Juli 2017

Washington State Exploration, Juli 2017






Everything you want is on the other side of fear

Jack Canfield







Für ein paar Tage nach unserer Rückkehr aus Schweden machen wir Pause zu Hause und bereiten in Ruhe den nächsten Ausflug vor: Wir wollen uns Washington State mal genauer ansehen, die Grundlagen schaffen, eine gute Entscheidung treffen zu können, wohin genau wir im nächsten Jahr umziehen wollen. Oregon oder Idaho haben wir schon ausgeschlossen, nach allem was wir wissen wollen wir nach Washington. Dazu haben wir als Anlaufpunkte auf der Liste:
Spokane, Seattle, Bellingham, Vancouver.

Ursprünglich wollten wir die Reise mit unserem Camper machen, klarerweise. Aber weil wir ja nun doch nicht mehr soviel Zeit hatten (die knappe Hälfte der zweimonatigen Schulferien waren ja schon um) und wir ja im Grunde eher Stadtgebiete besichtigen wollten, haben wir uns wieder über Airbnb eingemietet.

Aber gefahren sind wir die Strecke trotzdem. Je vier Tage hat die Hin- und Rückreise in Anspruch genommen. Das war natürlich aufwendig, aber 'ne Ecke günstiger und weniger umweltschädlich als mit dem Flugzeug (eine Tonne weniger CO2). Und für die Strecken in Washington hätten wir ohnehin das Auto genommen.








Interstates & Co., I


Die nördlichen Bundesstaaten erlauben ja achtzig mph, das sind dann praktisch knapp hundertvierzig km/h, die kann man auch weitgehend dauerhaft fahren, und so ging dann schon was weiter.
Richtig gegraut hat uns nur vor den Übernachtungen im Mittleren Westen. Die einfachen Hotels sind einfach schrecklich. Und für Pausen unterwegs muss man klimatisierte Raststationen aufsuchen.

Was gibt's denn so zu sehen in Iowa? Mais!



Aber weiter westlich machte so ein Picknick im Freien wieder Spass. Am Devils Tower in South Dakota haben wir einen kleinen Umweg eingelegt, aber da waren wir alle noch nicht so richtig drauf.



Bevor es in die Rockies ging zog ein Wetterchen durch. Felix hatte Spass beim "Blitzen".



Aus dem Mittleren Westen kommend grenzt dann selbst ein Städtchen wie Missoula in Wyoming, unserer letzten Station vor WA, ans Paradies. Die Luftfeuchte ist im Rahmen, im Supermarkt gibt es sogar deutschen Käse. Auf der Rückfahrt aber schmähen wir nach dem Erlebten selbst diesen Ort. So verloren. (Den Käse gab's auch nicht mehr, hamse weggehaun, weil ihn keiner kauft. Gott.)


Jetzt ist es nur noch ein Katzensprung bis Spokane. Und trotz aller Erkundungen wollen wir nicht vergessen, dass wir ja auch Urlaub haben und darum geht's hier auch hauptsächlich.
Also los.



Spokane

Wir waren also zeitig in Spokane (pronounced Spo-CAN) und bevor wir Quartier bezogen konnten gucken wir uns gleich mal den Spokane River an. Soll schön zum Baden sein und es war auch eine klasse Erfrischung. Temperaturen und Luftfeuchte und unsere Stimmung waren im grünen Bereich. Henry brauchte etwas Überwindung, aber mit Felix bin ich zum Inselchen geschwommen.


Jeden einzelnen Tag brauche ich hier nicht im Detail beschreiben. Spokane ist relativ gross mit über 200000 Einwohnern, Downtown gross genug, dass Verrückte eine Chance haben. Die Stadt selbst mehrheitlich demokratisch, aber das Umwelt natürlich republikanisch. South Hill wäre unsere bevorzugte Wohngegend. Die Leute erscheinen sehr freundlich, viel freundlicher als Columbus zum Beispiel. Wir treffen Bekannte in Nine Mile Falls die mal in Columbus gelebt haben. Als überzeugte Kirchgänger lassen sie praktisch nie ein auch nur annäherungsweise schlechtes Wort über andere raus, aber ob meiner Beschreibung warum ich unter anderem Cummins verlassen habe ernte ich zumindest ein bestätigendes Kopfnicken und er lässt sich zu der Aussage hinreissen, in Indiana seien die Leute "more standoff-ish".


