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Österlen
Juni 2013



Die Schweden machen nicht viel Gewese um ihren Nationalfeiertag. Der letzte Krieg war vor mehr als zweihundert Jahren und erst seit ein paar Jahren ist dieser Tag auch arbeitsfrei. Für uns also wieder ein langes Wochenende. Die Mücken sind um diese Zeit nun schon aktiv, so wollten wir unbedingt eher ans Meer als in den Wald.

Ursprünglich hatten wir uns die Stockholmer Schärenwelt vorgenommen, aber da herrscht schon viel Trubel und der Griff ins Portemonaie fällt unverhältnismässig tief aus. Als Mitglieder des "Frischluftvereins" erhalten wir das Quartalsmagazin, und ein Bild der Ales Stenar hat uns auf diese Idee gebracht: Österlen, die südöstlichste Ecke des Landes.
Gut, dass die Online-Buchung der zunächst anvisierten Herberge nicht funktioniert hat und sich so mit einem Anruf herausstellte, dass es fest in deutscher Hand, Anreise erst nach siebzehn Uhr und das beworbene Frühstück sogar erst nach Midsommer verfügbar war.
Ein Glücksfall für uns, denn im nur wenige Kilometer entfernten Hammenhög sah die Sache gaaanz anders aus.

Die Anreise war mit sechs Stunden etwas zu lang um es entspannt zu nennen, aber Felix und Henry haben gut durchgehalten. Wir haben uns an drei Tagen die Zeit vertrieben mit Strand, Mittelalter, gutem Essen und ein paar Wegen.
Unsere erste Pause auf der Hinfahrt machten wir am Brahehus. Da wollten wir immer schon mal anhalten. Die Jungs brauchten keine Aufforderung sich die Ruine mal näher anzusehen.
Und, schaut es Euch an, ich kann es selbst kaum mehr glauben, aber Ende der neunziger Jahre habe ich zweimal die Vätternrundan, die dreihundert Kilometer lange Radrundfahrt um den Vättern See, der hier in seiner ganzen Pracht vor uns liegt, mitgemacht.

Gleich nach der Ankunft an der Herberge, wie sollte es anders sein, eilen wir zum Strand. Um diese Zeit bereits menschenleer, wärmen wir uns so gut es noch geht in der schon tiefstehenden Sonne. Felix und Henry lassen wir soviel Zeit wie sie brauchen, bewahren sie nur vor dem Unterkühlen.

Und weil wir schon mal in der Gegend sind und gutes Licht haben und wir Urlaub machen und es sowieso fast egal ist wann wir alle ins Bett kommen, machen wir noch den Abstecher zum eingangs benannten Ales Stenar, dem schwedischen Stonehenge; die grösste Schiffsetzung Schwedens aus der Wikingerzeit. Den Aufstieg und die Besichtigung mache ich allerdings alleine. Die Sonne direkt im Rücken muss ich mir was einfallen lassen, um meinen Schatten nicht im Bild zu haben.
Für meinen Geschmack tummeln sich leider zuviele Kühe in der Gegend.


Keine Frage, den Tip der Herbergsverwalterin nehmen wir gerne auf: das Glimmingehus. Das als das am besten erhaltene geltende mittelalterliche Schloss im nordischen Raum schauen wir uns gerne an.
Auch hier versuchen die Schweden, die Historie möglichst lebendig zu vermitteln: mit Kerzenlicht und Statisten.

Hier hat uns Felix dann erstmalig richtig zur Schau gestellt, wie gut er inzwischen Schwedisch kann. Die Aufforderung 'jetzt sag mal was auf Schwedisch' funktioniert bekanntermassen nicht. Verblüfft beobachten wir also, wie er sich die Informationstafeln durchliest und uns anschliessend begeistert von den Sicherheitsvorrichtungen des Hauses erzählt.

Henry war übrigens nicht zu halten. Er wuselte so schnell durch alle Etagen des Hauses, dass ich zu keinem vernünftigen Bild von ihm kam.

An einem sonnigen Tag wie diesem sieht alles recht gemütlich aus und wir kommen ins Schwärmen.

Wir verbringen dort den ganzen Vormittag.
Im Hof entdecken wir einen Doppelblasebalg, der offensichtlich während der jährlichen Ritterfestspiele auch fleissig genutzt wird.

Mittagessen in der Rökeri in Simrishamn.


Die Jungs haben wir schon den ganzen Vormittag lang vertröstet, aber vor dem Mittag an den Strand ist aus Erfahrung nun mal nicht die beste Wahl für alle Beteiligten. Aber nu los.


Zum gepflegten Abendessen spazieren wir in den Ort. Mit allerlei Tricks schaffen wir es, Henry nicht tragen zu müssen. Üblicherweise fotografiere ich uns beim Essen oder unser Essen nicht, aber es war nett angerichtet und der Koch hat sich gefreut.


Der Rückweg hätte schöner nicht ausfallen können. Wir waren gutgelaunt und machten Faxen und zuerst treffen die Jungs auf eine Schmusekatze und dann entdecke ich noch einen Igel für sie, der wie der Schatzhauser in "Das kalte Herz" zunächst unerkannt durch die Wildblumen schnüffelte.


Am Abreisetag erstehen wir noch ein Mitbringsel im Flohmarkt nebenan. Zum Strand gehen wir auch nochmal, aber diesmal scheint es selbst den Jungs zum Baden zu kalt zu sein.
In Ufernähe befinden sich ein paar Wallfahrtshütten.
Dann ziehen ein paar Wolken auf, die den Abschied zu erleichtern.

Mir schwebte eine andere Komposition vor, aber zur Dokumentation mache ich ein Bild von den zahlreichen Lupinen.


Auch nach Hause kommen ist schön. Besonders, wenn Spiele locken.




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