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BIG TRIP 2010 - The Southwest



Immer noch Indiana und weiter
Also, dann mal los. Den Trailer habe ich nicht ganz soweit bekommen wie geplant, aber mehr Urlaubszeit wollte ich nicht verstreichen lassen. Als Reiserichtung unpassend, aber verkehrsgünstig auf dem I-65 nach Norden auf den Ring um Indy. Dann auf dem I-70 gen Westen. Aus Indiana sind wir an diesem Tag zwar erstmal nicht raus- aber dafür erstmal losgekommen.
Für die erste Nacht suchten wir nicht lange und landeten auf einem Koa-Campingplatz, die wir im Verlaufe der Reise jedoch noch schätzen gelernt haben. Nicht wegen der magischen Anziehungskraft für überdimenionierte RVs und Pensionisten, sondern der Spielplätze wegen. Viel war auf diesem aber nicht anzustellen, ein paar Esel gab’s im Gehege. Als Jana sich dann zum Duschen begeben wollte, hat uns Henry erstmal mit seinem lautstarken Vetorecht angezeigt, worauf wir uns die nächsten Wochen besser einstellen sollten.
Gewitter in der Nacht, Planschpfützen am Morgen.
Das Frühstück im großen Saal sehr typisch. Coupons für dünnen Kaffee en masse, mit Kaffeeweißer statt Milch oder Sahne, und irgendwelches ungesundes Zeugs, aber wenigstens auch Pancakes.
Let’s get going.

Bis und durch St. Louis ging’s ziemlich gut. Haben bei gutem Wetter die Stadtsilhouette mit dem Gateway Arch, The Gateway to the West, bestaunt. Habe das Gefühl, schon zu lange auf der Strasse zu sein. Nehmen den I-44 Richtung Springfield, Missouri.

Übernachtung im Meramac State Park, MO. Nicht viel los, ein paar versprenkelte Familien. Warmes Wasser zum Duschen, außer für Jani, aber sie hatte wohl nur einfach Pech oder keine Geduld.
Hatten einen guten Platz am Fluss. Felix und Henry haben mindestens eine Million Steinchen ins Wasser befördert.
Ein gelegentliches Zirren hat sich als gigantische Zip Line herausgestellt. War dann leider schon Feierabend, als wir sie uns näher angeschaut haben.
Dann hätten sie Felix und mich noch fast eingeschlossen, denn in die Toiletten hat zum Toreschluss keiner mehr geschaut.


Auf dem I-44 sind wir in Oklahoma eingefallen. Auch der Foss State Park für die Nacht war so gut wie menschenleer. Zwei durchreisende mexikanische Familien haben im Auto übernachtet.
Die Sanitäranlagen waren eine helle Freude und spendeten willkommene Wärme.
Einen Ranger gab es auch, der hat am nächsten Morgen die Gebühren kassiert.



Irgendwo während einer Pause bei einem Truckstopp hatten wir Gelegenheit den Anhänger wiegen zu lassen. Genau dreitausend Pfund sind rausgekommen. Noch fünfhundert Luft, aber eigentlich schwerer als gehofft, allerdings auch leichter als befürchtet. Das Problem ist ohnehin nicht die Masse, sondern die grottenschlechte Aerodynamik. Was soll's, wird schon gehen.

Voll erwischt
Den nächsten Tag wollten wir auf dem I-40 die Texas Panhandle im Fluge überqueren. Aber nix da, in der Gegenrichtung hätte es vielleicht geklappt. Scheiß Wind. Am Morgen sah noch alles rosig auf, aber nach ein paar Stunden war nicht mehr viel zu machen. Zum Glück war wenig Verkehr. Ein Wunder, dass sie uns nicht runtergeholt haben. Ich hätte natürlich mehr puschen können, wollte aber auch nichts riskieren. Auch die Klimaanlage war an den Grenzen ihrer Leistungsfaehigkeit angelangt. Hinter Amarillo haben wir aufgegeben und sind beim Camp Nazi (in Anlehnung an Seinfeld’s Soup Nazi) eingekehrt. Fürs Abkürzen übern Rasen und Parken innerhalb der Standfläche nach unserem Gutdünken gab’s gleich einen Rüffel. Beim Wrisby-Spielen mit Felix hatte ich das Gefühl, dass gleich irgendwo ein Gewehrlauf im Fensterrahmen auftaucht. Die Duschen waren mit antiken Kombinationsschlössern versehen, die die Frustration auf beiden Seiten stark erhöhte. Kann er ja gerne weiter so machen. Schnell wech.

