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Deutschland
Oktober 2007


Unser erster Deutschlandbesuch seit fünf (5) Jahren also.
Es hat so lang gedauert, weil wir die Strapazen und Risiken mit Young Felix nicht auf uns nehmen wollten, so haben er erst vier Jahre werden und diverse Jubiläen eintreffen müssen.
Knapp drei Wochen waren für diesen Besuch veranschlagt, viel mehr hat der Jahresurlaub eben nicht hergegeben.
Lange vorher wurde ein Stationsplan erarbeitet, als Versuch, es jedem (inklusive uns) recht zu machen. Bis auf die letzten zwei Tage konnten wir ihn auch einhalten.
In Kürze wären das in chronologischer Reihenfolge: Löbau, Kummer bei Schwerin, Dresden (ohne Felix), Löbau, Naundorf bei Zeitz, Halle an der Saale, Lichtenhain in der Sächsischen Schweiz, und wieder Löbau.
Viele Leute wiedergetroffen. Auch eine ungeplante Stippvisite bei meinem ehemaligen Professor an der HTW Dresden war dabei. Über die meisten Wiedersehen haben wir uns sehr gefreut, von einer waren wir eher enttäuscht.
Unser Essensplan, d.h. unsere Speisewunschliste, wurde zu neunundneunzig Prozent abgearbeitet. Das hat uns gefreut.
Wir hatten überraschend gutes Wetter. Bis auf die letzten zwei Tage war immer die Sonne draußen. Hätte mir die Reihenfolge mit Blick auf den Stationsplan andersherum gewünscht, aber so was kann man sich nun mal nicht aussuchen.
Und die meisten Bilder spiegeln es wieder, unseren schnellen Touri-Blick auf alles was anders ist: alte Gemäuer, Handarbeit, Essen.
Verblüffend, wie schnell wir uns, nun ja, nicht gerade eingewöhnt, aber adaptiert haben. Da waren wir nun solang weg, aber irgendwie hatte es zumindest mich gleich wieder. Zur Beruhigung ging es uns umgekehrt genauso – mit einem Seufzer der Erleichterung.


An- und Abflug waren in Dresden.

Dann legen wir mal los, schön der Reihe nach:
Mit einem Mietwagen nach Indy zum Airport. Viel Zeit eingeplant – und auch gebraucht. Unser Flug hatte Verspätung, im Klartext: fiel aus. Daher Umbuchung auf drei Stunden längere Reisezeit. Für Anschlussflug in Frankfurt hatten wir dann zwar Bordkarten aber keine Tickets, häh?! Das hat uns dann leider unsere gemütliche Frühstückspause in Frankfurt gekostet.
Felix hat tatsächlich fünf Stunden im Flugzeug geschlafen und hat uns ob seiner andauernden guten Laune sehr überrascht. Unsere Videos zeigen ihn immer wieder begeistert "Ich seh' die halbe Stadt" ausrufen.
In Frankfurt hatten wir jedoch vergessen, unsere „Deutschland-Ungut-Pillen“ zu schlucken. Da hat es uns kalt erwischt: Sicherheitskontrolle. „Mal mitkommen, mal ablegen, mal aufmachen.“ Eine Behandlung wie für das Taschenmesser in der Hosentasche. Für die anderen Vorfälle noch Worte zu finden wird zu kompliziert. Können wir doch nix dafür, wenn die ihren Job nicht mögen.
Positiv überrascht waren wir von der rauchfreien Luft im Frankfurter Flughafen. Die hat uns vor fünf Jahren noch die Luft genommen. Das hat dann aber Dresden nachgeholt. Am Gepäckband wurde quasi jeder zu einem Rauchinsulaner gemacht.
Dann aber großes Hallihallo.
Und die Volvo Turbo Machinery noch warm.
Ja, tatsächlich, da stand das gute Stück, nach sechs Jahren aus dem Tiefschlaf geholt. In die Ledersitze gelümmelt, Handschuhe angelegt und erst mal langsam angehen lassen. Austoben kommt später.
Got boost

Dem Jet Lag begegnet man am besten mit Aktivität. Nach der Stärkung (und dem Abhaken einer Position auf unserer Essens-Wunschliste) erstmal Löbau- und Gartenbegehung bei wunderschönem Herbstwetter.
Die innere Uhr braucht etwas länger zu Umstellung, so saß ich am nächsten Morgen schon seit sechs vor dem Fernseher.
Nach dem Frühstück ging’s dann aber schon los in den Norden, d.h. nach Kummer.
Das Wetter war wieder unser Freund.
Und eine Windmühle sehen wir nun wirklich nicht alle Tage.
Auch keine schilfgedeckten Dächer.

