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W Baker Hollow Rd.

2015 bis 2018. Nun also der richtige Schlusstrich.


Eine mittlere Ära geht zu Ende. War ziemlich ereignisreich, unsere Zeit in Columbus, Indiana, in der West Baker Hollow Road. Prägende Jahre für unsere Jungs, die einträgliche, aber strapaziöse Anstellung bei Cummins, Lehrjahre in vielerlei Hinsicht.

Das Haus war schön, die Garage sagenhaft, das Grundstück großzügig. Aber alles zuviel für uns, wie wir im Laufe der Zeit festgestellt haben. Wie schon an anderer Stelle erwähnt, hat uns die Zeit in Schweden Gelegenheit zur eingehenden Reflexion gegeben und wir sehen nun klarer. Aber mehr als alles andere haben uns einfach das Klima (seit Ende sechzehn dann auch das politische) und die mittwesternliche (Un-)Kultur regelrecht vertrieben. Dank FIRE war unser Umzug in neue Gefilde besiegelt. Mit Mitte Juni zweitausendundachtzehn und unter Abrechnung unserer Schwedenzeit ziehen wir Schlussstrich unter praktisch einer vollen Dekade.
Das Haus war ein durchgängig typischer amerikanischer Stil. Nicht immer praktisch, manchmal, da wo es drauf ankam, sogar knauserig (Küchen-, Wohnzimmer- oder Badgrösse), aber sonst großzügig und zuviel des Guten (was sollen wir mit dem riesigen Schlafzimmer). Der Baumeister, der das Haus selbst für fünf Jahre bewohnte, hat im Innenausbau allerdings Wert aufs Detail gelegt und auch bei den Fenstern zum Beispiel wenigstens nicht geknausert. Mit der Zeit war uns der Grundriss dann doch zu offen und wenn wir geblieben wären, hätte ich daran auch was geändert.
Für den anstehenden Hausverkauf sind wir noch ein paar Dinge angegangen: größeres Fenster im Bad (das hatte ich schon seit vor Schweden, bin aber nie zum Einbau gekommen), eine Granitplatte für die Küchenzeile (darauf fährt man hier ab), eine Erneuerung der Auffahrt (gebrauchte Eisenbahnschwellen als Begrenzung und neuer Kies), und die Auffrischung des Decks hinterm Haus (erst wollte ich das komplett ersetzen, zum Glück nicht gemacht, nur ausgebessert, gereinigt, und einen neuen Anstrich verpasst).
Also, wenn ich die folgenden Bilder aus dem Verkaufsprojekt so sehe, bin ich glatt beeindruckt. So aufgeräumt im weitesten Sinne sah es vorher (und vielleicht auch nachher) nie wieder aus.
Die ganze Einfahrt habe ich neu gemacht, d.h. die Einrandung und alles mit Kies neu aufgefüllt (wobei die Hauptarbeit mein Nachbar mit seinem Traktor gemacht hat). Nach Regen war der straßenseitige Bereich sonst immer tagelang abgesoffen. Die Fensterläden (Attrappen, wie hier üblich) habe ich erst im letzten Jahr „dran geklatscht". Wir hatten eine schöne Blautanne in der Ecke vor dem Haus stehen. Während wir in Schweden waren, ist sie leider eingegangen. Die ganze Hausfront und ein paar andere Ecken musste ich nach diesen mehr als zehn Jahren auch erstmal ordentlich von Algenwuchs befreien. Der so genannten Sunroom zur Rückseite. Frischer Mulch in der Umrandung sieht immer gut aus und die Yuccas erst recht wenn sie blühen. Die Wegplatten habe ich sehr günstig bekommen.
