reisen

Wismar-Amsterdam-Texel-Hamburg
Juli 2013



Es wäre eigentlich fast egal gewesen was wir unternommen hätten. Allein die Tatsache, Felix und Henry anderthalb Wochen in der Obhut von Grosseltern und Grosstante lassen zu können, war für Jana und mich Urlaub genug.

Aber natürlich, wir hatten uns ein paar schöne Orte zum Urlauben und für Spezialaufträge ausgesucht:
* Wismar: Hansestadt, Räucherfisch, Ostseebaden
* Amsterdam: Museen, müde Füsse, Space cookies
* Texel: Watteninsel, Sonne, Nichtstun
* Hamburg: Hafenbasar, Globetrotter, Speicherstadt
* Kummer: Bobby cars, Jungs einsammeln, volle Fuhre

Fährfahrt

Für die Reise nach Deutschland und zurück benutzten wir wieder die Fähre, diesmal jedoch zwischen Göteburg und Kiel. Für die vierzehnstündige Überfahrt über Nacht war natürlich eine Kabine vorgeschrieben. Das anstregendste waren also noch die sechs Stunden für die Anreise zwischen Södertälje und Göteburg.


Dank grosszügiger und auch verdunkelungsfähiger Skylights war die Innenkabine richtig gut.
In der Hauptsaison kann man schon ein paar Stunden vor dem Ablegen an Bord gehen. Das Abendbrot konnten wir so zu gewohnter Stunde einnehmen.

Vor und auch nach dem Dinner hatten die Jungs Gelegenheit sich auszutoben.
Licht und Luft waren fantastisch.
Das Timing der Fahrt ist einfach perfekt. Aufstehzeit wie zu Hause, Frühstück in aller Ruhe, und selbst Zeit für einen kurzen Ausflug aufs Deck vor der Ankunft.

Wir erinnern uns zwar nicht mehr wo genau es war, aber spätestens als wir jemand den Abstand zwischen seinem Auto und Verkehrsschild haben abschreiten sehen, wussten wir, wir sind in Deutschland.

Wismar

Nach Stralsund im letzten Jahr wollten wir uns mal Wismar als eine der ruhmreichen Hansestädte und mit der grössten erhaltenen Altstadt im Ostseeraum näher ansehen. Von Mitte des siebzehnten Jahrhunderts gehörte Wismar für einhundertundfünfzig Jahre zum schwedischen Königreich und kehrte erst nach weiterer hundertjähriger Verpfändung Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts zu Mecklenburg zurück.


Wir hatten eine Wohnung in der "Altstadtidylle" gemietet mit kurzen Wegen zum Bäcker, ins Zentrum und zum Hafen.


Wie erwartet sehen wir viel altes Gemäuer und jeden Tag schlemmern wir eingelegten Hering und geräucherten Heilbutt am Hafen.

Ein Badestrand ist nur ein paar Fahrminuten entfernt. Artig entrichten wir Park- und Strandgebühren.


Frühstück hatten wir immer ein paar Gehminuten beim Pseudo-Bäcker, und auch sonst sind wir viel durchs Stadtzentrum gezogen.

Ein Origami-Laden zog uns magisch an, und das nicht nur einmal.


Statt frisch renovierter Häuserwände scheinen die Fallrohre der Regenrinnen für Graffiti weitgehend etabliert zu sein.


Nach drei Tagen war Übergabe.

Jana und ich ziehen ins Dachzimmer.

Und haben gleich darauf Gelegenheit alleine den achtzig Meter hohen Marienkirchturm zu besichtigen.
Im Gegensatz zu vielen ihrer Zeitgenossen sind die Glocken noch original, wurden nie im II. Weltkrieg eingeschmolzen. Die Zifferblätter der Uhr sind fünf Meter im Durchmesser. Die Kirche selbst hat den Krieg und die nachfolgenden Jahre nicht überlebt.

Wie auch immer, wie sich manche Dinge doch (nicht) ändern.


Jana und ich haben uns lange darauf gefreut, und dann war es plötzlich so weit: wir liessen die Jungs mit ihren Grosseltern in Wismar zurück und machten uns auf den Weg nach Amsterdam und mehr.

Die Erwartungen sind hoch, die Strecke jedoch zieht sich.
Pause im Grenzgebiet.


Amsterdam
Auf holländischer Seite war das Fahren schlagartig entspannter. Und, Mensch, das Land ist flach!
Amsterdam, so heisst es, dürfte es eigentlich so gar nicht geben. Ohne Deiche wäre ein Drittel Hollands überflutete. Die Gegend nördlich von Rotterdam liegt wohl bis zu sechs Metern unter dem Meeresspiegel.