Der Besuch im Schlosspark zu Ludwigslust bot viel für Felix und Familienbilder.

Ein bischen Dorfleben wie in alten Tagen haben wir auch mitgekriegt.
Hier haben wir auch eine sich noch öfter wiederholende Beobachtung gemacht. Bei uns zu Hause gibt man sich in der Regel nicht die Hand zur Begrüssung. Dazu bedarf es meistens eines offiziellen Anlasses oder besserer Kontakte (unseren Nachbarn z.B. begrüsse ich mit Handschlag, wenn wir uns mehr als ein paar Tage lang nicht gesehen haben). Felix kennt also sowas nicht wirklich und wusste nichts mit einer von oben herab ausgetreckten Hand eines wildfremden Menschen anzufangen. "Na dann eben nicht" als Reaktion darauf demonstriert aber wieder sehr deutlich die Unterschiede die wir meinen.
Eine lustige Anekdote war dagegen meine Suche nach dem Kühlschrank. In der fremden Umgebung war mein Auge doch voll auf einen grosse weisse Kiste im bekannten US Format fixiert...
Der Abschied am dritten Tag fiel uns nicht leicht, haben wir doch Felix bei den Grosseltern gelassen, um selbst nach Dresden zu fahren. Alle zusammen würden wir uns wieder in Löbau sehen.
Die Fahrt nach Dresden ging überraschend schnell. Bei hundertfünfundzwanzig miles-per-hour habe ich es aber belassen. Um eine kleine Unwucht hatte sich ja noch vor der Abfahrt ein Reifenservice gekümmert (der wollte nur zehn Euro für zwei Räder wuchten). Auf den Strassen hätte ich allerdings mehr Ellenbogen erwartet. So hatte ich es zumindest in Erinnerung. Vielleicht helfen die Spritpreise. Oder die Leute sind vernünftiger geworden. Auch waren verhältnismäßig viele Kutschen ähnlich alt wie die unsere unterwegs. Wohl erst mal die Luft ’raus?
Unterkunft für unsere Zeit in Dresden hatten wir bei U., nur fünf Minuten von meinem alten Studentenwohnheim in der St. Petersburger Str. entfernt. Um die Ecke gab’s einen guten Bäcker. Irgendwie habe ich bei dem immer zuviel gekauft.
Und die Wäsche im Innenhof war mir einfach ein Foto wert. Machen wir zwar auch so, aber sonst sieht man sowas bei uns kaum – und die Schlüpper sind ja auf der anderen Seite.


Ach ja, Dresden. Hat sich eigentlich nicht viel verändert. Klar, die Frauenkirche steht. Gewaltig. Deren Baubeginn symbolisiert für mich immer noch die damals herrschende Aufbruchstimmung. Direkt vor ihr auf dem Neumarkt stehend sieht sie aus wie Adolars Raumschiff. Der Altmarkt ist wieder mal aufgerissen. Und der gesamte Bahnhofsbereich ist neu gestaltet – endlich gibt’s den Tunnel. Und bei dem alten Hertie wird auch gebuddelt. Aber sonst, mmh. Irgendwie war ich auf mehr gefasst. Und das gar nicht mal so sehr die Bautätigkeiten betreffend. Aber trotz toller Schuhe, schicker Klamotten und Accessoires aller Art, der gemeine Dresdner und Ossi kommt immer durch. Keine Wertung, nur Feststellung - sind ja selber welche. Da wird gemault, sich nicht getraut, und mürrisch gucken sowieso alle. Außer die Rentner und wohl manch Arbeitsloser, die sehen entspannt und ausgeruht aus.