Aber nicht nur den Fluss, auch schöne Badeseen sind zu finden.



Während die Jungs sich vergnügen und auch mit anderen Kids Frisbee spielen beobachten Jana und ich auf dem Steg sitzend einen Osprey, einen Fischadler, wie er vielleicht nur fünfzig Meter weiter ins Wasser stürzt und einen Fisch ans Land, also in die Baumkrone zieht. So was ist immer immens 'spirit lifting'.




Interstates & Co., II


Weiter westwärts die I-90 kreuzt man zwangsläufig den Columbia River. Karg das Land noch, aber mächtig bereits der Strom. Gute Gelegenheit für eine Pause.




Duvall (Metro Seattle)


Wo soll man hin, wenn man sich den Grossraum Seattle anschauen will? Sechzig Prozent des Bundesstaates siedeln hier. Wir finden ein erschwingliches Obergeschoss zur Miete in Duvall. Das liegt für uns günstig, wie sich herausstellt. Das allerdings die Hauspreise in der Gegend und oft auch der Verkehr jenseits von Gut und Böse sind, macht die Sache allerdings auch wieder leichter. Microsoft, Amazon, Paccar, Boeing usw. zahlen offensichtlich gute Gehälter und die Leute nehmen bekanntermassen einen Commute von locker einer Stunde und mehr in Kauf. Aber zu schnell ist man auch weg vom Schuss, und die Orte werden uns zu klein. Also, das wird hier nix.


Nach den eher mittelprächtigen Unterkünften der letzten Tage haben wir hier übrigens richtig Komfort. Auch das Bett ist super bequem. Und nicht, das wir es nicht schon wüssten, aber so 'ne Kapsel-Kaffeemaschine kommt mir nicht ins Haus.
Die Hausherren arbeiten jedenfalls auch im Real Estate Business, wir haben ein paar nützliche Hinweise erhalten.



Felix hat gemerkt, dass seine Form nachgelassen hat und in Vorbereitung auf das kommende Schuljahr dreht er ein paar Runden auf dem Schulsportplatz in der Nähe, während ich mit Henry den Spielplatz teste.



Aber weil wir schon mal da sind, machen wir natürlich einen Abstecher nach Seattle. Public Market, die Kaugummiwand, Waterfront, Blick auf die Space Needle, was man so macht.



Übrigens, hier in Duvall habe ich das letzte Stück Harzer Käse von der Europarundreise im besten Reifegrad genossen. Experiment geglückt. Wenn das nichts ist!



Bellingham


Für Bellingham hatten wir nur zwei Nächte statt der üblichen drei reserviert, nach dem Motto "wird's sowieso nicht, aber müssen es bestätigen". So sicher sind wir aber jetzt nicht mehr, soll heissen, hat uns auf Anhieb gefallen. Achtzigtausend Einwohner, gute Infrastruktur und Aufteilung, Salz- und Süsswasser und Mount Baker in Reichweite. Der Hauskauf wird zwar auch ein 'stretch', aber die Inserate machen uns schon ganz hippelig.

Also das Wetter war ja fantastisch dieser Tage. Wenn man schwitzen will, setzt man sich in die Sonne, aber selbst da braucht es seine Zeit. Das Nachts wird es richtig kühl. Wir fühlen uns freundlichst an Schweden erinnert.

So nördlich von Seattle und westlich der Kaskaden zu sein fühlt sich einfach richtig an. Bis Kanada (British Columbia) sind es bloss noch so um die dreissig Meilen. Als einzige wirkliche Herausforderung sehen wir die verregneten Winter der Nordwestküste. Schnee gibt's am Mount Baker zwar zur Genüge, nur ohne Fahren kommt man da halt nicht aus.