Jaja, das Baumhaus. Mehr dazu an anderer Stelle. Das Deck. Gut, dass ich mich entschieden habe, dass ein Auffrischen reicht. Schon ein schönes Objekt. Übrigens, im allerletzten Herbst hat er uns dann auch erreicht, der Emerald Ashborer, dem schon in Michigan Millionen von Eschen zum Opfer gefallen sind.
Eingangsbereich und Treppe nach oben Der Den, ein zusätzliches Zimmer, das nicht als Schlafzimmer qualifiziert, weil es keinen begehbaren Schrank hat. War unser Hobby- und Papier-, etc.-Stauraum. (Hier wunderbar leer und aufgeräumt wie nie zuvor...) Blick aus dem Den zurück in den Eingangsbereich.
Das war für uns immer ein Bereich für die Jungs. Nach Schweden hatten wir der Jungs Schreibtische da stehen. Jetzt hergerichtet zum Verkauf. Flur zur Laundry und Garage. Laundry.
3+ Car Garage. Gute 100 m2. Das war ein fetter Pluspunkt. (Hier nach der Rückkehr aus Schweden.) An der Decke noch die Reste der Absaug- und Filteranlage für die Sägen. Die Küche mit der unvermeidlichen „Insel“. Blick von der Küche, über den Essbereich, ins Wohnzimmer, mit dem Sunroom nach rechts.
An diesem Tisch sitzen wir gerne. Unverwüstlich, Platz für sechs bis acht Leute. Helga: „Was macht ihr mit so einem großen Tisch?“. Wohnzimmer. Das ist nun wieder vergleichsweise klein ausgefallen. Die Klippan Sofas von Ikea sind auch schon uralt und habe ich auch schon mal nachgebessert. Ein 'ventless' gas fire place, den wir nur einmal bei dreitägigem Stromausfall benutzt haben. Die Kabel für die Musik und TV durch die Wände zu ziehen „was a pain in the a...". Die Stehlampen haben wir dem Käufer vermachen können. Sunroom, quasi unser Office. Die Rattan-Couch vom Sperrmüll in Michigan. Jana’s Schreibtisch (rechts) noch vom Gebrauchtmöbelmarkt (BAN) in Graz (jetzt verkauft). Meine Mutter hatte ja schon immer ein Problem mit unverhängten Fenstern bzw. Jalousien: „Oh, Jana hat jetzt (endlich) Gardinen“.
Oberer Flur mit der Jungs grosse Zimmer rechts bzw. links abgehend. Welch ein Luxus. Henrys Zimmer. Die Kommode ist auch noch vom Gebrauchtmöbelmarkt (BAN) in Graz. Begehbarer Schrank nach rechts. Felix’ Zimmer. Die Couch ebenfalls vom Sperrmüll in MI. In der Ecke der Schweinekäfig (Meerschweinchen). Begehbarer Schrank nach links.
Oberer Flur. Richtung 'Master Bedroom (MBR)'. Das vierte Zimmer haben wir als Bibliothek genutzt. Hier die Regale schon verkauft, alle Bücher verpackt. Aber auch als Gästezimmer benutzt. In der Ecke ein begehbarer Schrank. Habe es nie geschafft, die grottenhässliche Deckenlampe auszuwechseln. Der Jungs bzw. Gästebad. Über der Wanne gab es anfänglich nicht mal ein Licht.
Master Closet (begehbarer Schrank), ebenfalls schon sehr leer geräumt... Unser Schlafzimmer (MBR). Die blauen Kommoden auch noch aus Grazer Zeiten. Master Bath. Den Whirlpool haben wir so gut wie nie benutzt. Dafür habe ich dieses größere Fenster eingebaut.