Im Grünen Gewölbe waren wir, im Neuen. Auf vorherige Anmeldung für das Historische hatten wir keine Lust. Anschließend haben wir das Haus des Buches gestürmt. Und das nicht nur wegen der Senfeier zum Mittag.
Eine Leute anquatschende Strasseninterviewerin hat Jana ganz nonchalant mit einem "Excuse me?" ruhiggestellt.
Für unsere Verhältnisse "gefährlich" nahe kommt man sich im Menschengewühl. Wir sind inzwischen andere Mindestabstände gewöhnt. Ist ja ein bekanntes Kulturphenomän, aber besonders eng war es uns schon immer in Warteschlangen.

Eigentlich wollten wir von Dresden mit dem Dampfer in das tausendjährige Meißen und mit der S-Bahn zurück. Haben aber verschlafen und sind daher linkselbisch mit dem Volvo über die leere Landstrasse gerollt. Hatte den Vorteil, in der Stadt auch sonst eher unbesuchte Ecken abzuklappern.

Also gleichmal vorweg, der Meissen-Besuch hat uns gut gefallen.




Hin und weg waren wir von Bäcker- und Fleischerläden. Da wurde uns vorgeführt, was uns abgeht. In US wird man dick, weil das Zeug nichts taugt, in Deutschland, weil es so gut schmeckt. Zu Vinzenz Richter sind wir leider nicht rein gekommen. Wurde gerade eine Busladung abgefertigt. Aber es gab ja noch genügend andere Schenken, und so kamen wir sogar wieder mal zu Flecke und Hefeklößen.
Sogar auf die Burg haben wir es geschafft. Die Weinstube jedoch, in der wir vor sechs Jahren zu unserer Abschiedsreise saßen, hatte leider den Garten nicht geöffnet. Die dunklen Trauben direkt von der Rebe waren jedoch zuckersüß.
Leider, die Weinauswahl im Geschäft am Markt hat mich nicht umgehauen und die Bedienung war hochnäsig.
Well, zurück nach Dresden. Diesmal über Weinböhla (die PGH ist tot, war sie, glaub ich, allerdings schon vor sechs Jahren), Coswig (nein, nicht durch’s Neubaugebiet), Radebeul (angeblich mit der ersten Rolls Royce Niederlassung im Osten), Zitzschewig und Mickten.
Die Toiletten-Stories sind noch eine Erwähnung wert. Zuerst gilt natürlich einmal: Gotta pee, gotta pay! Dann im Karstadt: „Ma warten, bitte.“ Hätte doch geholfen zu erfahren, dass erstmal der Mop geschwungen werden soll. Kam eine zweite Person in Richtung Ausgang, wurde sogleich mit dem Hinweis der Klofrau belegt: „Da lang.“ Antwort: „Ich weess.“ Alles ohne Blickkontakt.
Ein andermal, Jana gerade beim Verlassen einer öffentlichen Toilette, wird hinter ihr hergerufen: „Das Papier kommt ni hier rein!“ Sie dreht sich erschrocken um. „Nee, ni Sie, die andre!“
Dresden, also.
Also, Dresden.


Doch dann war erstmal Schluss mit lustig und wir mussten nach Löbau. Familienfeier mit Anreise aus Nord und Süd ergab ein volles Haus, hier und da neue, interessante Leute, und wieder einmal leider schon zu bekannte Vorfälle von Respektlosigkeit und Unreife. Aber das wird sich wohl auch nicht mehr ändern.
Zeit für Ausflüge blieb kaum, einen Nachmittag wenigstens schafften wir es auf den interessanten Gusseisernen Turm und genossen heimische Kost im Gastgarten.

Montagmorgen, ich der erste auf dem Amt für einen neuen Reisepass.
Danach noch Zeit für’s Gemüt, für einen Bäckerbesuch (Kirschkuchen für mich und für Felix einen Schokoladen-Maikäfer) und natürlich für Schnappschüsse.