Die Stadt ist unglaublich facettenreich, aber die sprichwörtliche Lebensfreude und Toleranz prägen das ganze Stadtbild. Im Reiseführer steht geschrieben, dass Toleranz und Geschäftstüchtigkeit Amsterdam zu Spitzenstellungen in Kunst, Kultur und Architektur verholfen und zu einer der wohlhabendsten Städte Europas und Holland zum grössten Warenhaus der Welt haben werden lassen.

Endlich am Ring, fahren wir zunächst bis zum Hotel, an der äusseren Seite des Vondelparks, der grünen Lunge der Stadt. Beim Aussteigen schon heisst es aufpassen, will man nicht von Fahrrad oder Scooter angefahren werden. Sofort nimmt dich die Geschäftigkeit in Beschlag. Nach dem Einchecken suchen wir eine P+R-Station auf und bewegen uns die nächsten vier Tage nurmehr per Bahn und zu Fuss.
Dinner haben wir in einem Lokal an einer der Hauptstrassen. Man ist auf Touristen eingerichtet. Die Story mit dem Hering ist zu lang, nur soviel: "It's Dutch. It's nice."
Auf eine Grachtentour sind wir nicht verfallen, unser Sinn stand vornehmlich nach Museen, nach Bier und Snack auf der Strasse, aber auch nach ungezwungenem Schlendern über Märkte und nach Aufrüsten beim Künstlerbedarf.

Gleich am Anreiseabend hätten wir es tun können und sollen, haben es uns aber ausreden lassen: das Anne-Frank-Haus. Ein Fehler, wie sich herausstellte, später waren uns die Schlangen einfach immer zu lang.

Aber Dank vorbestellter Karten kamen wir etwas schneller ins Reichs- und auch Van Gogh-Museum.
Und weil noch Zeit war, haben wir auch noch das Tropenmuseum mitgenommen.

Rijksmuseum
Wir hatten Glück, der grosse Umbau war beendet, das Museum also wieder zugänglich, und damit die Nachtwache auch an ihrem Platz.
Fotografieren war erlaubt, und wir haben für uns auch ein paar Highlights festgehalten, z.B. Meissner Porzellan, unter anderem auch vom berühmten Schwanenservice, Laterna Magica, Schiffsmodelle, Schlüssel und Schlösser, moderne Kunst, und natürlich die holländische Malerei des sechszehnten und siebzehnten Jahrhunderts.

Van Gogh Museum
Ein Viertel seines Schaffens sollen im Besitz dieses Museums seins. Freitags hat das Museum bis zehn am Abend geöffnet und vor unserem eigentlichen Rundgang haben wir im Museumscafe geabendbrotet.
Die Anziehungskraft seiner Bilder liegt wohl nur zum Teil in ihrer Qualität und Aussage, mindestens ebenso trägt die tragische Lebensgeschichte der Künstlers dazu bei.
Wir sind beeindruckt, die kräftigen Pinselstriche und deren Verschmelzen bei genügend Betrachtungsabstand wirken am besten am Original.
Starry Night allerdings war nicht zu bewundern, das hängt wohl in N.Y.

Tropenmuseum
Im ehemals grössten Museum Amsterdams sind bis dato hauptsächlich Exponate holländischer Kolonien ausgestellt. Muster- und Handwerkliebhaber kommen hier voll auf iher Kosten. Eine Tür in der Tür der Dogon hat sicher Seltenheitswert.

Zurück auf den Strassen: Nicht überraschend war die Vielfalt an Fahrrädern, von denen es angeblich mehr als Einwohner gibt. Seit Schweden stehe ich wieder mächtig auf Drahtesel.


Mit Bildern haben wir uns beide dieser Tage eher etwas zurückgehalten. An Motiven hat es beileibe nicht gemangelt, aber die notwendige Energie ihnen nachzurennen haben wir nicht aufbringen wollen. So ein Coffeeshop gibt natürlich einiges her, oder auch die Chinesin in ihrem Aufputz bleiben uns hiermit auch so in Erinnerung.

Sehenswert war auch der Typ, der beim Versuch sein Fahrrad abzuschliessen, in einem Haufen umstürzender Fahrräder halb begraben wurde.

Auf dem Weg nach Texel machen wir Mittagspause in Monnickendam. Ein Arbeitskollege hatte mir das geraten.


Texel

Texel war mir vorher noch kein Begriff, aber sowas ändert sich ja schnell, wenn man einmal im Netz unterwegs ist. Die grösste und westlichste der Westfriesischen Inseln soll uns zwei Tage Ruhe und Gelegenheit zur Reflexion geben.
Die Überfahrt dauert keine halbe Stunde. Hungrige Möven begleiten das Schiff.


In Burg decken wir uns beim Albert Heijn wieder gut ein.
Doch viel weiter kommen wir dann erstmal nicht. Ein Mohnfeld hält auf. Ich mag Mohn. Aus der Unmenge Bilder filtere ich dieses.


