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BIG TRIP 2010 - The Pacific Southwest, II



Big Sur
Wir sind ja nicht die ersten, die Big Sur in seinen Bann zieht.
Zur Jahrhundertwende mit zahlreichen Redwoods lebten dort sogar noch mehr Menschen als heute. Elektrizität gibt es erst seit den Fünfzigern. Inzwischen gibt es nur noch ein paar Hippies, Multimillionären gehört nun ein Grossteil des Landes.
Big Sur - The Greatest Meeting of Land & Sea.
Man lässt sich sogar hinreissen zu "Do nothing in Big Sur. Once you are here there is no reason to do anything more."
Zum Glück haben wir noch einen Platz im Pfeiffer Big Sur State Park gefunden. Für die Kinder war sogar ein kleiner Bach mit Fischchen in Sichtweite. Am ersten Abend kommen wir übers Einrichten und eine kleine Platzrunde nicht hinaus. War zwar Mist, dass wir nach drei Tagen nochmal umziehen mussten, aber mit dem neuen Platz konnten wir uns auch schnell anfreunden.
Am nächsten Morgen lassen wir uns gleich einmal auf die ständigen Wetter- umschwünge einstimmen. Auf dem Highway No. 1 auf dem Weg nach Carmel für Einkäufe kamen wir gar nicht aus dem Staunen wieder heraus: das schäumende Meer, leere Strände, Steilküste, exotische Pflanzen und ein überraschend aufziehender und ebenso schnell verschwindender Nebel.
Wir halten ein paar Mal an für die umwerfenden Farben.
Glücklicherweise war im Vergleich zum Wochenende noch wenig Verkehr. Nicht leicht, auf der zum Teil schmalen Strasse nicht die Konzentration zu verlieren. Aber es gab ausreichend Haltebuchten.
Von einigen Stellen hoch oben auf den Klippen waren Robben zu beobachten.
Carmel by the Sea. So vornehm der Name, so die Anwesen. Da stehen die 600er Mercedesse vor'm Beauty Shop.
Die Auswahl an Brot, Obst, Käse, Wein und Fisch im Supermarkt - sowas wünschte ich mir in Columbus, oder wenigstens in Indianapolis, oder wenigstens in Chicago, oder wenigstens irgendwo im Mittleren Westen...
Erster Nachmittag am Pazifik, am Pfeiffer Beach. Steife Brise. Felix ist kein Wasser zu kalt. Jana rettet ihm ein Crog aus den Wellen.
Vier waschechte Hippies, einer mit Klampfe, lassen sich den Wind durch den Bart wehen. Lange halten sie es aber nicht aus; vielleicht enttäuscht über zuwenig 'company' ziehen sie wieder ab. Meine Symphatien haben sie jedenfalls.
Bevor wir den Tag auf dem Campingplatz beschliessen, fahren wir noch die Lage peilend ein Stück den Highway runter.

Nach einem Biss in den Bagel ist er raus, Felix' erster Milchzahn. Da wird ihm wohl die Tooth Fairy einen Quarter unter das Kopfkissen legen diese Nacht. Nur Henry versteht die ganze Aufregung nicht.
Ich bedaure es ja bis heute, es nicht wenigstens einmal in den von mir als Citrus Garden betitelten spirituellen Hot Spot bei der Tankstelle geschafft zu haben. Aber in unserer zum Teil abgetragenen Allerweltskluft befürchteten wir bestimmt Argwohn zu erregen.
Eine unglaublich grosse Agave stand auf dem Grundstück. Der Blütenstamm war so locker drei Meter hoch. Laut junggebliebener Besitzerin wäre wohl schon bald mit der Blüte und dem darauffolgenden Ableben der Planze zu rechnen.
Am nächsten Morgen tummle ich mich also auf und unterhalb der Küstenstrasse. Die Szenerie ist beeindruckend, der aufkommende Verkehr stört jedoch "meine Kreise".
Wie schon mal vermerkt, so schnell wie der Nebel aufzieht, kann er auch wieder aufreissen.
Und was wäre der Reiz einer Küste ohne einen ordentlichen Strand. Der Garrapata State Park soll einen der schönsten haben. Waren drei-, viermal da. Er liegt etwas ab vom Schuss, der Anweg führt durch bauchhohe Sommerwiesen und über einen kristallklaren dahinplätschernden Bach und Platz ist für alle.
Bevor er sich mit mir ausgeruht und aufgewärmt hat, ist Felix mit daumendickem, mehrere Meter langem Seegewächs rumgedüst.
Der Andrew Molera State Park setzt dem noch einen auf, wir mussten die Kinder über einen kleinen Fluss tragen und uns eine Meile durch's Gelände schlagen. Dafür fanden wir am Strand zu Hauf regelrechte Behausungen aus ineinander verschachtelten Stämmen und Ästen vor wie in "Where the wild things are".
Nach Point Lobos haben wir bei bedecktem Himmel einen entspannten Nachmittagsausflug gemacht. Gerade richtig für die Red Lichens.
Durch meine dicke Tüte haben wir Robben auf ihrem felsigen Treffpunkt im Meer beobachtet. Angeblich erinnerte ihr Bellen spanische Seefahrer an das Heulen von Wölfen, daher "Punta de los Lobos Marinos".
Der Typ am Einlass hatte uns übrigens gleich als Deutsche ausgemacht. Das Infoblatt wollten wir ausdrücklich in Englisch, aber da war nix zu machen.
Auf dem Heimweg zeigt sich der Ozean mal in einem anderen Licht.
Ich weiss noch, wie angenehm mir dabei der noch nicht zu frische Wind durch Hemd und Sandalen gewedelt ist.
Wir haben gut kampiert. Eine gute Woche im Ganzen. Und das Essen hat uns gemundet, davon war ja schon die Rede.
Für ein paar Tage hatten wir ein Paar aus Bremen zum Nachbarn. Vor deren Abreisetag haben sie uns deren Überschusseinkäufe überlassen. Monate später zelebrieren wir immer noch deren Cappuccino-Mischung wenn uns danach ist.
Salz und Sand sind Gift für das Kamerazeugs. Das Stativ habe ich einmal komplett zerlegt, anders war der feine Sand nicht aus den Stativbeinen zu bekommen.
Den Rest aber hat mein ach so geliebtes Hemd bekommen. Permanentes Tragen, Rucksackgeschuffel, Durchschwitzen und Wäschen liessen ihm keine Chance mehr. Der zehn Jahre alte Stoff konnte keinen Nadelstich mehr halten. Ich denke, hier am westlichsten Punkt unserer Reise war eine guter Ort es würdig abzulegen.