Dann aber los – nach Naundorf in den Burgenlandkreis.
Aber wir haben ja Zeit: Wunderschöner Kilometerstein auf dem Weg nach Bautzen.

Ich-bin-zwei-Tanks steht auch noch. Und in Nossen, Jana’s Abiturstätte, gab's Pfifferlinge, Toast Hawaii (es gibt ihn noch) und Kartoffelpuffer zum Mittagessen. Der Rauch einer Gartenabfallverbrennung rief natürlich etwas Unmut (gross/schwieger)mütterlicherseits hervor, aber beides legte sich dann.
In Naundorf waren wir dann wieder schnell.
Kaffeetrinken im Globus: gute Kuchentheke, tolles Brot und ich 'n bisschen was für’s Abendbrot eingeholt.
Nach dem Check-in im Hotel wollten wir Felix ein bisschen Auslauf gönnen und dafür eignet sich der Tagebau Profen. Über den Zeitraum von sechs Jahren sind die Schaufelbagger natürlich ein Stück vorangekommen, der alte Aussichtspunkt war daher nicht mehr begehbar. Das merkten wir aber erst, als sich die Schranke, an der ein Kohlezug mit von Felix mitgezählten achtzehn Waggons vorbeizog, nicht aufging. Dafür gab’s Zuckerrübenberge.

Aber natürlich doch noch ein anderer Aussichtspunkt. Aufgestellt waren die größten Findlinge aller Zeiten. Habe mich etwas gewundert, warum man die extra aus Schweden und Finnland hier her gekarrt hatte, bis es dann doch noch klick machte.

In der Baggerschaufel hätte ich auch noch Platz gefunden.

Auf dem Friedhof waren wir dann noch.


Gut ausgeruht und gefrühstückt haben wir am nächsten Tag einen Ausflug in die Domstadt Naumburg unternommen.
Schönes Städtchen, gut gegessen (nochmal Pfifferlinge - aus Litauen?), ein paar Spätlesen gekauft.
Felix haben die Verkehrschilder fasziniert. Gibt ja auch ’ne Menge davon. Mussten ihm alles erklären.
Buchschmökereien lassen ein weiteres Mal das Verlangen nach Mehr aufkommen, Mehr an Historie und Für-sich-Entdeckungen. Aber das und die heutigen Verhältnisse sind nun mal zwei Seiten der Medaille.

Und eh ich es vergesse, auf der Hinfahrt sind wir dank Umleitung durch ein Dorf namens Kittritz gekommen. Der Kirchturm aus der Entfernung hat mich begeistert.

Kaffeetrinken am Nachmittag in Zeitz.
Sind uns sogar noch unsere ehemalige Nachbarn vom Umspannwerk begegnet. Hätte ich aber nicht wieder erkannt. Auch ein tolles Weihnachtsgeschenk für Felix gefunden. Und in „unserem Globus“ wieder die guten bekannten Schlemmereien wie Harzer Käse, ganz normales Mischbrot, Räucherfisch und Nougat eingesackt.

Am nächsten Tag Weiterfahrt nach Halle. Das heißt, eigentlich erst nach Klepzig, zu meinem Bruder und Familie.
Bevor wir aber dazu kommen, noch die Anfahrt über die A14, und spätestens nun war klar, dass Fahren auf deutschen Autobahnen keinen Spaß macht. Natürlich kann man kurzzeitig sein Mütchen kühlen, aber bald hat einem die nächste Beschränkung, die nächste Baustelle oder der nächste Sonntagsfahrer wieder ein Schnippchen geschlagen. Und es gibt sie tatsächlich, die Stur-Links-Fahrer auf freier Strecke – so erlebt auf der A9. Die Schnepfe hat dann doch tatsächlich noch ihre Möhre getreten als ich sie links liegen ließ. Oder „Verkehrskontrolle“: da wird doch erbarmungslos der frei fahrende Bürger auf vierzig runtergezogen. Gibt’s denn so was!? Und die ganze Bauerei, eine einzige Beschäftigungsmaßnahme - wie "brettleben" soll denn das Pflaster noch werden? Und hinsichtlich Durchschnittsgeschwindigkeit sind wir sowieso nie über neunzig rausgekommen.
Also, man erlebt was, kann sich so richtig schön aufregen, so richtig schön genießen, dass es woanders auch anders geht.