Yup, vor der Verkaufsoffensive sah es aus: der Jungs Schreibtische...



Aber, wie gesagt, alles zusammen war eine halbe Nummer zu groß. Hat mich zuweilen genervt, dass ich nie richtig mit all den geplanten und ungeplanten Aufgaben und Projekten hinterhergekommen bin, selbst als mit Cummins Schluss war. Einen Teil davon schiebe ich auch aufs Klima. Wenn es draußen schweineheiß oder –kalt ist, geht da schon mal nichts weiter und auch drinnen bzw. in der Garage ist man beeinträchtigt. Meine Theorie ist, dass zum Teil deswegen der Mittlere Westen auch so lustlos und schlampert ist.

Von einer Sache zu lassen, hat mir jedoch ein paar Schmerzen bereitet: das ganze Holz. Hauptsächlich die Schwarzkirschen und Akazien. Der Zahn der Zeit hat einigen Holzbruch verursacht, ein paar Bäume waren auch zu nah am Haus, jedenfalls habe ich mit dem Kettensägeaufsatz einige Bretter und Blöcke geschnitten die ich nicht einfach so zurücklassen konnte bzw. wollte (für, wiedermal, zukünftige Projekte). Selbst eine große Menge dieses wunderschönen, abgelagerten Feuerholzes habe ich verpackt (Ha!).
Meine geschätzte Husqvarna. 60 cc. 24 Zoll Blatt. Die habe ich mitgenommen (obwohl ich noch nicht weiß, wann ich sie wieder brauchen werde). Die 18 Zoll Stihl habe ich gut verkauft. Black Locust (Akazie). Für mich das beste einheimische Holz. Übertrifft in der Verrottungsresistenz alles (außer Tropenholz). Extrem hart, aber auch schwer zu trocknen. Mit dem Sägeaufsatz und einer speziellen Kette kriegt man ziemlich saubere Schnitte hin.

Apropos Verpacken, Dank des Umzugs zurück von Schweden hatten wir keinen Mangel an professionellen (und damit meine ich professionelle) Umzugskartons.
Nochmal apropos Verpacken. Wir haben das neue Haus zwar persönlich ungesehen gekauft, für die mentale Einstimmung und die Umzugsplanung sind wir dennoch im April zweitausendundachtzehn (wir hatten gerade zwei Tage zuvor quasi unser altes Haus verkauft) nach Bellingham geflogen. Gezielt haben wir danach aussortiert, uns teilweise auch von Geliebtem getrennt und die neue Leichtigkeit genossen. Das betraf alles von Möbelstücken bis Unmengen Kleinkram. Auch on den Maschinen in der Garage habe ich keine mit genommen (Tischkreissäge, Bandsäge, Gehrungssäge, Spindelschleifmaschine). Auch Werkbänke, Werkzeugkisten, und Vorratsschränke, alles verkauft. Die Scheune haben wir auch gut leer bekommen. Erstaunlich, wie viel ich wieder zurück in den Baumarkt schaffen konnte. Randy ist mir auch noch gut in Erinnerung: „I can’t believe I’m buying this sun umbrella“. Und natürlich „The Kickin'“, mein „Verkaufsagent“: Ein Veteran auf Stütze, mit dem ich Halbe-Halbe gemacht habe, wenn er einen Käufer für meinen Mist aufgetrieben hat. Viel haben wir auch verschenkt und gespendet, den Rest durften wir dem neuen Eigentümer einfach dalassen. Welche Erleichterung, den Handrasenmäher und –traktor los zu sein. Und das ganze andere Gerassel. Alles weg. Raus aus dem Kopf. New life. Den allerletzten Rest, eine Karton voll uralter Matchbox, habe ich noch mit in die Zwischenunterkunft zu Mathias mitgenommen, jeden fotografiert, und dann gespendet (und doch noch einen aufbehalten, verdammich).
Weiß zwar nicht mehr, was mich einst dazu getrieben hat, aber an diesen Bildern von irgendwann zwischendurch kann ich mich noch mal gut ergötzen.

Low Lifes agieren ja häufig gegen ihre Interessen, jedenfalls haben sich unsere Gegenübernachbarn eine Rassekatze zugelegt – und, wie nicht anders zu erwarten, begonnen, sie zu vernachlässigen. Klar, dass sich das Tier bei uns wohl fühlt, wenn es Ruhe und Streicheleinheiten bekommt. Besonders Felix war ihm angetan. Wir (ich) nannten ihn Burkhart. Auch Möchen, weil wir ihn nicht hungern sehen konnten, und er immer sooo gern was wollte (möchte). Die Dose mit dem Futter haben wir entsprechend mit „was hahm“ beschriftet.
Ins Haus gelassen haben wir ihn nicht, aber eine wetterfeste Hütte habe ich ihm gezimmert. Gelegentlich kam das Mädchen von drüben um ihn zu holen. Nach drei Tagen eingesperrt sein war er wieder bei uns, frisch gewaschen, duftend und mit Halsband versehen, was er sich wenig später wohl selbst abgefummelt hat. Nachdem er dann ein halbes Jahr vor unserem Wegzug für mehrere Wochen nicht zu sehen war, haben wir ihm kein Futter mehr gegeben als er wieder leicht verstört bei uns auftauchte, zur Entwöhnung. Konnten ja nicht wissen, wer nach uns hier einzieht.

