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Badlands
November 2007


Um für ein paar Tage mal schnell per eigener Anfahrt in einen gediegenen National Park zu entfliehen, kommen ja eigentlich nur die Badlands in South Dakota in Frage. Alles andere wird dann wirklich zu weit und auch diese Fahrt ist eigentlich ein ganz schöner 'stretch'.
Thanksgiving ist prädestiniert für einen Kurzurlaub und dieser Landstrich um diese Jahreszeit verspricht Aussicht auf Ruhe und lange Schatten und vielleicht etwas Frost.
Der Reiz dieser Art der Annäherung liegt im Luxus der Langsamkeit. Zugegeben, wir waren lange ’on the road’, aber erstens immer zusammen und zweitens vielleicht sogar mit weniger Stress als zum Beispiel mit einem Flug nach Las Vegas unterwegs. Felix hatte kein Problem mit der langen Fahrt, und ansonsten haben wir sowieso aller ein bis zwei Stunden eine Pause eingelegt.

Der Anreisesonntag war überraschend warm. Felix war dieser Tage nur schwer dazu zu bewegen, eine Jacke anzuziehen, hier hatte er leichtes Spiel.
Überhaupt waren die Badlands wieder sowas wie seine Spielwiese: Steine, Erdklumpen, Schlammkrusten, und was nicht alles. Wenn der Staub der Zerbröselungen nicht gerade auf Jana und mich niederfiel, fragt sich wer mehr Spass hatte.

Wir hoffen, er nimmt uns dass mal nicht übel, aber Kindern in seinem Alter kann man ja auch mal leicht einen Bären aufbinden. Die Prairie Dogs habe ich ihm als Fuzzis vorgestellt und seitdem war er davon nicht abzubringen. Wir haben innerlich sooo gelacht. Auch seiner ehemaligen Kindergärtnerin erzählte er: "We saw buffalo and Fuzzis". Das Beste aber waren seine Erkundungen der Eingangsbereiche der Baue: "Look, Fuzzi poop!"
Solche Ausflüge mit Felix machen einfach einen Riesen-Spass und können so dankbar sein. Er beginnt seine Umwelt immer mehr zu begreifen: "Aber wie macht man einen Stock?" - "Nun ja, die kommen von Sträuchern oder Bäumen" - "Aber wie kommt der Stock hier hin, es gibt keinen Baum."

Mit dem Anreiseabend angefangen bin ich dann eigentlich jeden Morgen und Abend auf Jagd gegangen. Günstig für diese Jahreszeit sind die niedrig stehende Sonne und kurzen Tage.
Und war das herrlich: diese Stille. Ich war mir dessen schon gar nicht mehr bewusst. Das ist für mich vielleicht inzwischen das grösste 'asset' eines National Parks.

Zunächst habe ich mich natürlich mal in der Cedar Pass Gegend umgeschaut.
Später sind dann auch noch ein paar versteckte Ecken dazu gekommen.
Entzückt war ich über diese ausgetrockneten Schlammadern.

Die Tagesmitte und Dinnertime nach Sonnenuntergang waren für die Familie reserviert.
Hier half Felix bei der Suche nach einem Vordergrund für einen Nachmittags-shot (mit seinem Kipling Stock - wir wissen bis heute nicht, was er damit meinte):

Mancher Sonnenuntergang konnte sich wieder nicht beherrschen. Massiv wurde Glut auf die Cliffs geworfen.

Diesmal habe ich mir auch die Sage Creek Wilderness vorgenommen. Die haben wir bei unserem ersten Besuch vor vier Jahren glatt ausgelassen.
TATONKA!

Ich habe mich bis zum Sage Creek Campground vorgearbeitet und von dort eine kleine Wanderung durch die Prärielandschaft gestartet.
Stellvertretend mein Rucksack im Gras.

Etwas Büffelhaar von den Schuffelbäumen habe ich mitgenommen für den Anschauungsunterricht im Hotel...
Aber das ist natürlich alles nichts gegen Wall Drug. Kaffee gibt's immer noch für fünf Cent und die Western Art Gallery hat zugelegt. Und für Felix ist das ja überhaupt der falsche Laden, bzw. für unsere Geldbörse.

Nee nee, ich muss noch mal los.

Alle zusammen sind wir dann auch noch nach Sage Creek. Felix sollte auch mal live die Büffel sehen. Auf dem Weg dahin Pronghorns auf der Flucht. Hatte mich an ein Pärchen herangeschlichen und wähnte sie hinter einem Hügel. Typischer Amateurversuch. Natürlich waren die zwei Antilopen längst über alle Berge - und haben den Rest der Gruppe mitgerissen.

Dann die Büffel. Sonst eher nicht, aber bei diesem habe ich die empfohlene Sicherheitsdistanz ziemlich eingehalten.

Kalt war es geworden, zehn Grad Celsius unter Null den einen Morgen, aber der angekündigte Schnee blieb leider aus. Sonnig wurde es wieder, dennoch haben wir den Aufenthalt etwas verkürzt. Zu Hause ist es auch schön.
Das ist dann die letzte Szene vom Park:


Dieser Trip barg wieder eine Erfahrung für mich. Mit der festen Vorstellung von sich nur so offenbarenden Gelegenheiten für phantastisches Licht bin ich leider ein paar Mal enttäuscht worden und dann nicht ganz erfüllt von meinen Ausflügen zur Familie zurückgekehrt. Will halt immer alles. Aber die Arbeit an den Bildern und der Story entschädigt und bringt mir doch noch im Nachhinein die Schönheit des Erlebten nahe.
Kästner auf die Frage woran er arbeite hat mal gesagt: An mir.
Also, die nächsten Träume gedeihen schon.

Und in diesem Fall, schön, wenn sich Geschichte wiederholt. Vor vier Jahren, als wir das erste Mal die Badlands besuchten, erwarteten wir auch ein Baby...

Die US Post hat einen Briefmarkenblock im A4 Format mit markanten 'landmarks' der fünfzig US Staaten emittiert und der bei uns zu Hause im Bilderrahmen steckt. Einen Tag nach unserer Rückkehr wollte Felix uns ganz aufgeregt was zeigen: "Da waren wir!" Die Marke von South Dakota zieren Mount Rushmore und - ein Büffel.



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