete: pristine.

Auf der Weiterfahrt in Richtung Nordwesten haben wir den Custer Peak mitgenommen, gute 6000 ft – nach dem Motto: Ein bischen Bewegung muss sein. Waehrend wir hinaufschnauften, kam uns ein athletischer Fuenfziger froehlich entgegen gejoggt und wuenschte uns einen schoenen Tag.
Immer wieder hat uns ein warmer hangaufwaertiger Lufthauch mit intensivstem Kiefernduft begleitet.
Der Kamera-Akku hat es aber nicht mehr bis zum Peak geschafft. Die Reserve lag im Bus. Das Wichtigste aber hat es auf den Chip geschafft:

Ueber den Spear Fish Scenic Byway verlassen wir den Park. Wiedereinmal dazu passend: Regen.

Waren gerne in den Black Hills. Die Gegend hat uns gut gefallen. Muesste mal ein laengerer Aufenthalt werden.

Die naechste Station verlangt gesonderte Aufmerksamkeit.




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