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Deutschland
Juli 2012


Wieso
Zwei Wochen nach unserer Ankunft in Schweden taten wir es erstmal wie diese - und machten Urlaub. Familien- und Freundebesuch in Deutschland.
Als Rundreise angelegt machten wir Station in Deuben, in Queis mit Ausflügen nach Halle an der Saale, in Löbau, in Dresden, in Dessau-Rosslau, und in Stralsund.

Zur See
Uns allen zuliebe benutzten wir für einen Teil der Anreise die Fähre von Trelleborg nach Rostock. Besonders Felix war begeistert.
Im Hafen war der Himmel zunächst noch bedeckt, doch auf offener See zog es auf. Der Wind sorgte für Laune. Grosses Staunen dann über die Schiffe und Werftanlagen beim Einfahren in den Rostocker Hafen.

Henry war zuweilen unglücklich mit sich und seinem Bruder, aber auch er hatte seine guten Momente, zum Beispiel als er Felix auch mal voraus war oder ihm etwas zeigen konnte.

Sonne und Wind machen müde und unter Deck war es auch gut auszuhalten.

Den langen Tag beendeten wir in einem Rostocker Hotel. Und als ob wir darauf gewartet hätten (zumindest haben wir es nicht extra provioziert), wurden wir mit einer schnippischen Bemerkung auf Deutschland eingestimmt. Für's Protokoll: man kann eine Fragewiederholung eben auch anders beantworten, als "habe ich doch schon gesagt". Was soll ich denn damit anfangen, wird schon seinen Grund haben, wenn ich noch mal frage. Als Training würde sich Borat's Besuch in der Käseabteilung eignen :)
Aber da fällt mir ein, eigentlich schon auf der Fähre: habe mich erdreistet, einen Kassierer in einer kleinen Kassierpause beim Kassieren mit dem Einlösen des Kinderpresent-Coupons zu belästigen. Da durfte ich mir aber was anhören. Rausgerückt hat er den Nippes dann aber doch. Wozu immer nur erst diese Stimmungsmache?
Oder später beim Bäcker, da braucht noch nicht mal eine Schlange im Laden zu sein, wenn man seine Bestellung nicht zügig daherschmettert, gibt's mindestens heruntergezogene Mundwinkel.
OK, lassen wir's mal gut sein.

Naundorf ist nicht Deuben
Wie gehabt quartierten wir uns für den Besuch bei Felix' und Henry's "Grosser" Oma im örtlichen Rasthof ein. Und wie gehabt stürmen wir zusammen den Globus, trinken aber auch Kaffee bei ihr zuhause und tingeln ein bischen in der Gegend herum, z.B. Hohenmölsner Ratskeller. Ausgedehntes Kopfsteinpflaster bei den Landfahrten hat uns zu ausdauerndem Stimmbänderschwingen angeregt. Ein Spass für die Kinder.
Gefrühstückt haben wir alle gemeinsam im Hotel, die Jungs haben die Oma ordentlich beschäftigt mit ihren Geschenken.
Klasse Story beim Globus übrigens: standen da so für Kinder diese Riesen-Einkaufswagen im Autoformat rum. Die waren aber nun für den Getränkehandel reserviert. Offensichtlich kamen die Dinger aber aus Schweden, fünf Kronen als Token sollte man einwerfen, und damit hatten wir ja nun keine Schwierigkeiten. Mir war schon klar was passiert als wir damit in Richtung Supermarkt abziehen würden, aber wissen wollte ich es trotzdem (Na gut, hier haben wir provoziert). Auf ungläubige Blicke folgte Entrüstung, aber mit unserem Versprechen der Rückführung zeigte man sich gütig.
Nachdem Felix vor fünf Jahren kurzfristig einen Rückzieher gemacht hat, waren wir diesmal alle bereit für: Das unterirdische Zeitz. Felix ist inzwischen bei solchen Unternehmungen Feuer und Flamme und hat mit seinem Entdeckergeist und seiner Mitteilsamkeit die ganze Besuchertruppe unterhalten. Henry hält von sowas (noch?) nicht allzuviel. Die Finger schmutzig zu machen ist zum Beispiel gaaanz schlecht.

Übrigens, die Befürchtung, dass wir nach unserem damaligen Umzug nach US vor elf Jahren bald wieder zurückkehren und die eingelagerten Haushaltsgeräte wieder gebrauchen könnten, hat sich ja bekanntermassen nicht bestätigt. Dafür funktionieren Toaster, Staubsauger, etc. nun in Schweden und die Oma ist froh, dass der Keller wieder ein Stück leerer wurde.