Jetzt heisst es allerdings auch, dass wir uns doch mal Gedanken über den weiteren Reiseverlauf machen sollten. An der Küste hinauf bis nach Oregon hiesse die meiste Zeit auf der Strasse zu verbringen, das fällt also aus, uns geht einfach die Frei-Zeit aus. Wir werden uns also noch ein bischen in der Gegend tummeln, die Redwoods wollen wir wenigstens noch sehen, und dann werden wir uns über die nördliche Hälfte Kaliforniens ein Stück Idaho vornehmen und von dort die eigentliche Rückfahrt antreten.

Die legendären Redwoods
Nehmen wir das Negative gleich mal vorweg, das kalifornische State Park Buchungssystem bedarf einer Reform. Wir haben uns geärgert, dass wir wieder umziehen mussten und uns noch einen Haufen Mist anhören mussten. Aber was soll's, am Ende haben wir das Beste rausgeholt, im Big Basin Redwoods State Park.
Diese Riesen sind noch etwas grösser als die Sequoias und somit auch nicht leichter zu fotografieren. Manche sollen bis zu zweitausend Jahren auf dem Buckel haben. Deren Rinde ist dann dreissig Zentimeter dick.
Ein paar Mal bin ich am Morgen allein rumgestromert und auch gemeinsam sind wir ein paar ausgetretene Wege gegangen.
Ein Schatz war übrigens wieder zu finden, der dritte und letzte. Wir sind zwar nicht im Sherwood Forest, aber Robin, äh, Felix hat Pfeil und Bogen zielsicher aufgestöbert.
Henny haben wir natürlich auch eine Kleinigkeit finden lassen.
Und wenn gar nichts mehr lief, ein Eis ging immer.
In Boulder Creek gab es übrigens ein wohl nicht ganz alltägliches Cafe. Wir kamen mit dem Eigentümer schnell ins Gespräch. Wie sich rausstellte hatten wir für vieles eine gemeinsame Ader. So war er bereit, unseren Laptop an eine der sonst abgeschlossenen Steckdosen zu lassen. Als wir uns dann extra nochmal bedankt haben, rückte er die schon vorbereitete Tüte mit Restkuchen heraus. Wir mussten nämlich gehen, er machte den Laden schon um fünf am Nachmittag zu.
Der Park war nicht perfekt. Lieber hätte ich mir den Humboldt weier im Norden angeschaut, aber nun wissen wir es wenigstens.

Sacramento
Sacramento haben wir hauptsächlich wegen des national bekannten Eisenbahnmuseums mitgenommen. Das wollten wir unbedingt den Jungs gönnen.
Wir waren alle ziemlich begeistert: riesige Dampflokomotiven, gemütliche Schlafwagen, einige gut gemachte Modelle und sonst alles Mögliche aus der Glanzzeit des amerikanischen Eisenbahnwesens. Für Unterhaltung sorgten "echte" Eisenbahner. Wir waren recht lange unterwegs und hätten bis auf Henry noch länger bleiben können.
Ein vernünftiger Campingplatz war in und um Sacramento natürlich nicht so leicht zu finden. Akustisch immer presenter dichter kalifornischer Verkehr war das Eine. Sich und uns argwönisch beäugende Dauercamper waren das Andere. So wollen wir mal nicht enden.
Als Felix eine zentimetergrosse Gottesanbeterin entdeckt hat, kamen immerhin manche Camper aus ihren Wohnwagen gekrochen.
Am Tag zuvor hatte ich einen Termin bei Infiniti in Sacramento gemacht. Das Bremsrubbeln wollte ich mal untersuchen lassen. Als Leihwagen haben wir einen G37 gestellt bekommen. Die dreihundertunddreissig PS hatten leichtes Spiel mit uns. An mein Statement anknüpfend meinte Felix, das Auto geht ab wie zwei Schmitz Katzen.
Wie sich dann rausstellte sollten beim FX die Bremsscheiben nachgedreht werden. Weiss schon wo ich mal zu lange draufgestanden habe. Das wurde dann eben schnell am Samstagvormittag erledigt. Mein Blick auf die Rechnung hat meine Meinung über Kaliforniens Preisniveau übrigens schnell relativiert. Wohl dank Konkurrenzdruck kann da nicht mal der Mittlere Westen mithalten.
Mit Sacramento haben wir uns quasi die Richtung für die Rückreise vorgegeben. An die Küste kehren wir nicht wieder zurück.

So wird's wieder spannend mit Richtung Nordost, dem Erklimmen der nördlichen Sierra, Lake Tahoe, auf jeden Fall Idaho, und dann schauen wir mal.



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