Klepzig, nun. Der Bruder mit Frau und Tochter. Erhöhter Puls, schließlich haben wir uns seit mehr als einer Dekade nicht mehr bzw. überhaupt noch nicht gesehen. Nach einem hausgemachten Mittagessen sind wir gleich mal durch’s Dorf gewandert und haben dem Redebedürfnis freien Lauf gelassen. Viel Neues, obwohl schon Geschichte.
Nebenbei haben wir in einer Zoohandlung Amerikanische Streifenhörnchen - also Chipmunks – für hundertundfünfundzwanzig Euro gesehen. Vielleicht sollte ich mal bei uns ein paar Fallen aufstellen.
Nach dem Kaffeetrinken kam B. dann auch von der Arbeit, kurzes Pläneschmieden und dann mussten wir wirklich erstmal nach Halle, Quartier beziehen. Felix hatte dann schon wieder neue Leute kennen zu lernen und es sollte nicht zu spät für ihn werden.
Die Übernachtung bei M & S wieder direkt im Stadtzentrum, nur wenige Minuten zum Markt und zum Haus des Buches, und Blick über die Dächer.

Irgendwie war ich immer auf Weinbergweg aus. Zum Glück lag dieser in der Nähe, denn als wir mit der Straßenbahn in die Station einfuhren, wurde mir der Irrtum klar: Kirschbergweg war’s. Durch diesen Eingang musste ich im Alter von sieben Jahren für die folgenden drei Jahre lang allwöchentlich gehen. Auch wenn es mitunter sehr schwer war, war es doch eine heile Welt, die den Übergang in die reguläre Schule in Reideburg dann aber auch nicht gerade erleichterte. Jetzt wuchert die Natur, und auf dem abgetrennten Gartengelände (mit schöner Sonnenuhr, die ich leider nicht sehen konnte, und einem Abflussrohr, an dem sich mal ein Mitschüler gefährlich verletzte) wurde inzwischen privat gebaut.

Die Burg Giebichenstein hatte ich immer sehr gerne.
Gleich in der Nähe ein Gasthof, nicht viel jünger als die "zivilisierte" Entdeckung Amerika's.
Felix und Jana sind schon mal ins Haus des Buches vorgefahren.
Also, wie gesagt, sehen wir uns im Haus des Buches.

Zum Mittag Bratwurst und Fischbrötchen vom mürrischen Marktfritzen - der Nachbarstand hatte aber auch was zu bieten.

Danach über die B6 - das heißt Bruckdorf (mein Motoradunfall), Zwintschöna (an der Champignon und dem zu oft zu lange bewarteten Bahnhof vorbei), der ehemalige Feldweg (nun geteert), Umspannwerk (was übrigens nicht mehr steht, dafür ein aus einer stillgelegten Kläranlage vom Vater geplanter aber nie durchgeführter Garagenbau), Dieskau (Kneipe, Dorfteich, Schulbushaltestelle), Naundorf (Ölicker, Dorfkonsum) – zum Bruder, um dort einen zweiten Nachmittag und einen Teil des Abends zu verbringen.
Gemütliches Kaffeetrinken, natürlich nicht ganz ohne Vergangenheitsbewältingungsmaßnahmen. Felix wurde von einem Eimer voller Spielzeug überwältigt. Danach zünftiges Abendbrot mit Eiern von Schwiegermutters Hühnern.
Froh, auch ein bisschen erleichtert, dass alles so gut ging, aber vor allem froh über das Wiedersehen und guter Hoffnung für die Zukunft, machen wir uns wieder nach Halle. Für Felix ist es dann doch etwas spät geworden, aber so oft machen wir so eine Reise ja dann auch nicht.
Am nächsten Morgen hole ich noch ein bestelltes Buch ab, Felix will unbedingt zum roten Elefanten (?). Aah, noch mal die Hör-CDs. Aber, na klar.
Herzlicher Abschied von M & S. Den Volvo ein letztes Mal aus dem engen, aber sehr bequemen Innenhof bugsiert.
Tiefflug nach Dresden, Hauptbahnhof. Und an dieser Stelle habe ich die Familie um des lieben Friedens willen allein weiterreisen lassen. Felix musste also einmal mehr einen Abschied hinnehmen. Planänderung unter Tränen. Aber die Zugfahrt hat ihn etwas entschädigt.