Äusserlich unverändert und doch alles anders
Ganz schlecht, bei Vivien und Birgit haben wir keine Bilder gemacht, komplett versäumt. Wahrscheinlich waren wir zu vereinnahmt von den Geschehnissen. Werden es nachholen.
Wie es uns schon immer angeboten wurde, haben wir alle Mann bei Ihnen übernachtet. Zeitlich haben wir einen Spagat mit unseren Tagesbesuchen in Halle gemacht, aber die Abende wären bestimmt auch so lang geworden. Wir haben viel geredet und sind wohl nicht das letzte Mal dagewesen.

An der Saale
Haben von Queis aus wie gesagt zwei Ausflüge nach Halle gemacht. Manja und Sven hatten sich wieder Zeit für uns genommen. Manja hat uns wieder zu einer begehrten Jahresration Bücher verholfen.
Die Strassenbahnfahrt verlief leider weniger entspannt als geplant, zumindest die Rückfahrt. Henny hatte seinen eigenen Kopf. Und zugegeben, die Zeit für den Besuch der Burg Giebichenstein war ohnehin zu knapp. Aber Felix fand die Bahn trotzdem toll. Er findet sich auch schon mal allein zurecht.

Die malerische Oberlausitz
...bietet ja einiges auch für Unternehmungen mit Kindern. Die Konkurrenz schläft nicht, also schauten wir uns zusammen mal die Kulturinsel Einsiedel mit unter anderem allerlei Baumhäusern an.
Den Jungs hat's toll gefallen und sie haben sich ziemlich verausgabt, gute Nachtruhe war garantiert. Und ich habe mir ein paar Anregungen "für's nächste Mal" geholt.
Den Abend liessen wir beim Schreber ausklingen. Der Opa hat Angelruten gezaubert und die "kleine" Omi sorgte für Ordnung auf der Gartenschaukel. Es gab Him- und Stachelbeeren vom Strauch und Gegrilltes vom Kaminfeuer.
Ein guter Schlaf war wichtig, schliesslich folgte am nächsten Tag gleich der zweite Streich: Saurierpark Kleinwelka.

Auf der Fahrt dahin habe ich diesen für uns eher seltenen Blick auf Bautzen festgehalten.
Aus den einstigen Anfängen schon zu DDR-Zeiten ist in Kleinwelka ein riesiger Park mit allerlei Saueriernachbildungen und Klettergerüsten sowie "Physik zum Anfassen" erwachsen.
Das Beste am Mittagessen war ein gewisses Mass an Unterhaltung durch Kinder, und nicht nur durch unsere eigenen. Alles im Zusammenhang mit Wasser. Zum Glück schien die Sonne kräftig und die nassen Sachen konnten halbwegs trocknen.
Während Felix und Henry bei den Grosseltern in Extra-Räuberbetten und mit vielen Überraschungen geschlafen haben, haben Jana und ich sehr preisgünstig in einer "Platte" der Wohnungsbaugenossenschaft gewohnt. Wie wir alle wissen haben manche Aussiedler ein anderes Zeit- und Lärmverständnis. Zum Glück war dies ein Einzelfall.
Für uns holte ich jeden Morgen frische Bäckerbrötchen. Urlaub hat was Gutes.

Dresden
Dann durften Jana und ich uns erstmal für ein paar Tage nach Dresden verabschieden, während Felix und Henry weiter mit den Grosseltern die Gegend erkundet haben.

Von einer Pause noch weit vor Dresden:
In Dresden haben wir überhaupt keine Bilder gemacht. Wir wollten mit anderen Augen sehen. Sind quasi die ganze Zeit zwischen Hauptbahnhof und Neustadt rumgetingelt. Haben uns natürlich mit ein paar Freunden und Leuten getroffen. Übernachtet haben wir im Steigenberger gleich neben der Frauenkirche. In der Neustadt haben wir nix mehr gefunden, und billiger wäre es auch nicht gewesen. Senfeier im (ehemaligen) Haus des Buches waren immer noch zu haben.

Und nochmal Löbau
Während wir in Dresden waren, haben Felix und Henry bei den Grosseltern tolle Sachen erlebt. Zusammen haben sie sich den Tierpark Görlitz angeschaut, eine Schmalspur-Dampflokfahrt nach Oybin unternommen, und die Fische im Garten gefüttert.
Zurück in Löbau nächtigen wir im Honigbrunnen und essen auch dort gemeinsam mit den Jungs und den Grosseltern zu Abend. Bis spät in den Abend sitzen wir dann noch bei Kaffee auf der Terasse und machen weitere Urlaubsplanung.

