reisen
last update March 2006
Guadalupe Mountains
Texas, April 2005


Eines der bestgehuetetsten Geheimnisse der US Nationalparklandschaft, heisst es: die Guadalupe Mountains, einhundert Meilen oestlich von El Paso, Texas. Seine abgelegene Lage und sicherlich auch das Nichtvorhandensein - von Fehlen kann man ja nicht sprechen - von Uebernachtungsmoeglichkeiten im Umkreis von fuenfunddreissig Meilen lassen Besucherzahlen nicht gerade explodieren.



Waere ich so schnell nicht hingekommen, wenn Cummins nicht waere. Ein mit Daten-Loggern bestueckter Truck von Columbus bis zur Westkueste und zurueck – ich fuer vier Tage dabei und einen Tag fuer den Nationalpark angehaengt.
Nach meiner Zielankunft in El Paso, dem Herunterladen aller Testdaten, und dem bewussten Verzicht auf ein zuenftiges Steak und kuscheliges Bett, habe ich mich am Flughafen in den Besitz eines Mietwagens gebracht, um mich einhundert Meilen weiter ostwaerts endlich gegen eins in der Frueh im Heck des Pontiac Vibe auf Reste Isomatte zu betten. Das Weckerbimmeln gegen fuenf kam entsprechend ueberraschend. Doch ein glutroter Horizont hat mich hochgetrieben.
Den ersten Trail des Tages nahm ich nur ein paar Meilen vom Campingplatz entfernt. Der Weg fuehrte relativ steil in die Huegel und bot weite Blicke in das Land, erwachende Zirkaden und bluehende Yuccas, alles bei einer leichten Brise.
Pausieren am Ende des Trails in einer Oase.


Der anschliessende Besuch im Visitor Center verhalf zu einem Schluessel, mit dem ich mir am spaeten Nachmittag Zugang zu den Sandduenen verschaffen wollte. Doch der Reihe nach. Nach einem kurzen Erkundungsritt gab’s im weit und breit einzigen Café erst mal soetwas wie Fruehstueck.
Der Besitzer war stolz auf saemtliche Erwaehungen in Lokalzeitungen, bei jedem Gabelbissen Kuchen vom Pappteller blickte mich schelmisch sein Konterfeit vom Tresen an. Die mit Hilfe durchbohrter Kronkorken in Zuckerstreuer umfunktionierten Bierflaschen haben mich lange beschaeftigt :-)
Sowas reizt mich momentan mehr als jede Grossstadt.


Dann hiess es Wasserflaschen fuellen und ab in die Kampfzone, den McKittrick Canyon Trail.


Schoen toasty war es, knusprig heiss, aber geringe Luftfeuchte. Geschmeidiges Dahinwandern.
Aus dem Augenwinkel wurde ich Zeuge einer missglueckten Jagd - ein kleiner Nager konnte gerade noch einer vorschnellenden Schlange entwischen.
Das Mittagslicht war hart und kalt, aber das tat Bildern von schoenen Blueten keinen Abbruch.

Schliesslich begannen groessere Baeume Schatten zu spenden. Am vorlaeufigen Ende des Trails (vielleicht dreieinhalb Meilen) eine Grotte. Trocken (und kein Bild wert).

Auf dem Rueckweg wurden dann doch etwas meine Beine schlapp. Wasser war erst wieder am Trailhead auffuellbar.

Eine farbenfrohe Eidechse hat mir noch einmal Reserven abverlangt.

Aber dann war es geschafft und Zufriedenheit machte sich breit.

Nach dem Abkuehlen habe ich mich dann langsam zur Erkundung der Sandduenen in Bewegung gesetzt. Die Sonne war weit ueber den Zenit und wer weiss, was sich noch so alles in den Weg stellen wuerde.

Ein bischen zeitig fuer meinen Geschmack, aber von einem ruhigen Platz jenseits der Strasse ausserhalb des NP bot sich ein guter Blick auf El Captain.
Es hatte einige Tage zuvor geregnet. In diesem Fall waere der unbefestigte Fahrweg (fuer mich) unpassierbar gewesen, denn kurz zuvor hatte sich gezeigt: Im noch feuchten Salt Basin bin ich schnell mal heftig eingesunken. Nur mit Muehe blieb der Schuh am Bein...

Und endlich laeuft mir einer ueber den Weg: Ein Road Runner. Schon lange wollte ich diesen witzigen Vogel mal live erleben. Weil sich am den Strassenrand saeumenden Zaun Tumble weed aufgetuermt hatte, war er sogar gezwungen, seine Fluegel zu benutzen. Und er ward nie mehr gesehen...
Der Schluessel zum Tor, welches an der Westseite des Parks wieder Zutritt zu diesem verschafft, passte, und nach einer weiteren Meile begann der Trail durch die Wueste. Der Weg wird selten benutzt, und so hiess es aufpassen, dass sich unter dem wuchernden Gestrauch nicht irgendein beissfreudiges Wesen verbirgt. So vollkommen allein inmitten dieser doch recht unberuehrten Weite wachsen Entfernungen und Zeiteinheiten. Ich war mir schon nicht mehr so sicher ueberhaupt auf dem richtigen Weg zu den Duenen zu sein, als ich das Gipsweiss aufschimmern sehe und sich Erleichterung Luft macht. Es war dann schon noch ein Stueckchen Weg, aber ich fand die Duenen in weitgehend ‘pristine condition’.
Zwei, drei Road Runner, die ueber den Sand flitzen und Staubfahnen hinter sich herziehen.
Sandmeer.
Grosse Schritte, Durchatmen.
Shooting.

Bis zur Dunkelheit wollte ich nicht in den Duenen bleiben. Mir lief die Gaensehaut bei dem Gedanken. So war ich im Zwielicht schon wieder auf dem Rueckweg und dabei hin- und hergerissen zwischen dem Drang nach Photos und zum Auto zu eilen. Die Daemmerung senkte sich langsam auf die Landschaft und ich schritt aus. Nach ein paar Minuten Weg hat mich dann fast der Schlag getroffen. Ein lautes Gerassel liess mich einen Riesensatz zur Seite machen. Ich habe sie dann auch gleich gesehen, die Klapperschlange. Zusammengerollt, nicht sehr gross, aber rasselnd und zuengelnd.
Ja was soll sein, raus die Kamera, das Vierhunderter verlangt ohnehin fast zwei Meter Fokussierabstand, und das letzte Licht genutzt.

Immer noch staunend und den Schreck langsam verdauend, aber very happy, musste ich dann aber doch weiter. Bevor es gaenzlich dunkel wurde, habe ich es aber doch noch zum Auto geschafft.
Der “Rueckzug” ging dann ueber das relative bekannte Gelaende zuegig vonstatten, den Schluessel hatte ich mir ohnehin schon vorgenommen zurueck zu schicken (statt noch fuenfunddreissig extra Meilen ‘drauf zu packen), und nach einer guten Stunde war ich wieder in El Paso.


Schlaf konnte ich nicht gleich finden, der Flug am naechsten Morgen ging sehr frueh -
Indianapolis
- aber am fruehen Sonntag-Nachmittag war ich wieder zu Hause, konnte Jana und Felix in die Arme schliessen und friedlich ein kleines Nickerchen auf den Couch machen.
War also ein schoener (erster) Truck-Test-Trip.


PS Impressionen vom Trucking gibt es unter "Amerika".



zurueck zur Reisehauptseite