Auf dem Weg zur B172 habe ich mich noch mal im Netto hinter meiner alten Hochschule mit Schokolade und Schwarzbier eingedeckt (Knacker hatte ich ja noch) und dann aber los:
Sächsische Schweiz.
Wie eingangs angedeutet, hat das Wetter leider nicht ganz so mitgespielt. Zwei Wochen hatten wir durchgehend tolles Herbstwetter und nun war Regen im Anmarsch. Ich meine, ich mache ja aus jeder Situation was, aber etwas mehr warmes Licht hätte gut getan.
Wie auch immer, der Anreiseabend war goldig und ich war guter Laune. Ganz umständlich über Hohnstein und Sebnitz kommend, eröffneten sich schöne Weitsichten. Da fällt mir auf, ich hätte mir noch von der Burg Hohnstein ein Bild machen sollen.
Hier im Bergland habe ich den Volvo ordentlich strapaziert, so dass ich sogar eine kleine Pause einlegen musste, um die ECM zurücksetzen zu lassen und das Automatikgetriebe aus dem Notprogramm zu befreien.
Unterkunft hatte ich im Gasthof Lichtenhainer Wasserfall im Kirnitzschtal. Endhaltestelle der Kirnitzschtalbahn. Dort funktioniert nicht mal das Cell Phone (aka Handy).
Latsche in die Gaststätte zur Anmeldung. Moment bitte. Kommt die Chefin: „Sie wollen was von mir?“ - !?
Na ja, Sachen ins Zimmer, Wanderschuhe an, Mütze auf, los. Habe mir schon mal ein Stück des Weges zum Carolafelsen angeschaut. Ein Bergabwind kam auf mich zu, als wollte er mich nicht haben. Zwei Minuten Regen hielt ich unter einer Wand aus.
Wenig später habe ich Unwissender einen Kletteraufstieg schon für die Häntzschelstiege gehalten und begonnen, die Planung für den nächsten Morgen umzumodeln. Aber die kam ja erst noch. Ein paar Holzstufen bin ich auch noch hoch. Der Himmel war leider nun schon zugezogen, einen Schimmer gab es nur noch.
Den Abend im Hotel retteten Sächsischer Zwiebelkuchen und Federweißer.
Raus in aller Früh.
Carolafelsen über die Häntzschelstiege: mein Programm für den Tag. Persönliche Erstbegehung.
Nach den vom Vorabend bekannten Holzstiegen dann Stählerne Steigbögen im Stein für den senkrechten Aufstieg. Ein Stahlseil zum Anhalten. Mein Rucksack auch nicht leicht. Nach einem guten Stück Aufstieg dachte ich mir, gut, dass ich es jetzt mache, und nicht erst in zehn Jahren (gleich bleibende Abnahme der Fitness vorausgesetzt). Aber da kannte ich den zweiten Teil noch nicht.
Den Rucksack musste ich zunächst vor mir her tragen, um durch die Felsspalte überhaupt zur Stiege zu kommen. Dann noch einmal aufgeschwungen und hochgestemmt. Das ultimative Knieschlottern kam beim Umstieg von einer Seite auf die andere in der Erweiterung der Schlucht an derem oberen Ende. Aber dann war es auch fast geschafft. Noch ein paar freihändige große Schritte und kleine Sprünge – und die Sonne war längst hinter den Wolken. Ich bin ein bisschen rumgetorkelt, die Lage gepeilt, und habe das Jausenbrot aufgerissen.
Zugig war’s. So hab ich mich in einen schön geschützten Bereich mit Aussicht ins Tal ins Heidekraut gesetzt, um im nächsten Moment in die Horizontale zu sinken. Arme verkrempelt, Mütze in die Stirn, und ich glaube ich bin sogar ein wenig weggenickt. Das waren wohl die schönsten Minuten des Tages.
Höhenwegwanderung auf dem Langen Horn, der gemütliche Teil der Runde. Ich habe etwas abgekürzt und war gegen elf wieder in der Pension.
Und das muss man den Wirtsleuten lassen, für mich ein Frühstück vom Buffet aufzuheben, war eine reife Leistung. Ausgelaugt sog ich die Wärme in meine steifen Knochen und konnte mampfend die eintrudelnden Ausflügler beobachten.
Den Tag zum Ausruhen genutzt und zum Abend nach dem Regen auf die Hohe Liebe. Und da fiel mir auf, dass Jana und ich schon mal da oben waren, um ihr zu zeigen, wo ich früher schon mal gutes Licht auf den Affensteinen einfangen konnte.
Genau diese Stelle ist mir noch so in Erinnerung, als wäre es erst gestern gewesen.