Darum Santa Fe
Für die Anfahrt nach Santa Fe haben wir die leichte Strecke, den Interstate, gewählt. Nur keine Herausforderungen, die kommen schon noch. Auf der 285 durch spannender werdende Landschaft beschaulich hinauf auf siebentausend Fuss nach Santa Fe, um vom Ring auf der I-25 nach Südwest, nach Cochiti Lake, Indianerreservat, für das Kasha-Katuwe Tent Rocks National Monument.
In Santa Fe und die Tent Rocks haben wir drei Tage investiert. Santa Fe hat Flair, wir wollten ein bisschen an alte Zeiten von zweitausendzwei anknüpfen, bisschen rumtingeln. Die Tent Rocks wären auch mit weniger Zeit zu haben gewesen, aber das hätte nicht dem Wesen des Urlaubs entsprochen.
Campieren am Chochiti Lake: Alles neu, groß, künstlich. Der Kundschaft soll’s gefallen. Um Santa Fe und die Tent Rocks zu besuchen, reichts.
Am nächsten Morgen erstmal vor verschlossenen Toren gestanden. Vor sechsdreissig am Morgen und nach sieben am Abend geht nichts. Die Tent Rocks sind eine heilige Stätte der Pueblo Indianer. Hat dem Schließer aber offensichtlich nicht gepasst, dass ich schon gewartet habe. Ich kann doch auch nichts für den Verlauf der Geschichte.
Ein paar Wege gegangen und nichts sagende Bilder gemacht. Keine rechte Stimmung aufgekommen.
Vor der Rückfahrt zum Campingplatz bin ich noch ein bisschen durch die Gegend gerollt und habe mir vorgestellt, wie es wäre, hier zu leben.
Bevor nach dem Frühstück dann überhaupt etwas weiterging, musste erstmal der Spielplatz vom Fachpersonal geprüft werden. Hat uns allen gut gefallen.
Einer Fledermaus hat er auch als Unterschlupf vor dem beginnenden Tag gedient.
Santa Fe hat alte Kirchen, Antiquitäten, viel Kunst und solche die es sein will, ein exzellentes Besucherzentrum, dessen Personal nach ausreichender Besuchsdauer den Kinder schicke Anstecker geschenkt hat, Eis zum Schleckern, und gute Bistros für „Was soll der Geiz“.
Ein paar neue Ecken haben wir kennen gelernt. Um ein Haar hätten wir auch noch Jackalope gestürmt. Zufällig vorbeigekommen, haben wir unserer Euphorie dann doch abgewinkt. Wir sind ja erst am Anfang unserer Reise, wir haben ja kein Platz für noch einen indischen Schrank, leider.
Auf gleich der ersten Fahrt rein nach Santa Fe haben wir übrigens einen monströsen Tumbleweed genau mittig erwischt. Keine Chance gehabt. Ein halbes Jahr später habe ich immer noch Zweigteile aus dem Fangnetz hinter dem Kühlergrill geklaubt.
Der Campingplatz und das Umfeld gaben sich dann noch ziemlich versöhnlich. Einkaufen im örtlichen indianischen Tante Emma Laden. Eiscreme für alle. Hat mich ein bisschen an eine Camping-Verkaufsstelle wie damals in Kroatien erinnert. Mal für kurze Zeit ausgespannt, nicht den Kindern hinterher rennen und wie zu dieser Zeit typisch für die Eltern in uns jeglichen Unfug unterbinden wollend.

Jetzt aber noch mal zu den Tent Rocks.

