December 2008

Joshua Tree National Park - in Polaroid










People see only what they are prepared to see
Ralph Waldo Emerson



Fünfundsechzig Fahrenheit, klare Luft, strahlender Himmel, Stille.
Das Auge kann schweifen, sich an Granitblöcken oder Pflanzen wie Skulpturen festhalten.


"Namend by early Mormon settlers who saw in their uplifted arms a symbol of the Biblical supplicant Joshua,
Yucca brevifolia can reach 50 feet in height over a lifespan that may exceed 200 years."




Das Jahr war lang, arbeits- und ereignisreich, Henry hat sich zu uns gesellt,
wir haben manche Urlaubspläne erstmal auf Eis gelegt.
So ganz ohne wollte ich es aber dann doch nicht aushalten...
Daher mit einem Red Eye Direktflug nach L.A., in Indy noch voll im Regen,
aber einmal in der Luft sah dass dann schon besser aus.




Ich hatte mir Noise Cancelling Headphones besorgt
und blickte abwechselnd aus dem Fenster oder auf die Innenseite meiner Augenlider.
Sonnenaufgang war erst über den Rockies.





Um der Fülle von Bildern und Erlebnissen einen geeigneten Rahmen zu geben,
will ich keine strikt chronologische Reihenfolge verwenden, sondern basiere meine Best-Of-Bilder
aus vier Tagen auf nur einen einzelnen imaginären Tageszyklus.



Dieses Bild passt also gut an dieser Stelle.
Ganz kurz nur hatte die Sonne ein Rosarot auf die dramatischen Wolken gezaubert.




Ich will nicht unerwähnt lassen, dass ich den ersten Morgen ja erstmal klassischerweise verschlafen habe.
Als Telekommunikationstechnikignorant ist mir entgangen, dass sich das Cell Phone entsprechend
der Zeitzone umstellt und meine Weckzeit demzufolge um genau drei Stunden daneben lag.
Also, üblicherweise war ich vor Sonnenaufgang auf den Beinen, hier bei den Key Views.




Keys Views.
"This outstanding scenic point gives a superb sweep of valley, mountain, and desert from its elevation of 5185 ft."
Lichtschleudernde Zivilisation im Tal (was ich ausblenden konnte), Schnee auf entfernten Gipfeln,
die Schwierigkeit, einen interessanten Vordergrund herauszuschälen.




Einen Morgen fand ich das Quecksilber nahe dem Gefrierpunkt.
Aber war einmal die Sonne draussen, hat sich das schnell geändert.




Das Hidden Valley ist ein lieblicher Ort.
Nationalpark-typische Täfelchen erklären Mesquite und Yucca.
Auf meinem Rundweg habe ich diese geheimnisvollen Fresspuren entdeckt.




Einen Nachmittag bin ich im grösseren Jumbo Rocks Gelände auf der Suche nach einer bestimmten Komposition rumgestreunt.
Was ich suchte und probierte, hat nicht zufriedenstellend geklappt.
Jumbo Rocks gibt's aber allemal.




Ein paar Pinyon Jays haben sich gezankt und sind hinter einem Felsvorsprung verschwunden
und nicht wieder aufgetaucht. Ein Wasserloch war des Rätsels Lösung.




Besagte Pinyon Jays sind mir gleich am ersten Nachmittag aufgefallen.
Wie so oft im NP, zeigen die Tiere wenig Scheu.




"When you're atop at one of the park's fan-palm oases, you're atop a crack in the Earth's crust."




Profis nutzen die Tagesmitte zum Scouten neuer Locations. Das habe ich auch getan,
aber eher um ein Schlafplätzchen zu finden - im Hidden Valley unter einem Mesquite,
bei der Cottonwood Spring im gefilterten Licht eines Palo Verde.



Das Wolkenband, dass einen Vormittag lang für ungemütliche Temperaturen sorgte,
dauerte an, so dass ich mich nach einer Zeit des Umherwanderns
im Auto auf einer abseits gelegenen Schleife beim White Tank Campground auf's Ohr gelegt habe.
Zum Mittag aber zog der Himmel auf und danach gab es genug zu tun.




Cholla ["Choy-a"] Cactus.
"Demeanor of a teddy and the temper of a grizzly."
Errinere mich noch genau an meine erste richtige Bekanntschaft vor drei Jahren,
als ich genau das machte, was man nicht machen soll: sich nicht umzudrehen, wenn man hinten keine Augen hat.




Auf mein Durchblättern einer von H. noch in Austria ausgeborgten Ausgabe des
"National Geographic Guide To The National Parks of the United States"
folgte beim Anblick besonders eines Bildes meine ungläubige Frage,
ob man denn das alles auch so sehen könne wie abgebildet.
Und wie ich inzwischen, aber eben ganz besonders seit diesem Bild, weiss: klar, kann man.
Mein persönlicher Höhepunkt der Reise und Bildserie.