Und wie gesagt, wir haben auch Urlaub und nirgends habe ich so viele Bilder von uns wie beim Baden gemacht. Lake Padden. War'n ja auch zweimal da.




Interstates & Co., III


Durch Seattle kommen wir besser als gedacht, das heisst mit weniger Stau als befürchtet.
In Olympia machen wir Mittag. Auf dem Farmers Market treffen wir uns mit Riana, einer Kalligrafie-Freundin Janas.



Vancouver


Vancouver, also das gegenüber von Portland, nicht das kanadische, stellt eine interessante Alternative zum quirligen Portland da, wenn man denn nicht in Oregon leben will. In Washington wohnend muss man keine bundesstaatliche Einkommenssteuer zahlen und kann leicht die Vorteile eines mehrwertsteuerfreien Einkaufens in Oregon geniessen.

Aber das allein reicht natürlich nicht. Und so sehr uns Portland prinzipiell gefallen hat - es ist weniger abgehoben und erscheint erschwinglicher als Seattle, Outdoor and alternative Lifestyle sind ganz dicke - so wenig mögen wir aber den uns zu sehr an den Mittleren Westen erinnernden Auftritt breiter Massen. Im Gegensatz zu Spokane oder Bellingham hat es bei Vancouver auch nicht so richtig gefunkt.

Wegen oder vielleicht auch Dank Amazon ist Powell, The City of Books, "a Portland thing", ein Besuchermagnet. Haben wir uns natürlich mal ein bischen angeguckt und sind noch etwas in Downtown rumgetingelt.




Interstates & Co., IV


Auf der Rückfahrt machen wir noch mal in Spokane's South Hill eine Pause, essen ein Eis und laufen ein paar Strassen. Noch können wir keine Entscheidung treffen, aber für den Abgleich ist der Halt noch mal wichtig.
Für die Nacht machen wir wieder Station in Missoula. Gehen mal richtig Abendessen. Gehobene Küche, hat geschmeckt, aber die Kellnerin wollte uns doch tatsachlich bescheissen.



Die Rückfahrt zieht sich insgesamt mehr, kommen wir doch von Vancouver statt Spokane und weil es gar nicht so einfach ist, im Niemandsland South Dakotas oder Nebraskas eine Unterkunft vorzubuchen, verschlägt es uns auf die zwar nicht längere, aber langsamere I-80. Mehr als auf der Hinfahrt teilen Jana und ich uns aber die Fahrerei und wir kommen gut durch.




Summasummarum


Eines habe ich bis jetzt noch überhaupt nicht richtig angesprochen, die Landschaft. Von der östlichen Hälfte abgesehen, hat Washington natürlich den Namen verdient, The Evergreen State. Gefällt uns gut. Am meisten beeindruckt haben mich jedoch die Präsenz der Vulkane: Mount Baker, Mount Rainier, Mount St. Helens, und Mount Hood. Wie sich deren schneebedeckte Gipfel plötzlich bei Annäherung auf der I-90 oder I-5 zum Beispiel auftun, das hat uns begeistert.

Und wir haben es noch mal bestätigt bekommen, hier oben sind unsere Allergien quasi non-existent. Noch ein Grund mehr für den Umzug.


Mount Hood im Hintergrund bei einer Pause bei Camas, ein paar Meilen westlich von Vancouver.



Jetzt gilt es jedenfalls Hausaufgaben machen. Während der Fahrt haben wir schon Kriterien gesammelt, die wir dann zu Hause für jeden in Frage kommenden Ort anwenden wollen. Da spielen also dann Klima, politische Mehrheit, Schulqualität, Rednecks, Fahrradwegenetz, usw. eine Rolle. Ein Ort liegt bis jetzt immer vorn, aber je nach Wichtung ändert sich der zweite Platz. Noch ist jedenfalls nichts entschieden.
















Einen hab ich noch


Die Not ist gross, hier noch ein paar Szenen, die wir nicht vergessen wollen.





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