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last update December 2005
Einstieg


"Big Bend, a wild and surprising land, remotely enough that only the dedicated reach it."


Big Bend liegt im Suedwesten Texas’ - "Far West Texas" - wo der Rio Grande mit einer scharfen Kruemmung die Grenze zwischen Mexiko und den USA markiert.

Mit ueber dreitausend Quadratkilometern ist Big Bend der achtgroesste der US National Parks. Was ihm fehlt sind Besucher, was in unseren Augen einer seiner Hauptvorzuege darstellt.

Die Chisos Mountains bilden das Herz Big Bends und sind die einzige sich vollstaendig in einem Nationalpark befindende Bergkette.


"Big Bend’s biodiversity boggles the mind as much as the noon heat."
Der Park beherbergt mehr als zwoelfhundert Pflanzenarten, mehr Arten Kakti, Fledermaeuse und Voegel als jeder andere US National Park. Mountain Lion, Schwarzbaeren, Luchs und Klapperschlange sind hier heimisch.

In einem Wort: "Large enough to get away from the crowds, diverse enough to provide plenty to see and and to do, and wild enough that twenty steps off the road and you feel you are somewhere no one else has been before."

Big Bend: The River, The Desert, The Mountains.

Statt viel „herumzugondeln“ wie in den anderen Jahren, haben wir uns also diesmal auf einen Park fixiert.
Aber weil wir nun doch schon mal so weit "unten" waren, haben wir uns noch Padre Island National Lake Shore am Golf von Mexiko angesehen (rechtzeitig vor Hurricane Rita). Davon aber ganz am Schluss. Erstmal Big Bend.


Big Bend ist anstrengend.
Anstrengend,
~ ueberhaupt dorthin zu gelangen.
Wir haben wieder den Van genutzt mit je zwei Uebernachtungen waehrend Hin- und Rueckreise. Mag ja verrueckt erscheinen so lange Strecken selbst zu fahren, aber Reisen in Amerika ist nun mal nicht besonders stressig und solange es das Leben hergibt, geniessen wir die Fahrt durchs Land.
~ den Park zu erfassen, zu erschliessen.
Nicht nur sind mit dem Auto Entfernungen zwischen Bergen, Wueste und Fluss zu ueberbruecken, auch die Trails erfordern Ausdauer, viel Trinkwasser und so manchen Energieriegel. Fuer mich waren die vielleicht insgesamt dreissig Kilometer durch Berge und Wueste nicht "ohne".
~ mit einem Zweijaehrigen zu reisen.
Kompromisse! Die ersten ein bis zwei Tage erfordern von allen Seiten ein Anpassen an die Situation. Nicht nur Felix lernt dazu. Ein Trail ueber fuenfhundert Meter kann in eine ungeahnte Exkursion ausarten, wobei die Schwierigkeit meistens in der „Richtungsbestimmung“ und der artgerechten Annaeherung an Kakteen lag.
Alle diesbezueglich erfahrenen Eltern werden bestaetigen koennen, dass neue Tagesablaeufe und neue Umgebung einfach "Unruhe" verursachen. Aber zwei Stunden um den Block gejagt und Thomas (seine Eisenbahn) die Treppen runterpurzeln lassen, machten ihn oftmals gluecklich. Und der Strand am Golf war schon einfacher zu handhaben...

Aber alle Muehe wert.
So viel gesehen, so viel erlebt, so viel gelernt.
Gerade wenn wir dachten, "Mensch, haben wir aber wieder was Schoenes erlebt", haben die Ereignisse noch eines draufgesetzt.




Diesmal kein Camping, wir haben uns in der Chisos Mountain Lodge einquartiert. Diese liegt auf auf circa 1650 Metern inmitten des Kessels, dem Basin, am Fusse des Casa Grande.
Unser Zimmer hatte altes mexikanisches Gestuehl und war mit Kuehlschrank, Mikrowelle, Kaffeemaschine und Deckenventilator ausgeruestet.
Das Fruehstuecksbuffett in der Lodge haben wir am ersten und letzten Morgen genutzt, Lunch hat dort auch geschmeckt.