Tent Rocks
Am Abend nach dem Morgen war ich wieder da. Besseres Gelände, besseres Licht und bessere Stimmung erwischt. Hab’s nicht darauf ankommen lassen, und war beizeiten zurück. Trotzdem, dieser Platz wollte mich nicht. Beim Umziehen und Fertigmachen für die Rückfahrt fliegt mir meine neue EOS7 mit dem 2.8er aus dem Rucksack. Der Kamera ist nicht viel passiert in ihrer extra Gummi-Ummantelung, aber die Frontlinse vom Objektiv hat was abgekriegt. Mensch, war ich geknickt. Was sollte ich tun. Aber außer einer guten Reinigung habe ich es dabei belassen. Wie Vergrößerungen auf dem Laptop gezeigt haben, waren zum Glück nur bei Bildern mit wenig Detail einige wenige Spots zu korrigieren.
Am nächsten Tag hat Felix hat keine Sekunde gezögert, als ich fragte, ob er auf eine Spät-Nachmittagswanderung mitkommen wolle. Ein verschlungener Canyon, eine Glow-in-the-dark-Taschenlampe und Kräfteproben beim Rennen und Springen haben meinen Grossen begeistert.
Gemeinsam haben wir das Hochplateau erklommen. Welche Freude, dem Jungen über ein paar steile Stücke zu helfen. Ich musste ihn oft dabei bremsen, jeden Winkel abgrasen zu wollen.
Vom Plateau haben wir in der Entfernung unseren Campingwagen mit Jana und Henny gesehen. Nebeneinander sitzend und mit den Beinen baumelnd haben wir Energieriegel gegessen.
Die veranschlagte Zeit wurde dann noch fast knapp und wir mussten uns auf dem Rückweg beeilen, was mir umso schwerer fiel, als langsam das Licht interessant wurde.
Ich glaube, wir kamen keine Minute zu früh. Drei Pick-ups warteten schon auf uns. Der Funk wurde bemüht, wahrscheinlich wurde gerade der Abschleppwagen abbestellt. Zwei der Pick-ups sind dann abgedüst, nur der Obermacker, den ich schon kannte, hat noch gewartet und wohl sicherstellen wollen, dass wir uns wirklich davonmachen. Aber mit staatlichen Zuschüssen wollen sie in den nächsten Jahren den ausgewaschenen Schotterweg befestigen, bull shit.

Nix da heiss
Unser nächstes Ziel im 'enchanted' New Mexico waren heiße Quellen in den Jemez Mountains, die südlichsten Ausläufer der Rocky Mountains. Leider hatten wir Pech und haben keinen Standplatz gefunden. Wir haben alle Campingplätze entlang der 550 abgeklappert. Muss wohl mit dem Wochenende zusammengehangen haben. Selbst im Fenton Lake State Park war nichts zu machen. Eigentlich sehr schade. Blieb uns nichts anderes übrig als uns im noch weiter oben gelegenen National Forest einen Platz abseits der Strasse für die Nacht zu suchen und es am nächsten Tag noch mal im State Park zu probieren.
Für einen Moment etwas unheimlich so ganz allein, hat uns der Standplatz aber dann ziemlich gut gefallen.
Diese Stelle am Bach und mit Feuerstelle hatte offensichtlich schon anderen ausgeholfen. Hatte nur etwas zu kämpfen, die Fuhre auf dem Platz halbwegs auszurichten.
Das Wasser hat die Kinder wunderbar beschäftigt. Und sie brauchen von uns keinerlei Anstoss oder Anregung dafür.
Und dann unser erstes Lagerfeuer!
Und zwei nimmersatte Kokelfritzen.
Die Nacht war kalt, so hoch in den Bergen. Zweiundvierzig Fahrenheit, das sind bald nur fünf Grad Celsius. Beschlagene Scheiben am Morgen. Dann fiel uns ein, doch mal die Heizung zu probieren. Ah, welch eine Wohltat. Frischer Kaffee. Frühstückstoast.
Zum späteren Vormittag war der State Park dann leider immer noch voll belegt. Zumindest Wasser haben wir getankt und einen Osprey samt Nest haben wir in einer Baumkrone beobachten können.
Bis zu den Quellen hinunter und eine weitere Nacht auf unserem Platz wollten wir nicht bleiben, so haben wir wieder angekuppelt.
Aber ehe wir es vergessen, das Visitor Center auf der Anfahrt war wieder sehr gut. Leider meinten wir Wladi, den Henry zum zweiten Geburtstag bekommen hatte, wohl dort vergessen zu haben. Eine Nachfrage zwei Monate später hat zwar eine Antwort, aber leider den Wladi nicht zurückgebracht. Zum Glück hat Henry ihn bis heute nicht vermisst.
Also, statt die Bergstrasse wieder hinunter und den Berg zu umfahren, haben wir die kürzere, aber unwissentlich wohl schlechteste Strecke im ganzen Land gewählt. Schrittgeschwindigkeit und immer weiter, immer höher. Aber tolle Landschaft. Schließlich auch doch ein paar Berghütten und geteerte Abfahrt nach Cuba. Den Ort zweimal durchfahren und aus den drei verfügbaren Cafes ein gutes erwischt: schmackhaftes Chili, Atmosphäre, Wireless.