Im Freudentaumel und Zwielicht habe ich mich noch ein wenig in der Gegend umgesehen - Jumbo Rocks natürlich.




Der Cholla Cactus Garden ist neben Gegenlicht auch besonders nach Sonnenuntergang von Interesse.




Ein Grund für den genauen Zeitpunkt dieser Reise war die Aussicht auf Vollmond.
Schon seit einer kleinen Ewigkeit wollte ich mal die Gelegenheit nutzen,
einen tiefstehenden, gelben Mond vor unzerstörter Landschaft festzuhalten.




Wie gesagt, ich war also noch mehrmals bei den Jumbo Rocks.




Mondhelle Nächte also.
Ein paar Handeinstellungen mehr als sonst notwendig. Und auch die Belichtung und Datenverarbeitung brauchen ihre Zeit.
Aber schon der Blick auf den LCD Screen nach der Aufnahme hat mich berauscht.




Und nicht, weil ich mich nicht entscheiden kann oder meine, dass dieses Bild eine Steigerung
des Vorherigen wäre, sondern um beim Thema zu bleiben: Joshua Tree.






Nachtrag

Der Vorteil eines zeitigen Fluges lag im zeitigen Ankommen. Um neun Ortszeit sass ich im Mietauto.
Und auf zurück war ich so gegen fünf am Nachmittag wieder zu Hause.

Ein Navigationsgerät hat mir nicht nur geholfen, aus dem Moloch L.A. hinaus und wieder hinein zu finden,
sondern auch die erste Lebensmittelration beim Trader Joe's zu bunkern.

Einen Park Ranger habe ich nur einmal gesehen, beim Kaufen eines Nationalpark-Passes.
Wenn ich also nicht verschlafen hatte, bin ich weit vor Sonnenaufgang in den Park, und habe ihn erst weit
nach Sonnenuntergang verlassen, als die Eingangsstation noch nicht bzw. nicht mehr besetzt war.

Ganz klar, der Vorteil des Alleinreisens besteht in der vollkommenen Unabhängigkeit.
Auch wenn mir selbst schon mal der Magen knurrt, mir aber auf dem Weg zu einer ruhigen Picknick-Ecke
mit Ausblick aber noch eine Fotogelegenheit über den Weg läuft, nehme ich diese eben noch mit.

Zufällig war diese Kurzreise ein Anniversary Trip. Während meines ersten USA Aufenthalts vor fünfzehn Jahren
(sechs Wochen LA, eine Woche NY) wollte ich auch mal wissen, was es so mit dem 'fuss' um die Nationalparks
auf sich hatte. Drei Japaner hatten eine Kreditkarte, ich konnte fahren, Joshua Tree National Park lag am nächsten.
Wenn ich mir die Landkarte heute noch mal so anschaue, kann es eigentlich nur die Old Dale Road gewesen sein,
die als 'unmaintained' ausgewiesen war und die wir als Abkürzung zu nehmen gedachten. Was aber anfänglich nicht so
schlecht aussah, wurde bald zum Alptraum. Irgendwann gab es kein zurück mehr, der Wagenboden hat mehrfach aufgesetzt
und eine Reihe grösserer Rocks war nur aus der Fahrtrichtung zu überqueren. Schlussendlich verloren wir den Weg und fanden
uns in einem Geröllfeld wieder. Inzwischen war es dunkle Nacht, kein Wasser dabei und einen Ranger hatten wir vorher auch
nicht kontaktiert. Zweimal sind wir wieder noch ein Stück zurück auf den Weg und als uns schon langsam die Panik beschlich
sah ich ganz kurz am Ende des Scheinwerferkegels den Anschlussweg. Da wurde klar, dass eine Springflut den Weg
ausgewaschen hatte und wir im ehemaligen Flussbett standen. Nachdem wir uns überglücklich auf die Schultern
geklopft hatten und bevor wir weiterfuhren und alsbald asphaltierte Strasse fanden, lenkte ich unsere Blicke
auf ein für uns noch nie dagewesenes Sternenmeer.


Und zum Foto-Equipment: die zwei 20D habe ich gegen 40D umgetauscht. Klasse Bildqualität,
schnell (bis 6.3 Bilder/s), Sensorreinigung. Bei den Objektiven ist soweit alles beim alten geblieben
(100-400/4.5-5.6 IS, 17-55/2.8 IS, 10-22/3.5-4.5), nur ein 85/1.8 ist dazu gekommen,
aber das hatte ich nicht mit.



zurück zur Reisehauptseite