Die Temperaturen ueberstiegen tagsueber keine fuenfunddreissig Grad (und ein bischen toasty muss es ja schon sein) – aber bei alles ertraeglich machender geringer Luftfeuchte – und des Nachts fielen sie auf angenehme fuenfzehn bis zwanzig Grad.
Regen? Gab’s auch. Meistens nicht dort wo wir gerade waren und immer ein Spektakel.
Schliesslich ist der September einer der feuchteren Monate und bietet viele Spaetsommer-Gewitter, die uns besonders beeindruckt haben. Grossartig, so mitten in der Wueste zu stehen und in drei Himmelsrichtungen zucken Blitze und gehen Regenguesse nieder und selbst bekommen wir nicht einen Tropfen ab.

Sonnenauf- und Untergangszeiten waren sehr moderat mit halb acht und um acht. Die Daemmerungsphasen fielen hingegen kurz aus. Sind halt doch schon sehr weit suedlich. Das hat das Wandern um diese Zeit auch nicht gerade erleichtert. Erschreckend, wie sehr man als ’moderner Mensch’ doch der Natur entwoehnt ist. Der Mix aus Dunkelheit, kuehlem Wind und „Zweige knacken“ verursachte Gaensehaut. Der selbe Trail bei Tageslicht war dagegen ganz ’easy’.

Nie haben wir Agaven so gut „in Schuss“ gesehen. Viele praesentieren sich makellos. Und was wir im Grunde schon wussten, haben wir diesmal ein wenig mehr studiert. Diese auch als Century Plant bezeichnete Pflanze treibt tatsaechlich nach sieben bis zwanzig Jahren einen bis zu sechs Meter hohen Bluetenstengel - und geht danach ein.

Grossartige Fernsichten sind moeglich, aber Luftverschmutzung und Luftfeuchte lassen das nicht immer zu.

Allerlei Getier ist uns auch begegnet, aber davon mehr an geeigneter Stelle.

Viel Gerassel haben wir diesmal nicht mitgeschleppt, nur ein Fahrrad fuer den Fall der Faelle (den es nicht gab). Fuer diesen Trip die richtige Wahl.


Hinreise


Missisippi (Felix’ Interpretation: Sippi) Crossing:

Felix hat waehrend der langen Fahrten im Grunde sehr gut mitgespielt. Grossen Anteil hatte natuerlich auch Jana’s Aufwand, viel Zeit mit ihm waehrend der Fahrt zu verbringen. Der Rest war Schlaf und vor allem Thomas & Friends. Davon konnte er nicht genug kriegen – und wir koennen inzwischen mitsingen :-)

Mit dem Verlassen des Interstate 20 kehrte auf den Strassen Ruhe ein. Und nach dem Staedtchen Marathon am Highway 90 hatte der Staat Texas auch nix gegen offizielle 75 MPH. Lange Geraden, Roadrunner rechts und links des Weges, ein durchziehendes Gewitter und das Herz schneller schlagen lassende Fernsichten auf das uns Erwartende:

Yes, we're coming.

Wie geplant sind wir also am Abend des dritten Reisetages im Big Bend eingetroffen. Eigentlich zog es uns in die Lodge, aber die Sonne war gerade am Verschwinden, so dass noch einige zusaetzliche Stopps notwendig waren.
Sierra del Carmen, Mexico

Zur blauen Stunde in das Basin einfahrend, erwischen wir noch ein allerletztes Licht in "The Window".

Nach der Ankunft war nicht viel mehr als das Noetigste auszupacken und ins Bett zu huscheln. Im Vergleich zu den vorherigen zwei Naechten haben wir himmlisch geschlafen bei angenehmen Temperaturen und ohne Zivilisationsgeraeusche.

Und damit schauen wir mal, was die naechsten Tage so bringen...




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