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Store Mosse Nationalpark
Oktober 2012


“The question is not what you look at, but what you see.”
Thoreau


Auf Besuch in unserem ersten schwedischen Nationalpark.
Zunächst hiess es aber erst einmal den Schlüssel zu bekommen, den Schlüssel zum Vandrehem, zur Herberge. Und zwar im örtlichen Tante Emma-Laden, der machte nämlich um sechs zu. Obwohl es von zu Hause, also Södertälje, keine vier Stunden dauert den Nationalpark über die E4 zu erreichen, wurde dann doch die Zeit plötzlich knapp. Aber wir haben's geschafft.
Die Herberge im Nationalpark, also in diesem Fall Kittlakull, hiess für uns ein grosses Zimmer mit zwei Doppelstock- betten, fliessend Wasser, Elektrizität und Kamin im Gemeinschaftsraum.

Das andere Zimmer war uns nicht unangenehmerweise nicht belegt, aber der Hausherr, ein junger Forest Engineer, tauchte dann auf. Bei der Ankündigung von Besuch und Party sank uns erst der Mut, aber das lief alles glimpflich ab. Und so wurden wir an diesem Abend nicht alt.

Der nächste Morgen war mein. Hinaus ins Moor.
Ich brauchte nur zweihundert Meter den Fahrweg weiter zu gehen, um dann den Wanderweg ins Moor einzuschlagen. Erstaunlich, wie sehr ich mich wieder mal mit wachen Sinnen und unbekannter Gegend in der Entfernung verschätzt hatte. Was ich für eine Hinweistafel hielt, entpuppte sich als Elektroschrank entlang der Bahnlinie. Das merkte ich aber erst, als ich mit einem Fuss bereits ins Moor absank.
Dann sah ich aber auch schon die Bahnüberführung, und was ich aus der Höhe erblickte, liess mein Herz höher schlagen: Nebel. Etwas zumindest.
Schnell hatte ich den Holzbohlenweg erreicht und stand wieder vor dem Problem der Entscheidung sofort Bilder zu machen oder weiter zu ziehen und auf besseres zu hoffen.

Ich mag diese frühe Stunde, wenn das wenige Licht hier und da aufgenommen und reflektiert wird.
Als ich die ehemaligen Torfabbaugebiete verliess und ins offene Moor abbog, wusste ich, dass mich Grosses erwartet.
Das anfänglich zögerliche Licht nahm richtig Fahrt auf. Eine Welle schwappte förmlich übers Moor.
Nach zwei Stunden wurde die Sonne dann mehr oder weniger vom Hochnebel verschluckt. Kraniche, die immer wieder laut rufend und scheinbar zum Greifen nah über mir hinwegzogen, konnte ich einfach nicht ausmachen.

Ich ging solange mich die Bretter trugen. Gummistiefel hatte ich keine, aber meine Wanderstiefel hielten gut. Aber irgendwann war die Ausbaustrecke dauerhaft unter Wasser und ich konnte die Runde leider nicht mehr schliessen ohne nasse Füsse zu riskieren. Die Kälte kroch mir auch unter die Haut und so war es Zeit für den Rückweg.
Zurück in der Herberge hatte die Familie gerade ihr Frühstück beendet, aber Jani hatte für mich noch ein paar warme Brötchen parat und ein frisch aufgebrühter Kaffe gab mir den Rest zum Hochgefühl.
In dieser guten Laune fiel es mir leicht mit unserem ebenfalls gut gelaunten Henny schöne und schön schräge Zeichnungen zu Papier zu bringen.

Bis in den frühen Nachmittag waren wir daanach noch gemeinsam unterwegs im Moor. Wir hatten uns einen schönen Rundweg auserkoren und Henry hat wunderbar mitgemacht.
Als wir aus dem Wald traten und vor uns das Moor mit dem niederen Bewuchs sahen, meinte Felix es sehe aus wie in Afrika. Auf extensiven Stegen gelangten wir weit in die offene Fläche bis zum Kävsjön. Wieder zurück im Wald hat Felix für wenige Sekunden nur ein traumhaftes Motiv geliefert.

Als echte Kaffeetrinken-Fans und Kuchenfreunde verbringen wir den Nachmittag in der Herberge.

Hätt mich ja auch gewundert wenn es nicht so wär: Felix kam gerne mit mir mit auf die Abendrunde.

Das letzte Bild des Tages. Als wir an der Herberge eintreffen, ist es stockdunkel.
Die Jungs hatten einen Heidenspass in der Dusche.

Vor der Fahrt zurück nach Hause am nächsten Tag haben wir uns auch das Naturum des Nationalparks angeschaut. Wir waren die ersten an diesem Tag, der Kamin wurde gerade erst angeschmissen und wie es sich in Schweden gehört werden auch dort die Schuhe ausgezogen - und in typisch skandinavisch-pfiffiger Manier aufbewahrt.
Es gab viel zu sehen und zu bestaunen.

Und eh ich es vergesse, die Zäune vielerorts sind ja noch ursprünglich gestaltet, alles, selbst die Schnüre, aus allgegenwärtigem Kiefernmaterial.


Das war ein gutes Wochenende. Hatten als Familie eine gute Zeit, null 'screentime', waren viel an der frischen Luft und ich bin zu tollen Bilden gekommen.

Wir waren dann schon auf dem Heimweg, als es uns einschoss: der Schlüssel. Wir waren noch nicht zu lange unterwegs und hatten auch diesmal Glück, der Laden machte erst zehn Minuten später dicht.



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