De-Na-Zin
Dann also weiter nach Norden. Ob man bei den Bisti Badlands als Familie übernachten kann, war nicht richtig klar, aber Farmington sollte mehrere Campingplätze haben. Auf der Anfahrt war auch die Abfahrt zum Chaco Culture National Historic Park auszumachen, neben Mesa Verde die bedeutendste antike Siedlung im Südwesten, der wir aber schon abgesagt hatten, weil wir wussten dass die Kinder noch nicht die zugehörig Geduld aufbringen können, um es richtig zu genießen. Mit Rückenwind auf eine leichten Gefällestrecke habe ich mit 70 milesperhour unser Gefährt dann auch mal an die Grenzen der Gemütlichkeit gebracht. Zurück auf 60 konnte ich wieder entkrampfen und das Lenkrad aus den Knien befreien.
Zwischen Bloomington und Farmington haben wir dann bestimmt vier Campingplätze erfolglos abgeklappert und waren schwer enttäuscht. Keine Lust auf einen baumfreien, offenen, staubigen Platz ohne alles. Beim Überlegen, was zu tun sei, hielt ein Pick-up Pärchen neben uns und gab uns den entscheidenden Tipp: Desert Rose. Und das war dann auch genau was wir brauchten: eine richtige Oase. Mit Spielplatz, Duschen, Waschmaschine, Gemeinschaftsraum mit TV, Pool Table und anderen Spielen. Und das Beste war, dass es die ganzen RVer kaum nutzen, da sie selbst alles in ihren RVs haben. Und nicht, das Jana und ich es bräuchten, aber die Kinder wollen nun mal die Abwechslung. Happy Camper.
Wir haben aber dann erstmal alles stehen und liegen gelassen, war ja schon relativ spät, und sind zum Chinesen gefahren. Auf die Frage nach Bier ernteten wir entrüstete Blicke vom Nachbartisch. Nicht nur dass ja schließlich Sonntag war, nein, auch noch Muttertag. Humor muss man haben.
Bisti Badlands. Bin ich mal im Netz drüber gestolpert als ich nach Badlands gesucht habe, in der Annahme es gäbe nur einmal die Badlands, und zwar die in South Dakota. Also, für mich Vorfreude auf vollkommen neue Erosionsformen und die Aussicht auf Abgeschiedenheit. Schließlich sind es vom nächsten Ort immerhin dreißig Meilen und bis auf einem holprigen Abzweig von der Überlandstrasse gibt es keinerlei Infrastruktur. Nur ein paar Minuten vom offiziellen Eingang entfernt ist der Anfahrtsweg dann auch schon ausser Sichtweite und die surreale Landschaft allgegenwärtig.
Der erste Morgen war erstmal ein Auskundschaften der Lage, ein Herantasten ans Gelände, Verstehen, worum es sich da handelt.
Auch muss ich aufpassen, offen zu bleiben, meine Erwartungshaltung nicht zum Maßstab werden zu lassen.
Eine steife Brise pfiff übers Land. Meinen Hut musste ich mir wie noch nie auf die Rübe pressen. Und da ist es passiert. Irgendwas fiel mir aus der Hand und als ich mich danach bücke, sehe ich das Stativ samt Kamera kippen, ohne Chance es noch zu halten, vom Winde umgeweht. Die aufgesetzte Sonnenblende hat schlimmeres verhindert, die Frontlinse blieb unversehrt, aber die Abdeckung der Entfernungsanzeige ging flöten und alles war dick eingestaubt. Jetzt war aber genug, erst ein Objektiv bei den Tent Rocks, hier nun das zweite.
Und als ich noch so mit mir selbst haderte, flog mir mein Hut vom Kopf. Auf der Krempe rollend sah ich ihn ent- schwinden. Er hörte gar nicht auf mit rollen bis ich ihn aus den Augen verlor. Ich wusste gleich gar nicht, was ich zuerst tun sollte, doch schliesslich packte ich mein Zeugs und machte mich hinterher. Den altgedienten Begleiter wollte ich nun wahrlich nicht hergeben.
Ich dachte, er wäre dann schon bald zu finden, spätestens nach der nächsten Hügelumrundung. Diesem Irrtum erlag ich mehrfach. Er war nirgends zu sehen. Aber ich wollte ihn nicht verloren geben. Meine Hoffnung war das Ende des Tals. Und wirklich, als es wirklich nicht mehr weiterging und Klettern zum nächst höheren Plateau angesagt gewesen wäre, sah ich ihn in einer Ecke rumlungern. Dann doch noch halbwegs zufrieden, machte ich mich auf den Rückweg. Kamerazeugs kann man ersetzen. Nach dem Urlaub habe ich alles reparieren lassen.
Der nächste Tag war wieder extrem windig. Jetzt wurde auch der Himmel vom aufgewirbeltem Sand eingefärbt. Die Leute nennen das auch „Brown out“.
Aber am Ende des Tages sicher auch eine gute Chance auf interessantes Licht.
Habe mir das Gelände erschlossen mit dem Gefühl, der erste zu sein und mich in die Arbeit gestürzt und Bilder komponiert .
War aber auch auf der Suche nach der „Nursery“. Auf meiner Morgenwanderung habe ich überhaupt nichts dergleichen entdeckt. Zum Glück bin ich auf dem Parkplatz mit zweit lässigen älteren Herren ins Gespräch gekommen, die ohne mit der Wimper also die Koordinaten rausgerückt haben. Auch wenn mein GPS aus dem Auto keine Landschaft kann, Koordinaten gehen allemal. Pretty cool.
Und so habe ich mich langsam herangepirscht und muss gestehen, dass es nicht einfach gewesen wäre, die „Aliens“ zu finden.
Wie vermutet, das gefilterte Licht war superb. Wenn ich könnte, würde ich in den Bistis übernachten wollen...
Ein drittes Mal genieße ich die Bistis am darauffolgenden Morgen. Die Stürme haben sich gelegt, ein makelloser Himmel erwartet mich. Ich kann nicht überall gleichzeitig sein, aber mit meiner Wahl werde ich glücklich.
Man soll sich nicht täuschen lassen. Diese Hoodoos reichen mitunter kaum bis zum Knie.
Hier das Bild zur Bildentstehung vom Hoodoo in der "Visual Essence".
In der Nacht war das Thermometer tatsächlich unter Null Celsius gerutscht. Der beginnende Tag beginnt mich zu wärmen, während ich umherstreife. Am östlichen Ende des Tals finde ich Massen versteinertes Holz. Ganze Stämme werden von Wind und Regen erst frei- und dann zerlegt.
Dieser Morgen blieb mehr als manch anderer in meiner Erinnerung verhaften. Ein letztes Mal sauge ich die Eindrücke in mich auf.