Beim Auffinden der Unterkunft stellen wir uns untypischerweise etwas ungeschickt an.


Aber schliesslich kann der Urlaub beginnen.

Wie schon in Amsterdam: Niemand hindert uns, unsere Wege zu gehen. Keiner drängelt oder quengelt.


Ich hatte mir diese Ecke an der See viel rauher vorgestellt. Kein Seegeruch, kaum Tang, feinster Strand. Überhaupt der Strand, sowas habe ich noch nicht gesehen. Hier an der Nordspitze der Insel ist er sicher mehrere Hundert Meter breit. Manche Familien hat das nicht abgeschreckt. Ach, uns ging's gut.
Eigentlich hatte ich ...auf dem Plan, aber uns war es zu heiss, so blieben wir nach dem Frühstück einfach sitzen, legten uns aufs Bett, oder amüsierten uns bei einer Tasse Dinkelkaffee auf der Terasse mit einer Sächsischen Zeitung.
Hinter den Dünen liegen schöne mit dem Rad und zu Fuss erkundbare Landschaften. Die haben wir uns dann am späten Nachmittag und nach dem Abendbrot angesehen.
Vollmond war dieser Tage auch. Wie gesagt, die Terasse war ein guter Platz.

Die Zeit war um wie nix.
Jetzt sind wir uns allerdings auch ein wenig mehr im Klaren, welche Art Hund wir eventuell mal als Familienmitglied in Betracht ziehen würden: andere Gäste hatten einen Kurzhaar-Collie ganz nach unserem Geschmack.


Hamburch
Hamburg hatten wir weniger zum Sightseeing auf der Liste, sondern für profanes Einkaufen. Ein Blick in die Speicherstadt und ins Geschäft bei Verwandten musste aber natürlich sein.
Ganz oben auf meiner Liste stand natürlich auch Harry's Hafenbasar. Kurz nach der Wende war ich schon mal in Hamburg, durch den VDI, und bin mit ein paar anderen Dresdner Studenten auf einem unserer Streifzüge bei Harry gelandet, damals noch in der alten Lage. Ein Typ ist immer mit einem Duftspray vor uns durch die vollgestopften Kellergänge gegangen, um den unsäglichen Katzengestank zu überdecken. Aber damals habe ich mir meine erste afrikanische geschnitzte Figur überhaupt zugelegt. In der Zwischenzeit ist bestimmt wenig dazu aber einiges weggegangen.
Jetzt zieht der Laden wieder um, wir waren quasi auf dem letzten Drücker da. Viel steht aufeinandergestapelt und unzugänglich, hoffentlich ist auf dem zukünftigen Museumsschiff mehr Platz. Seltsamer Zufall, aber als ich meinte es wäre genug und es ans Bezahlen ging, verblieb auch kein Schein mehr im Portemonaie.
Mit dem Auto sind wir nur einmal los für einen indischen Möbelladen, sonst immer mit der schnellen U-Bahn, zu Fuss, oder Boot.
Die letzten Tage waren übrigens unerträglich heiss geworden. Gute Idee von D & S nach unserem Besuch in ihrem Laden statt der Metro doch eine Fähre zu nehmen, so sind wir zu etwas Abkühlung und auch gleich 'ner kleinen Hafenrundfahrt gekommen.

Kummer
Die Fahrt durch ostdeutsche Landen hat nach wie vor etwas Melancholisches.
Ich fühle mich hier sofort zuhause, weiss aber, dass es allerdings nichts werden würde.
Felix und Henry ging es gut bei der Grosstante. Zeitweise konnten sie sich bis zu fünf Erwachsene der Reihe nach vornehmen. Sie waren auch baden und auch im Rostocker Zoo. Die Bobby Cars haben sie immer gut beschäftigt. Jana und ich mussten auch gleich mal ran.
Es wäre gelogen zu sagen, ich hätte nicht befürchtet, dass es sich nicht ausgehen würde, aber ich habe alle bei Helga lagernden Bestellungen ins Auto geladen bekommen. Jana hatte recht, Bodins können jetzt auch packen. Dies war natürlich die Stunde der Dachbox. Nicht nur hatte ich Platz für die Mitbringsel von Harry, sondern auch für das Biomega, das ominöse Fahrrad ohne Kette.
Wie schön, bei der Fahrt über die Dörfer auf dem Weg nach Kiel sehen wir Störche.

Die Fährfahrt nach Göteburg war wieder sehr angenehm. Das Abendbrot war nur etwas spät und auf dem Deck waren wir nur kurz; ein gewaltiges Sommergewitter hat alle vertrieben.


In Schweden selbst waren die ersten beiden Tage noch verregnet und trüb, brachten aber auch die erhoffte Abkühlung mit anschliessenden schönen Tagen.





zurück zur Reisehauptseite