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last update July 2005

Acadia National Park
The Bald Eagle

Beim ersten Versuch hat Felix nicht gemocht, auf einen zweiten haben wir es dann erst mal nicht ankommen lassen, so bin ich alleine losgezogen: Eine Kanu-Tour auf der Bass Harbor Marsh. Der maeandernde Zufluss zum Bass Harbor verhiess entspanntes Paddeln. Zum Zeitpunkt des Wasserns war nicht gerade Flut, so dass das Vorwaertskommen zunaechst etwas beschwerlich ausfiel. Doch mit breiterem Fahrwasser hat sich das gegeben. Die Sonne stand schon recht hoch – bin ja erst am spaeten Vormittag los – und so versprach ich mir eigentlich keine aufregenden Szenen. Kaum ein Woelkchen truebte den Himmel, die Temperaturen waren entsprechend, aber auf dem Wasser herrschte das richtige Klima. Geeignet zur Entspannung also.


Beim versuchten Dahinpaddeln sah ich einen Vogel im Uferbereich aus dem Gras lugen - was ich zunaechst fuer eine Moewe hielt. Doch beim zweiten Blick wurde ich stutzig. Das schwarze Gefieder und die relative Groesse liessen mich sofort etwas anderes vermuten, was sich beim hastigen Blick durch die lange Tuete dann auch bestaetigte: ein Weisskopf-Seeadler!
Der Gute hatte offensichtlich vor kurzem einen Fang gemacht und war gerade beim Rupfen – ein paar weisse Federn stoben umher. Aus Sorge, diese Gelegenheit so schnell zu verpassen wie sie sich ergeben hatte, sind zunaechst ein paar schnelle Bilder entstanden, einen weissbefiederten Kopf aus der Wiese lugend zeigend, sonst nichts.

Um den Koenig der Luefte nicht zu vetreiben, habe ich schleunigst und so ruhig wie mir eben moeglich war, Beobachtungsposten auf dem gegenueberliegenden Ufer bezogen.
Ich sagte mir, irgendwann muss er ja mal mit der Beute „nach Hause“. Also hiess es warten - mit der Tuete im Anschlag. Das war zwar leichter gedacht als getan, aber der Adler ist mir im wahrsten Sinne des Wortes entgegengekommen. Zweimal erhob er sich kurzzeitig, um mit der Beute immer nur noch ein Stueckchen weiter direkt an das Ufer zu flattern. Das hat die Memory Card ein gutes Stueck gefuellt.
(Na ja, ein bischen zerzaust sieht er ja aus...)

Schliesslich war es soweit, der Vogel erhob sich endgueltig. Toller Anblick. Wasser spritzte auf, als die Beute beim Tiefflug das Gewaesser touchierte. Nicht lang, und er landete weit auf der anderen Seite der angrenzenden Flussgabelung.
Uff, nun gut, ich hatte nicht im Sinn ihm weiter zu folgen, gar zu stoeren. So habe ich mich einfach nur in die Stroemung geworfen und bin wie zwangslaeufig auch am anderen Ufer gelandet. Allerdings viel weiter von ihm entfernt als vorher und auch ausser „Sichtkontakt“. Gerade als ich mich noch um mein Kamerazeugs kuemmere, sehe ich ihn sich jedoch aus der Wiese erheben und in meine Richtung fliegen. Leider haben in den ersten Momenten die Einstellungen nicht ganz gesessen, so dass zunaechst kein scharfes Bild entstanden ist. Erst kurz vor meiner Hoehe hat es halbwegs geklappt.

Statt jedoch vorueber zu fliegen, setzt sich der Kerl erstmal direkt in den Baum vor mir, Fliegen strengt an.
Daher wieder warten auf das Abheben, was sich diesmal aber bereits nach nur wenigen Minuten ereignete. Ich folgte ihm noch durch den Sucher wie er um das kleine Inselwaeldchen bog, dann vermeinte ich ihn zum letzten Mal gesehen zu haben fuer den Tag. Aber wieder gefehlt. Auf der anderen Seite kam er wieder zum Vorschein und nahm Platz auf der Spitze eines abgestorbenen Baumes.

Das war nun aber mehr als weit genug entfernt, so dass ich ohne Sorge das Kanu wieder in Schwung setzen konnte. Einmal sah ich ihn dann noch in die Baumkrone eines anderen Baumes segeln, und beim naechsten "Klimpern" war er dann wirklich verschwunden.

Nun konnte ich auch erstmal aufatmen und versuchen mein Glueck zu begreifen.
Wieder einmal hat sich gezeigt: Erwartungshaltung nach unten schrauben, einfach was anstellen, und irgendeine tolle Sache wird sich schon auftun.

Ein Blick auf die Uhr verriet, es war Zeit an die Rueckfahrt zu denken, wollte ich Jana und Felix im vereinbarten Zeitfenster am Campground wieder treffen.

Ich hatte etwas Muehe, gegen die Stroemung und den aufgekommenen Wind anzukommen.
Beim Gleiten entlang des Ufers wurde ich dann noch einer Feder fuendig, die – wie sollte es anders sein – vom Adler stammt...

Natuerlich ist ein Weisskopf-Seeadler etwas, was einem in Alaska vielleicht aller Nasen lang passiert, aber erstens sind wir nun mal nicht in Alaska und zweitens ist mir so nah und in Aktion bisher halt noch keiner untergekommen...




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