Azteken und Lachs
Das gute an Farmington und Umgebung war, dass neben meinen Ausflügen zu den Badlands auch als Familie genug anzustellen war. Es gibt mehrere Indianische Ruinen und natürlich die Städtchen mit Starbucks, Frisör und Restaurants. Im Brauhaus zum Mittag ist Henny auf der Sitzbank einfach eingepennt, der kleine Mann. Schleckeis war keines zu kriegen, so sind wir zu Starbucks für Kaffee und Kuchen.
Die eintausend Jahre alte Siedlung der Aztec Ruins National Monument, Weltkulturerbe, hat eine der eindrucksvollsten Kivas.
Aber mit den Azteken Zentral-Mexikos hat diese Siedlung nichts zu tun, amerikanische Siedler wussten es nicht besser.
Mehr hat die Kinder jedoch das Rumgerenne in den ausgedehnten Höfen und kühlen Zimmern begeistert.
Und natürlich die vielzahligen "Amos", die Ameisen. Henrys neuestes Faible.
Die Salmon Ruins haben uns mindestens genauso gut gefallen. Vom Backofen bis zum Webstuhl war alles zu besichtigen. Und auch hier rührt der Name wie üblich von einem frühen Neusiedler.
Felix und Henry sind natürlich meistens wieder rumgeflitzt wie die Wilden.
In den Salmon Ruins haben wir uns zweimal umgetan. Aus gutem Grund. Um die Kinder bei Laune zu halten und besonders bei Felix Erinnerungen zu prägen, hatten wir geplant im Laufe der Reise diverse Schätze mit zugehöriger Karte finden zu lassen. Hier nun der erste Versuch. Getarnt als Picknick haben wir den Schatz versteckt und eine Karte so platziert, dass Felix sie früher oder später finden würde. Wir haben uns nicht verschätzt. Kartenlesen jedoch will gelernt sein. Aber schließlich hat jeder bekommen was er wollte. Welche Freude.

Shiprock
Den Shiprock, wie der Devils Tower der Rest eines Vulkankernes, hatte ich mal auf meiner Liste. Hier im flachen Land sieht man ihn sehr eindrucksvoll schon aus der Ferne, angeblich bis aus einer Entfernung von einhundert Meilen. Aber er liegt auf Privatland und das ganze Umfeld ist besiedelt, so dass wir gar nicht erst auf den Gedanken gekommen sind, mehr zu wollen. Im gleichnamigen Ort also ging es somit für uns auf der 491 Richtung Süden nach Gallup, um wieder auf den Interstate zu kommen.
Die Strecke bis darunter hat sich etwas gezogen, so dass wir gleich an der ersten Abfahrt am Arizona Welcome Center pausiert und ein paar Quesadillas im Trailer gemacht haben.

