reisen
BIG TRIP 2010 - Einstieg
April-Mai-Juni 2010


“Sometimes it is important to work for that pot of gold. But other times it’s essential to take time off and to make sure that your most important decision in the day simply consists of choosing which color to slide down on the rainbow.”
Douglas Pagels


Lange hatte ich mir schon vorgenommen, nicht erst bis zur Rente auf mehr als den regulären Urlaub zu warten. Der “pot of gold” ist eben nicht alles.
Meinen Arbeitgeber konnte ich überzeugen, mich im Anschluss an meinem Jahresurlaub noch ein paar Wochen freizustellen, unbezahlt natürlich.
Nun ist es ein guter Zeitpunkt für unsere Erinnerungen an diese zehn Wochen ohne festen Zeitplan und ohne Reservierungen, an den Luxus von „Unplugged“ und des Nichtrasierens, und an die Freude am Dasein und dem da sein.


Wir haben lange hin und her überlegt, aber nur mit einem Campinganhänger fühlten wir das richtige zu tun, uns ausreichend Unabhängigkeit zu bewahren und gleichzeitig Schutz vor den Elementen und etwas Komfort zu gewähren.
Schutz bei spektakulären Regengüssen wie auf der Rückreise in Illinois, Komfort in Form gekühlter Milch für Henry und Butter zum Frühstück oder Heizung in Frostnächsten wie in den Hemez Mountains in New Mexico, Freiheit wie Nächtigung auf einer Kuhweide bei den Pawnee Buttes in Colorado.


Mit der eigentlichen Vorbereitung habe ich im September des Vorjahres begonnen: Am Abend Fotozeitschriften und Outdoor Magazine geschmökert und Nadeln in eine auf Pappe aufgezogene US-Karte gesteckt, und am Wochenende den Campingwagen ausgebaut und das Auto aufgerüstet.
Ganz grob geplant wollte ich mit der Familie im zeitigen Frühling der angehenden Hitze entgehend über den Südwesten, also New Mexico, Arizona und Utah, die Westküste, also California, erreichen, und nach einem guten Stück an der Küste nordwärts schließlich bis nach Oregon hinein, um dann über Idaho und Colorado wieder zurück in den Mittleren Westen heimkehren.
Statt Anfang April wurde es Ende April und an der Westküste ging uns die Zeit aus, so dass wir das nördliche Kalifornien und Oregon gestrichen haben und über den Norden Nevadas mit wenigstens einem Abstecher nach Idaho und dann über den Great Salt Lake und Colorado rückgereist sind.


Um Ende April endlich wegzukommen haben wir leider kein Probe-Camping bewerkstelligen können. Wie befürchtet, verlief nicht alles glatt. Henry hat bis auf eine rühmliche Ausnahme zumindest einen Teil der Nacht immer in unserem Bett verbracht.


Aber sonst hat ja alles geklappt, ging nix schief.
Klapperschlangen haben wir nicht gesehen - dafür eine bemerkenswerte King Snake. Ein paar Mücken haben uns natürlich gestochen, und besonders Henny hat sich eine Menge Beulen geholt. Felix hat sich beim Kokeln ein Loch in seine Jacke gebrannt, und auch ein paar Splitter mussten wir den Kindern entfernen. Aber ansonsten sind wir alle gesund geblieben.


Das Wetter hat uns gut mitgespielt. Vom Gefühl her hatten wir so gut wie immer Sonnenschein. Bewusst kann ich mich nur an zwei Tage mit bedecktem Himmel erinnern, Point Lobos and der Westküste und während der Fahrt auf der … In Idaho Richtung Norden. Die Bilder zeigen dann aber schon mehr als nur blauen Himmel. Dennoch hätte ich nichts gegen etwas mehr Dramatik gehabt denn das Unwetter in Iowa auf der Rückfahrt zählt irgendwie nicht.


Aber bezüglich der Temperaturen hatten wir von allem etwas.
Tiefpunkt war an einem Morgen auf der Fahrt zu den Bisti Badlands mit 26 F. Mit dem Eintreffen in Needles, CA, zeigte das Thermometer dann dreistellig, 101 F.
Witzig war, dass wir zurück in Indiana in der Sonntagszeitung Needles wiederholt die Temperaturhitliste angeführt hat.


Kulinarisch war die Reise ein Hit, zumindest jenseits der Rockies. Ganz Columbus kann nicht mit einem gut sortierten Supermarkt in Kalifornien mithalten.
Der Mangel an gutem Brot, frischem Fisch, und die klägliche Obstauswahl hat uns Tränen weinen lassen beim Wiedereintritt in den Mittleren Westen.


Unterm Strich, es war nicht immer einfach, keine Frage. Jana und ich wussten und bekamen bestätigt, dass der Betreuungsaufwand für die Kinder, und speziell für Henry, zuweilen mehr sein würde als wir in dem Moment bereit waren zu geben.
Von unseren Idealvorstellungen mussten wir immer etwas abziehen, lernen mit weniger auszukommen.

Wir hatten also weniger als erhofft Zeit zum Fotografieren, Schlafen und entspanntem Rumsitzen, aber letztendlich wäre das zu Hause ja auch nicht anders gewesen.

Andererseits waren wir nonstop als Familie zusammen und hatten dabei grossartige Momente und verbrachten dabei Zeit an den Orten unserer Wünsche.
Und die waren vielfältig.
Wir wollten in Wüstenlandschaften campieren, endlich mal die Eastern Sierra rauf, Mammutbäume sehen und anfassen, und natürlich bis an die Westküste vorstossen.

Wenn ich in sie eintauchen kann, sind für mich unterm Strich alle Plätze faszinierend. Aber in mich hinein horchend, bevorzuge ich grosse, offene Gegenden.

Und damit stehen die Bisti Badlands in New Mexico ganz oben.
Gerade dort, wo mein Kamerazeugs wieder Schaden genommen hat, wo wir schon fast die Hoffnung auf einen vernünftigen Campingplatz aufgegeben hatten und wir noch tief im „adjustment mode“ steckten, erlebte ich grosse Momente meiner Idealvorstellungen von Fotourlaub.

Die Bistis waren abgelegen, surreal, keine Wege, ein Sandsturm war zugange und überhaupt der erste richtige längere Aufenthalt und damit mit dem zufriedenstellenden Gefühl ohne Not von einem Ort aufzubrechen.




Die Gliederung unserer Aufzeichnungnen orientiert sich am National Geographic's Guide To The National Parks of the United States.


Damit also mal los.



zurück zur Reisehauptseite