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Graz
September 2014



Lang it's her
Wir hätten Graz auch mal wieder besucht wenn wir nicht alte Freunde hätten unbedingt wieder sehen wollen. Aber eher als Teil unseres Lebens, nicht weil wir uns so hingezogen fühlen. Das ist nun mal so und tut den Freundschaften ja keinen Abbruch.
Zur Stadt selbst weiss ich nicht was das immer soll. Graz wird in den Medien immer als Oesterreichs Nummer zwei angepriesen, es sei frisch und ueberraschend und modern. Einwohnerzahl ist doch nicht alles. Ich habe eher den Eindruck, so richtig will das gar keiner. Muss ja auch nicht. L meinte auch ganz treffend zur Gegend hinter der AVL, es saehe eher aus wie ein einziger Jahrmarkt.
Jedenfalls sind dreizehn Jahre seit unserer Zeit in Graz ins Land gegangen.
In Graz verbrachten wir die vergleichs- weise längste Zeit auf diesem Trip. Jeden Tag treffen wir Freunde und tingeln umher. Unsere alten Strassen suchen wir auf und sind sprachlos an der Zweiglgasse noch unser Namensschild zu finden. Am Abend im B&B spielen wir die Idee eines Lebens in Graz durch (und verwerfen sie natürlich); freilich würde es gehen und wir hätten gute Freunde und viele Bekannte in unmittelbarer Nähe, aber unter dem Strich glücklicher wären wir wohl nicht.
Frühstück hatten wir üblicherweise im Cafe schräg gegenüber. Die fünfzig Meter Fussweg waren genau das richtige Mass zu dieser Stunde. Einmal waren wir beim Sorger, da gab’s besagtes Weichei zur Auswahl. Zu unserer Zeit sassen wir dort manchmal Freitag Nachmittag nach Arbeit im ersten Stock auf dem Balkon für einen Kaffee bevor wir im Buchladen gegenüber nach Büchern im Abverkauf fahndeten. Das war aber wohl alles nicht mehr.
Hervorzuheben ist natürlich noch unser Ausflug in die Südsteiermark (zu Gott). Vielleicht gibt es sie noch, die kleinen genügsamen Buschenschanken, mein Eindruck ist jedoch gegenteilig. Da wird ausgebaut auf Teufel komm raus, Platz ist für die grössten Reisebusse.
Das Beste war noch die Flasche Kernöl, das haben wir uns noch lange schmecken lassen.
Am Abreisemorgen wollte ich unbedingt noch zum Auer bei uns in der Nähe. Zu unserer Zeit wurde ja eingeführt Brot zum halben Preis ab 18 Uhr zu verkaufen, da starrte dann die Kundschaft mit steifen Gesichtern auf den Sekundenzeiger. Aber das Brot (und die Aufmachung) waren schon immer erste Klasse.
Wir hatten also ein zweites Frühstück dort und ich konnte es kaum aushalten, den erstandenen Laib auf unserer ersten Pause auf der Fahrt nach Berlin in Kernöl zu tunken und mit Liptauer zu bestreichen.



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