Petrified Forest
Mit günstigem Wind haben wir nach der Pause zügig den Petrified Forst National Park erreicht bzw. sind an ihm vorbeigedüst, um in nächsten Ort, Holbrook, auf einem der inzwischen von uns begehrten Koa-Campingplätze für zwei Nächte Station zu machen.
Für den Nationalpark war es an diesem Tag zu spät. Auch hier werden alle Besucher nach Sonnenuntergang aus dem Park gebeten. Zuviel versteinertes Holz ist schon entwendet worden.
Also Essen gehen. Das Chili hat sehr gut geschmeckt in einem Cafe, das irgendwie mit der Produktion von „Cars“ in Verbindung steht. Klar, wir bewegen uns ja auf der Route 66.
Am Vormittag des nächsten Tages sind wir dann alle in den Park und sind ganz touristisch den Loop abgefahren und haben da, wo nicht zu viele Leute waren, unser Ding gemacht.

Vom Newspaper Rock war ich natürlich enttäuscht. Hatte sowas schon befürchtet. Idioten haben darauf rumgehackt und nun ist alles abgesperrt.
Am „Vogel mit Frosch“-Petroglyph hat Felix seine neueste Kette über die Absperrung fallenlassen. Unseren Kindern zum Vorbild haben wir eine Rangerin alarmiert. Diese hat dann selbst erstmal über Funk Erlaubnis eingeholt, die zwei Meter über die Steine absteigen und die Kette einsammeln zu dürfen. Grosses Dankeschön auf beiden Seiten.
Bis in den Nachmittag hinein waren wir unterwegs. Henry hat überraschend gut durchgehalten. Aber schließlich war die Energie alle, und wir sind erstmal wieder zurück in unseren Trailer.

Mit Felix bin ich dann am Abend noch mal losgezogen. Wieder hatten wir beide eine prima Zeit.
Jeder fand seine bevorzugten Steine und erfreute sich an des anderen Begeisterung.
Nach meiner negativen Erfahrung von den Tent Rocks ließ mich die untergehende Sonne unruhig werden, aber hier war alles halb so wild, ein Ranger kam mir erst entgegen, als wir bereits bei Dunkelheit auf der Heimfahrt waren.
Und als Nachtrag, ich habe ihr widerstanden, der immensen Versuchung, ein gutes Stück versteinertes Holz einzusacken, weder im Nationalpark noch bei den tausend Händlern im Ort - und bereue es heute nur ein klitzekleines bischen.

Goldgräberstimmung
Wie geplant sind wir am nächsten Morgen auf dem Interstate 40 weiter gen Westen. Das Vorankommen war überdurchschnittlich gut. Leider haben wir überhaupt keinen vernünftigen Pausenplatz finden können. Mindestens drei aufeinander folgende Rastplätze waren geschlossen. Als es nicht mehr ging, haben wir einfach eine Abfahrt in den angrenzenden National Forest genommen. Mit Henry war nicht viel anzufangen, aber sonst war die Pause im duftenden Kiefernwald am Straßenrand nicht schlecht. Die Höhenlage hat die Mittagshitze gut gedämpft. Und dann dämmerte uns, Kaibab National Forest, an dessen Nordrand liegt ja der Grand Canyon.
Zurück auf der Strasse wollten wir auch langsam Pläne für die Nacht machen. Aber es rollte einfach so gut, dass wir uns nicht festlegen konnten. Und nach mehreren Verlängerungen und merkenswerten Eindrücken von der Landschaft erreichten wir schliesslich sogar noch KALIFORNIEN!
Bevor wir aber erstmal so richtig aufatmen konnten, kam erst noch so eine Art Grenzkontrolle. Der Zoll interessiert sich für Orangen. Tatsächlich, deren Einfuhr muss man verzollen. Wieder auf Marschgeschwindigkeit habe ich dann eine Flower Power CD reingeknallt. Und immer weiter stießen wir ins Tal hinab und der Blick aufs Aussenthermometer verriet am Ende beängstigende 101 F.
Wie wir die überlebt haben, gibt’s im nächsten Teil, The Pacific Southwest.



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