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Öland
September 2012


“Why do we travel? For the adventure, for the romance, for the color and cultural vibrancy that can only be found when we are breathing the air of our destination.”


Schwierig, in einem neuen Land kurzfristig mit seiner freien Zeit das zu machen, was man besonders möchte, das heisst in meinem Fall möglichst ungestört durch die Natur zu pilgern.
Auf die Schnelle und zu dieser Jahreszeit bin ich immer wieder über Öland, die kleinere der beiden Inseln vor Schwedens Ostküste, gestolpert. Direkt in den Sommerferien nahezu unbezahlbar, haben wir einen guten Spot auf der nördlicheren Hälfte gefunden, ein paar Kilometer nördlich von Sandvik. Tatsächlich die Ostsee direkt vor der Nase, d.h. mit freiem Blick zum schwedischen Festland.
Öland also unser erster grösserer Trip in Schweden überhaupt.
Die Anfahrt hat sich etwas gezogen, mussten lernen, dass eine Europastrasse in Schweden nicht automatisch mit einer durchgängig zweispurigen, geteilten Fahrbahn gleichzusetzen ist.
Die Bude war soweit in Ordnung. Mit gemütlichen Lichtquellen haperte es hier auch ein wenig, aber sowas kriegen wir ja hin. Beim Wetter hatten wir von allem etwas, von nass bis auf die Haut bis oben ohne.

Und bevor wir richtig einsteigen, gleichmal eine inzwischen erlangte Erkenntnis vornweg: Von unberührter Natur sind wir hier weit entfernt. Mir wurde wieder bewusst, womit ich schon zu unseren Zeiten in Österreich zu kämpfen begann, dass in Zentraleuropa die Naturerfahrung meistens nicht sehr puristisch ausfällt. Mit Motivwahl und Bildgestaltung kann man viel erreichen, aber die anderen Sinne lassen sich nicht täuschen.
Dieser Punkt geht an die USA. Aber vorerst lassen wir es uns hier nichts desto trotz gut gehen.
Anschauenswert ist einiges auf Öland. Für den Regentag haben wir uns zunächst mal den sogenannten Zauberwald auserkoren. Wie erwartet bot der bedeckte Himmel gedämpftes Licht. Die paar Tropfen haben uns auch erstmal nicht gestört. Gleich am Naturum gab es nämlich ein paar interessante Objekte zu bestaunen, z.B. Ameisenlöwen, d.h deren Trichter im Sand.

Wir haben dann einen kleinen Rundweg eingeschlagen, nicht zuviel für Henry, das ist wichtig, aber mit der Aussicht auf ein paar Schiffswrackteile am Ostseestrand.
Der Weg liess sich auch recht gut an, nur das Wetter entsprach nicht unseren Erwartungen und es regnete sich ein.
Vom Wrack war allerdings so gut wie nix mehr übrig oder wir haben es nicht gefunden. In dem Moment egal, denn der Regen gab uns den Rest, zumindest mir und Jana unterhalb der Regenjacken.
Irgendwann sassen wir dann doch wieder im trockenen Auto und zurück im Ferienhaus haben wir erstmal die Heizung hochgedreht und Mittag gemacht mit Kaffee hinternach.
Am Nachmittag klapperten wir ein bischen die Gegend ab. Hatten mal ein anderes Ferienobjekt im Auge gehabt und wollten mal sehen, ob wir es finden. Dabei kamen wir an diesen Ergebnissen harter Arbeit vorbei.

Der nächste Tag liess sich gleich mal freundlicher an. War ja auch schliesslich Felix' neunter Geburtstag. In der Früh durften er und Henry sich erstmal austoben mit Scooter und Armbrust...

Dann mussten wir uns erstmal die Rauken erobern. Der volle Parkplatz hatte uns zunächst die Laune getrübt, aber wie so oft hat sich das mit etwas Geduld von selbst erledigt.
Um so einen Leuchtturm kommt man ja auch nicht rum.
Nach dem Kaffeetrinken in einer Konditorei - Felix durfte sich ein extra schönes Stück Torte aussuchen - haben wir erstmal im Ferienhaus abgemattet, sofern möglich ob der Geburtstagsaufregung.
Dann reisst der Himmel auf und die Sonne wärmt als ob es nie anders gewesen wär.
Uns treibt's zum Strand.
Zum Dinner fahren wir in den Ort in eine Fischbräterei. So frisch und gut haben wir lange nicht gegessen. Die Schweden sind ja ein weitgehend ruhiges Völkchen und so war die Gesellschaft angenehm. Die Jungs hält es natürlich nicht lange auf ihren Plätzen und Jana und ich folgten ihnen dann auf die Mole und ans Wasser.
Zurück am Ferienhaus schätzte sich Felix sehr glücklich, nocheinmal seinen Helikopter fliegen lassen zu dürfen und dazu einen tollen Sonnenuntergang an seinem Geburtstag zu erleben.

Am nächsten Morgen schaue ich mir mit Felix ein bischen davon an, weswegen wir diese Gegend für einen ersten Öland-Besuch ausgesucht haben: das Knissa Mosse, eine Moorlandschaft. Landwirtschaft wird jedoch als ein Teil des Kulturerbes, der Kulturlandschaft betrachtet, und so dürfen uns Weiden nicht verwundern. Wir machen uns mal nichts draus und schlagen uns ein bischen durchs Moor. Felix hält derweil intensiven Funkkontakt.

Wir ruhen uns ein bischen aus, Felix erkundet, ab wann er keinen festen Boden mehr unter den Füssen hat, dann gehen wir zurück und weiter hinauf den Weg in Richtung Meer. Dort hatte ich die ganzen Tage schon ein verlockendes Wildwiesenstück gefunden.
Ein steifer Wind trägt Meeresrauschen zu uns. Er ist kalt, aber die Sonne brennt. Ich knalle die Memory Card voll mit verschiedenen Einstellungen. Dann reicht es, ich suche uns ein windgeschütztes Plätzchen im Gras und zeige Felix, wie man es sich mal so für zwanzig Minuten (schätze ich) im Gras ausgestreckt bequem machen kann. Es stimmt mich froh, dass er keine Minute früher als ich auf Heimkehr drängt.
Dieses Stück, diese zwanzig Minuten sind für mich was Öland ausmacht bzw. ausmachen sollte.

Auf dem Nachhauseweg lassen wir uns von mehr Windmühlen, Hagebutten in der Wiese, und so manchem Gehöft begeistern. Henry pennt im Auto, mit Felix gucken wir uns eine der Mühlen von innen an.

Ein schöner erster Schweden-Ausflug.

Das nächste Mal nehmen wir uns den Süden der Insel vor.



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