Ich meine, man hat ein paar Bäume gestutzt. So gut war der Falkenstein vor sechs Jahren nicht zu sehen gewesen.

Nach Einbruch der Dunkelheit erst wieder zurück.
Aufgehört, wie angefangen: mit Kohlrouladen. Dazu ein Köstritzer. Und ein Bildband Sächsische Schweiz.
Am nächsten Morgen war ich etwas durcheinander. Bin ein Mal umsonst rumgekutscht, um dann doch auf den falschen Gipfel zu steigen. War schon mal am Kuhstall, war aber wieder sehr beeindruckt von der Himmelsstiege und die Ausblicke vom Schneiderloch.
Dicker Nebel. Einmal ein Stück blauer Himmel. Sonst wieder dicker wabernder mystischer Nebel.
Warum nicht gleich Schwarz-Weiss.

Na ja, musste dann aufhören. Frühstück mit dem inzwischen bekannten Kännchen Kaffee. Beim Check-out wollte sich die Wirtin noch eine goldene Nase an mir verdienen, aber das ließ sich richten.
Zog sich ein bisschen, hatte mir aber mit dem Weg über die Dörfer nach Löbau noch etwas Zeit zum Umstellen gewonnen.
Der Rest des Nachmittages war Packen, nur vom Kaffeetrinken unterbrochen. Zeitig haben wir uns dann ins Bett geschlichen – keine Lust auf „Jetzt ist die Zeit auch schon wieder vorbei...“.
Fünf Uhr am nächsten Morgen aus den Federn, eine halbe Stunde später zum letzten Mal ganz lässig Volvos Muskeln spielen lassen.
Zum Flug gibt’s nicht viel zu sagen. In Dresden Klotzsche mit Zeitungen für den Rest des Tages eingedeckt. Frankfurt kennen wir ja leider zu Genüge. In Chicago genug Aufenthalt für Starbucks. Und auf dem letzten Teilstück nach Indy waren dann Felix’ Batterien alle, kaum in der Luft war er weg, nur noch unterbrochen von der Verfrachtung in das Mietauto und der Ankunft zu Hause, wo er dann allerdings mit der Situation überfordert war, aber Ausschlafen am nächsten Tag hat's gerichtet.

Ein paar interessante Nachträge gibt’s noch.
Zuerst, ein Koffer hatte es nicht nach Indy geschafft. In Chicago nach dem Zoll hatten wir ihn noch in der Hand. Ein paar Tage später, kurz bevor wir Entschädigungsansprüche stellen wollten, tauchte er auf, der wertvolle Koffer mit einer Jahresration handverlesener Bücher.
Apropos Zoll, unsere Angaben stimmten nicht ganz. Ein Harzer Käse hatte sich durchgeschmuggelt. Der sollte eigentlich noch in Frankfurt getilgt werden. Nun ja, hat dann also doppelt gut geschmeckt.
Und – der Volvo ist weg. Wirtschaftlichkeit hin oder her, leicht ist es nicht gefallen. Der Käufer soll ein Volvo-Fan sein. Na, hoffen wir mal. Und ich kann nicht umhin, eine Homage muss noch sein:




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