Wenn also wettermässig draußen was anzufangen war, haben wir das genutzt. Dabei sind uns wie immer interessante Dinge zu Gesicht oder vor die Linse gekommen. Zum Beispiel die nicht mehr so unbekannten Stabinsekten oder Gottesanbeterin oder auch mal ein Waschbär oder Opossum.

Die Feste haben wir auch fleißig gefeiert wie sie fielen, von Ostern bis Halloween.

Die traditionelle Kanufahrt zum Osterhaseneinsammeln musste im letzten Jahr leider ausfallen. Im Zuge unserer Verkleinerung haben wir auch das Kanu verkauft. Hat immer Spass gemacht.


Ich verkünde ja nichts neues, wenn ich sage, dass uns der Herbst immer am besten gefallen hat. Endlich Entspannung vom heißen Sommer, aber auch noch warm genug, am Abend am Lagerfeuer zu sitzen und sprichwörtlich die heißen Kartoffeln aus dem Feuer zu holen. Ein paar Mal haben wir aus dem ganzen geeigneten Abfallholz meiner Projekte „burning men“ gebaut.

Schön auch war immer, wenn wir auf unserem Teich ein paar Runden Schlittschuh laufen konnten. Und jedes bisschen Schnee haben wir sowieso genutzt.

So sehr wir also nur darauf gewartet haben, diesen Teil unseres Lebens hinter uns zu lassen, dürfen wir nicht vergessen, hier sind unsere Jungs zum Teil groß geworden.

Anfang August ging immer die Schule wieder los. Seit Schweden schaffe ich beide Jungs vor meiner Arbeit in die Schule, wie immer machen wir ein Foto zum Schuljahresbeginn.

Es gibt auch ein Bild von zweitausendundneun wie ich mit dem sechsjährigen Felix unsere Strasse vor zum Schulbus gehe. Das haben wir acht Jahre später, also zweitausendundziebzehn aus Spaß nachgestellt.


Tja, der Verkauf des Hauses lief über alle Massen besser als erwartet. Nach achtundvierzig Stunden auf dem Markt hatten wir schon ein Angebot, das wir nicht ausschlagen konnten. Zweifel an der Cash Offer gab es auch nicht, die Käufer waren gerade zu einer Menge Geld gekommen. Ungefragt haben sie uns sogar fünfundvierzig Tage Zeit bis zum Auszug gelassen.




Das passte perfekt, um den verbleibenden Monat bis Schuljahresende bei Mathias und Rejna einzuziehen, gleichzeitig ihr Haus und die Katze zu hüten, während sie derweil den Jakobsweg pilgerten. Während wir also die letzten Wochen ohne Ballast in Columbus Abschied nahmen, war unsere Umzugsfuhre schon auf dem Weg nach Washington.


Wir hatten eine frohe und unbeschwerte Zeit.


Also, um zum Schluss zu kommen und die Sache zu komplettieren, das werden wir vermissen:
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Mathias und Reyna: leider viel zu spät haben wir gemerkt, was wir von- und miteinander haben.

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Unsere Nachbarn Scott mit Ethan und Gracean: wir und insbesondere unser aller Kinder hatten einige gute gemeinsame Stunden und wir haben uns immer gern ausgeholfen.

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Eislaufen auf unserem kleinen Teich: dazu wird es an unserem neuen Wohnort wohl nur selten reichen.

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Dogwood und Redbud: Schneeweißchen und Rosenrot, die schöne Frühjahrsbaumblüte.

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Energiepreise und Grundsteuern: Energie muss teurer werden und Steuern müssen hoch. Natürlich angenehm, aber so billig wie der Sprit, das LP Gas, aber auch die Grundsteuern waren, das kann ja nix werden.

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Sandhill Cranes: so schön anzuschauen (und zu hören), wie sie im Spätherbst und Frühling in der Höhe übers Land ziehen.

Tja, mehr fällt uns nicht ein.
Das ist im Falle von Mathias und Reyna mehr als eine ganze Menge, aber wissend, dass unsere gemeinsamen Tage wohl ohnehin eher eher als später gezählt sind, macht diesen Umstand weniger schmerzhaft.




Auch wissend, dass Gelegenheiten schnell verstreichen, machen wir Anfang achtzehn wieder ein paar Familienfotos. Hier ist ein passendes zum Abschied.




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