Bauhausstadt
Besuch beim Bruder. Lange nicht gesehen. Eis essen. Kinder im Springbrunnen geplanscht. Kiste voller Bücher in Empfang genommen. Viel geredet. Die neue Lebensgefährtin kennengelernt. Abendessen. Und Spaziergang an der Mulde.
Auch in Dessau ist übrigens der Fernsehempfang zufriedenstellend.

Ostsee
Die letzten paar Tage, bevor wir wieder nach Schweden zurückfahren und unser neues Domizil beziehen würden, haben wir in Stralsund verbracht. Rostock war weitgehend ausgebucht, Stralsund verhiess ebenfalls Hafen, aber auch Meereskundemuseen und sowieso Ostsee.
Gut geruht haben wir in der Hafenresidenz, direkt wie der Name schon sagt.
Das Hotel war sehr angenehm und bequem. Wir hatten zwei Zimmer belegt. Und hatten wir schon erwähnt, dass, solange die Flimmerkiste lief, Jana und mir auch ein paar ruhige Minuten nach einem langen Tag vergönnt waren?
Wir bezogen jeden Morgen den gleichen Tisch am Fenster mit Blick auf die Bucht. Die Bedienung kannte uns dann schon, die Auswahl am Buffet war erfreulich schwer, die Möven bekamen anschliessend von Felix und Henry auch was ab.

Aber um chronologisch vorzugehen: Gleich nach der Ankunft am ersten Abend kapern wir die Mole und schlemmern Räucherfisch.

Den nächsten Tag nutzen wir das weiterhin gute Wetter und gehen baden und Kleckerburgen bauen.
Den Nachmittag sind wir dann durch die Stadt getingelt, haben Bernsteinläden und Architektur bewundert, Kaffee getrunken und Geburtstag gefeiert.

Eigentlich wollten wir dann am Vormittag ins Ozeaneum, aber so dachten an diesem Regentag auch viele andere und Schlange stehen fällt aus. Sind wir eben auf die Gorch Fock (I). Ehemals als Reparationsgut unter dem Namen Towaritsch laufend liegt sie heute wieder mit ursprünglichen Namen im Hafen.

Henny war an diesem Morgen wieder von gar nichts begeistert, aber am Ende ging's.
Auch klarte es dann auf und manchmal muss auch ein 'sucker' helfen.
Wir hatten es wie immer schwierig, uns für ein Lokal zu entscheiden. Aber was wir auch probierten war alles ziemlich gut. Nicht zuletzt schmeckte alles immer noch (oder wieder) nach "Osten", und das gab den Kick.
Am Nachmittag haben wir noch einen Stadtbummel gemacht, die Schlange vor dem Ozeaneum war uns immer noch zu lang. Wie vereinbart durften sich die Jungs im Schmuckladen dann was aussuchen. Für mich ist auch ein Donnerkeil abgefallen, ha.
Unglaublich, was geübte Jungsaugen dann so alles auf dem Marktplatz finden.
Aber dann am späten Nachmittag war es soweit, hatte sich die Schlange vor dem Ozeaneum verflüchtigt. Wir hatten mehr Zeit als Ausdauer, zumindest was Henry betrifft. Felix mussten wir zuweilen bremsen, ihn ermuntern auch mal innezuhalten. Moderne Museen wie das Ozeaneum spiegeln zunehmend grössere Zusammenhänge und den gestiegenen Umweltschutzbedarf wieder. Viele Exponate waren ein guter Mix aus kunstvollen Arrangements und Natürlichkeit. Und speziell für Kinderherzen war auch immer was dabei. Für die grosse Walausstellung hat es allerdings nicht mehr gereicht.
Das Aquarium ist natürlich grosse Klasse. Und gut für uns, dass der untere Besucherraum weitgehend unentdeckt blieb.
Als Felix im oberen Stockwerk irgendwas von Regenbogen erzählte, glaubten wir zunächst an ein Missverständnis.
Ganz ohne Museumsshopbesuch ging es dann nicht ab, aber der verlief für alle zufriedenstellend.
Blaue Stunde und Zeit für's Bett.

Stralsund hat uns sehr gut gefallen. Wir kommen bestimmt nochmal wieder. Müssen ja auch noch rauskriegen, was es mit den Veggies, oder so ähnlich, auf sich hat :)


Vi kommer
Zurück nach Schweden wieder mit der Fähre, aber diesmal von Sassnitz nach Trelleborg, und damit zwei Stunden weniger Fahrt. Direkt am Königsstuhl vorbei.

Gerangel am "Sehrohr".

In Schweden ein Zeichen.




Kurz vor Mitternacht treffen wir am neuen und gerade erst seit diesem Abend verfügbaren Zuhause ein. Hatten Felix und Henry versprochen, dass wir nicht mehr in ein Hotel oder ins Scania-Apartment zurückkehren würden.



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